Texte fürs Blog

Internet-Peinlichkeiten

Manchmal fragt man sich vielleicht, wenn man denn sich so etwas fragen will -- man muss es ja nicht --, wie grenzenlos naiv in einigen Produkten der Internetwelt gehandelt wird. Ein Blogger des Handelsblattes hatte einen Eintrag verfasst, der von der Redaktion des Handelsblattes gelöscht worden ist. Das erboste den Blogger. Das ist nur verständlich. Aber die Misere tut sich erst in den Rechtfertigungen auf, die daraufhin folgten.

Die Redakteure schreiben da:

Grund für unsere Entscheidung war die Befürchtung, dass der Blog-Beitrag von Herrn Uhlig in der Öffentlichkeit irrtümlich nicht als die persönliche Meinung eines Wissenschaftlers, sondern als redaktioneller Beitrag des Handelsblatt wahrgenommen werden könnte und der Eindruck entsteht, das Handelsblatt rufe zu einem „Run“ auf die Commerzbank und andere Finanzhäuser auf. (Quelle)

Kann diese Form einer Mutmaßung solch einen Löschungsquatsch erklären? Beim Handelsblatt wohl schon. Der Umkehrschluss ist selbstverständlich, dass alle anderen Beiträge weisungsgewisse Beiträge sind. Für wie dumm hält man da also seine Leser.

Die Befürchtung ist sogar geradezu paranoid:

In einer Situation, die ohnehin sehr fragil ist, wollten wir jedes Risiko ausschließen, durch missverständliche Äußerungen eine Panik in der deutschen Finanzindustrie zu verursachen. Dies haben wir höher bewertet als die Meinungsfreiheit unseres Bloggers. (Quelle)

Das hat man vorher nicht gewusst. Das Handelsblatt könnte zum Panikverursacher werden! Wie soll man sagen, an einer gewissen Selbstüberschätzung scheint man nicht zu leiden.

Und Thomas Knüwer erklärt die Sache ganz einfach mit "Wochenende" und:

Zum Vertreten von Handelsblatt-Meinung: Es gibt einen technischen Haken, der sich hoffentlich nunmehr erledigt. Einige Blog-Einträge fließen in den regulären Schlagzeilen-Feed des Handelsblatts. Auf dem Mobil-Angebot sind sie dann von Kommentaren kaum zu unterscheiden. Das war in diesem Fall auch so. (Quelle)

Das ist natürlich ein Problem. Man will Meinung, aber man will sie nicht. Man will einen hochklugen Ökonomen bei sich haben, aber mit den Folgen will man nicht leben. Man will Blogs, aber lieber eigentlich nicht.

Ich kann nicht müde werden zu warnen, macht es euch mit den Blogs nicht zu einfach. Sie haben eine Dynamik, die offenbar in einem offiziellen Organ nicht handelbar sind. Wenn man Blogs für sich gewinnen will, muss man in den Apfel beißen, der da heißt, ich verliere Kontrolle über einen bestimmten Bereich meines offiziellen Tuns.

Aber dieser Fall beim Handelsblatt wäre wesentlich einfacher zu lösen gewesen. Man kommentiert den fraglichen Beitrag von eigener Seite. Es braucht keine Disclaimer mit Fett und sonstwie was, dass etwas die eigene Meinung des Nutzers sei. Das versteht sich bei namentlich gezeichneten Beiträgen von selbst.

Und noch etwas man diese spezielle Misere klar. Man kann sie nicht kommunizieren. Ist der Fall erst einmal eingetreten und die Öffentlichkeit groß und weit genug, kann man tun was man will, es gibt kaum eine vernünftige Erklärung, die überzeugen könnte. "Shit happens" oder -- noch weniger geeignet -- "Irren ist menschlich" machen nur den verbrochenen Fehler noch dicker.

Fehler passieren. Aber man wird unterscheiden müssen zwischen Fehlern in der inhaltlichen Verantwortung und denen der Technik. Leider ist die Kultur des Eingestehens nicht weit verbreitet, weil man häufig für den einen Fehler den anderen der anderen sucht. (Wochenende!, Angst vor Mutmaßungen etc.)

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