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In der Krypta - Die lange Fermate und das dünne Eis

Im Winter auf dünnem Eis.

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Wir Heimatlosen. -- (...) Wir Kinder der Zukunft, wie vermöchten wir in diesem Heute zu Hause zu sein! Wir sind allen Idealen abgünstig, auf welche hin einer sich sogar in dieser zerbrechlichen, zerbrochenen Übergangszeit noch heimisch fühlen könnte; was aber deren »Realitäten« betrifft, so glauben wir nicht daran, daß sie Dauer haben. Das Eis, das heute noch trägt, ist schon sehr dünn geworden: der Tauwind weht, wir selbst, wir Heimatlosen, sind etwas, das Eis und andre allzudünne »Realitäten« aufbricht...
[Friedrich Nietzsche: Werke und Briefe: Fünftes Buch. Wir Furchtlosen. Friedrich Nietzsche: Werke, S. 6305
(vgl. Nietzsche-W Bd. 2, S. 251-252) (c) C. Hanser Verlag
http://www.digitale-bibliothek.de/b... ]

Und noch eines:

Unsre langsamen Zeiten. - So empfinden alle Künstler und Menschen der »Werke«, die mütterliche Art Mensch: immer glauben sie, bei jedem Abschnitte ihres Lebens - den ein Werk jedesmal abschneidet -, schon am Ziele selbst zu sein, immer würden sie den Tod geduldig entgegennehmen, mit dem Gefühl: »dazu sind wir reif«. Dies ist nicht der Ausdruck der Ermüdung - vielmehr der einer gewissen herbstlichen Sonnigkeit und Milde, welche jedesmal das Werk selbst, das Reifgewordensein eines Werks, bei seinem Urheber hinterläßt. Da verlangsamt sich das tempo des Lebens und wird dick und honigflüssig - bis zu langen Fermaten, bis zum Glauben an die lange Fermate...
[Friedrich Nietzsche: Werke und Briefe: Fünftes Buch. Wir Furchtlosen. Friedrich Nietzsche: Werke, S. 6304
(vgl. Nietzsche-W Bd. 2, S. 251) (c) C. Hanser Verlag
http://www.digitale-bibliothek.de/b... ]

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