Texte fürs Blog

Utopie, da vorne!

Heute Zeit gefunden, auf einer Zugfahrt die Blätter zu blättern. Wieder mit einigen präzisen Artikeln; zum Hessendebakel, zur Krankenhausreform, Hartz-IV etc.

Aber in einem geht es ausdrücklich auch um die Gegenwart in ihrer Beziehung zur Zukunft mit dem Titel: Wer wird die Arche bauen. Vielleicht auf diese Weise ein verlegener Gruß nach A'burg, wo die wohl vermutlich erste Grüne der Familie einen geradezu quadratischen Geburtstag feiert.

Nachhaltige Stadtmodelle für den gesamten Planeten zu schaffen – und nicht nur für einige privilegierte Länder oder Gesellschaftsschichten – erfordert ein enormes Maß an Phantasie, wie es die Künstler und Wissenschaftler in den Glanzzeiten der Vhutemas und des Bauhaus bewiesen haben. Es erfordert eine kompromisslose Bereitschaft, über den Horizont eines neoliberalen Kapitalismus hinauszublicken und eine globale Revolution zu beginnen, die die Arbeitskraft der informellen Arbeiterklassen ebenso wie die arme Landbevölkerung nutzt, um eine nachhaltige Umstrukturierung ihrer Lebensbedingungen zu erreichen.

Natürlich ist das eine vollkommen unrealistische Vorstellung, aber entweder wir begeben uns heute auf eine hoffnungsvolle Reise und glauben daran, dass die Zusammenarbeit zwischen Architekten, Ingenieuren, Ökologen und Umweltaktivisten einen kleinen, aber entscheidenden Beitrag dazu leisten kann, dass die Schaffung einer neuen Welt etwas mehr in den Bereich des Möglichen rückt, oder wir ergeben uns in eine Zukunft, in der Planer und Architekten nur noch die Handlanger elitärer alternativer Lebensformen sind. Die „grünen Zonen“ unseres Planeten mögen zwar reichhaltige Möglichkeiten für die Monumentalisierung individueller Visionen bieten, aber die ethischen Fragen von Architektur und Planung können nur in den Mietskasernen und Ballungsräumen der „roten Zonen“ gelöst werden.

Ich bin daher der Auffassung, dass wir uns nur durch die Rückkehr zu einer explizit utopischen Denkweise Klarheit verschaffen können über die Mindestvoraussetzungen für den Erhalt humanitärer Solidarität angesichts des Zusammenspiels der unterschiedlichen planetaren Krisen. 1

Das denke ich auch.

  • 1. Das Gebot utopischen Denkens im Zeitalter der Katastrophen. Von Mike Davis, Blätter für deutsche und internationale Politik, 2/2009

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Kommentare

Schön, dass du an meinen Geburtstag gedacht hast, aber wieso verlegener Gruß?

Dem oben geschriebenen kann ich übrigens voll zustimmen.

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