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Grotzky als Rundfunkfeldherr

Johannes GrotzkyDer Bayerische Rundfunk denkt intensiv über die Abschaffung des Senders Bayern4Klassik nach. Siehe diesen Leitartikel „Jugendwahn“ in der nmz. Das hat für erstaunlich viel Wirbel gesorgt. Nun legt die SZ mit einem Interview des Hörfunkdirektors nach. Auffällig ist die Wortwahl von Herrn Grotzky. Da gilt es wie in einer Schlacht, „Menschen ins Feld zu führen“ und „Leute zu mobilisieren“. Angeordnet wird also eine Mobilmachung der Klassikhörer. Die sollen nicht mosern sondern BAyern4Klassik hören. 

Grotzky: Mir tut es sehr leid, wenn zwei hochwertige Angebote gegeneinander ausgespielt werden. Bayern 4 Klassik hatte natürlich einen Vorteil von der Debatte — es sind viel mehr Menschen über den Kanal informiert worden, als Bayern 4 Klassik hören. Und wenn der Bayerische Musikrat sein Mitgliederpotenzial von einer Million Menschen ins Feld führt, dann nehme ich das gerne an — wenn der Rat seine Leute endlich mobilisiert, Bayern 4 Klassik zu hören, statt zu protestieren.
[Das GANZE Werk]

Das hat was von, solange ihr eure Füße unter meinen Tisch steckt, sage ich euch, was Ihr hören müsst, damit ihr es hören könnt. In diesem Zusammenhang dann von „hochwertigen Angeboten“ zu sprechen — also von Angeboten — also Angebote, die man hören muss, scheint mir auch eine Verkehrung der Wirkung. Mal abgesehen davon, dass ich gerne wüsste, wie Herr Grotzky die Annahme verfizieren möchte, dass die Leute Bayern4Klassik nicht hören. War er in deren Wohnung?

Und was Worte wert sind? Man lese in der nmz 2003 Juli:

Für den nicht erwarteten Fall sinkender Quoten für Bayern 4 Klassik gab Grotzky so etwas wie eine Bestandsgarantie für die Klassik im Hörfunkprogramm des Bayerischen Rundfunks ab: Der BR werde als Sitz von Deutschlands erster Klassikwelle nicht auf klassische Musik verzichten. Solange das UKW noch nicht voll durch das digitale Radio ersetzt sei, werde der BR die klassiche Musik auch nicht auf das digitale Radio abschieben, sondern ein Klassik-Programm sowohl für UKW- wie DAB-Hörer anbieten.

Schnee von gestern. Die Zeiten ändern sich eben. Verlässlichkeit gibt es doch sonst schließlich auch nicht. So wird da der Tonfall nicht mehr weit von Sportpalastreden eines Joseph Grotzky. Oder ist es schlicht nur „Sein Kampf“?

NB: Grotzky sagt im Interview auch noch: „Mit der Jungen Welle wollen wir nicht nur junge Menschen abholen – sondern vor allem auch dem digitalen Hörfunk mit zum Durchbruch verhelfen.“ Die besten Abholer waren tatsächlich immer sehr totalitäre Staaten oder auch faschistische, ordinär-kommunististische oder nationalsozialistische.

Und was Durchbruch des digitalen Rundfunks angeht, den DSR, der wirklich einzig vernünftige Versuch in dieser Richtung hat man ja einfach aus der Umlaufbahn gekickt. Geräteschrott bei mir. Nene, auf den Funk kannste dich nicht verlassen.

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