Texte fürs Blog

Ausblick - Geschäftsmodelle - Devision by Zero

Irgendwann ist es wirklich gut und vorbei und in Ordnung. Semmel tut es, irgendwer anders tut es, ich auch. Und zwar deshalb. Bei meinem heutigen Streifzug durch die versammelte Dummheit und Großsprecherei im Netz merkte ich einen leichten Anstieg meines Blutdrucks. Ich habe mich geärgert und spontan die Idee gehabt: Ab heute betreibst du Blog- und Forenmord.

Klar, die Welt hier (und übrigens auch nicht hier!) ist nicht besser als die draußen. Aber geht man draußen einfach in die Kneipe um die Ecke, werden hier — leider muss ich Remy verspätet und unrichtigerweise Recht geben (nur leider hat es der falsche gesagt) — Nasen gepudert, Aufmerksamkeiten ohne Aufmerksamkeit erzeugt. Und die Ausnahmen kann man an vier Händen abzählen. Etc. Warum soll man sich das antun? Ich habe doch einen prima Ausblick.

Ausblick

Was hat diese Mainstream-Öffentlichkeit der Blogs eigentlich erreicht — nicht, dass sie das etwa müssten. Mal so rein politisch gesehen? Dass sich die über 35-Jährigen jetzt adäquat äußern können, verlorengegangene Qualitäten der Kurzgeschichtenkunst ausleben? Windows, Musikindustrie und so alles scheiße ist? Mir ist selten so wenig Flachheit und Eitelkeit begegnet wie in diesem Medium. Es ist furchtbar geworden. Ja, es ist furchtbar geworden. Im schlimmsten Fall dann diese Einverständnisabnicken. Allenfalls bei den allseits beliebten Blogmasturbationen war dies anders.

Ja, das wurde erreicht. Die Welt ist bunter geworden. Man muss sich nicht mehr verzweifelt auf den Portalseiten von t-online und yahoo herumtreiben. Ist wie Privatfernsehen. Und zwischendrin Werbung und neue Geschäftsmodelle. Hyperhyper. Eben hypertonisch.

Und am Ende bleibt die Einsicht in die Unzulänglichkeit. Und in die Dummheit der Selbstverklärung mit den Fahnen einer Copy-Freiheit, der Open-Soup-Fraktionen. Einer teilweise nach außen getragenen Anti-Neutralität, die man doch auch ohne Ankündigung sieht.

„Das Internet macht keinen Spaß mehr.“ Auf der einen Seite der notorische Kampf gegen E-Müll, versteckte Angriffe auf Rechner, selbsternannte Security-Hacker, auf der anderen Seite die falsche Selbstbeheiligung. Und alles das ist nun Ausfluß neuer Freiheit und besserer Gesellschaftsteilnahme?

Die Ausnahmen kann ich an drei Händen abzählen. Nicht, dass es woanders etwa besser wäre. Da ist das alles nur schicker und noch weniger eindrucksvoll umso mächtiger an Leere.

Die Blogs haben die Welt nur verschieden interpretiert, es kömmt drauf an sie zu verändern.

Den Rest gab es mir gestern abend, als ich hören musste, dass ehrenamtliche Hospiz-Helfer auch noch für die Ausbildung etwa 350 Euro mitbringen müssen.

Die gesellschaftlichen Eckdaten sind so schlecht, so faul (selbst in der Wohlstandsgesellschaft), dass sich das Lamentieren über Urheberrechtsabgaben und freie Sprache in nichts auflösen. Im Detail: Wo der Quell des Unglücks so primär ist, ist der Rest fortgesetzte Barbarei.

Ein Blatt, baumlos,
für Bertolt brecht:

Was sind das für Zeiten,
wo ein Gespräch
beinah ein Verbrechen ist,
weil es soviel Gesagtes
mit einschließt?

[Paul Celan].

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