Texte fürs Blog

Argumentationsfehler in der Netzpolitik

Der Ex-Pirat Christopher Lauer hat bekanntlich einen neuen Job. Er berät die Axel-Springer-Welt in Sachen Strategie und so. In dieser Funktion hat er dem Spiegel ein Interview gegeben. Darin stimmt er nun dem Leistungsschutzrecht für Presseverlage zu, das er vor einiger Zeit noch ablehnte und zu Petitionen gegen das entprechende Gesetz aufrief. Zum Beispiel auf Twitter. Angeblich ist Lauer dabei, alte Einträge zu löschen. (Diese Funktion  gibt es, warum sollte man sie nicht nutzen.)

Netzpolitik.org hat das jetzt kritisiert. Also nicht das Löschen, sondern den Stimmungswandel bei Lauer. Lauer beschwert sich nun in einem Twittereintrag darüber, dass netzpolitik.org jetzt zwar gegen die Vorratsdatenspeicherung sich ausspreche, dann aber diese Dokumente von ihm, Lauer, aus alten Archiven wie dem Google-Cache hervorhole. Was netzpolitik damit kontert, dass sie sagen:

Die Reaktion von Christopher Lauer ist übrigens diese hier. Als ob die öffentlichen politischen Aussagen eines Profi-Politikers, der in einem Parlament sitzt, mit der Vorratsdatenspeicherung vergleichbar seien…

Dieser Vorgang ist interessant. Denn beide Seiten operieren mit untauglichen Mitteln.

1. Niemand ist gezwungen, eine Meinung beizubehalten, wenn er aufgrund anderer Konstellationen diese ändern möchte. Am besten aus guten Gründen von Argumenten, nicht aus Gründen eines Arbeitgeberwechsels. Auch ein Pirat kann sich irren, sogar zweimal oder öfter. (netzpolitik.org irrt)

2. Ein Archiv öffentlicher Äußerungen (auch ein Regal mit Büchern) muss nicht nach Gebrauch vernichtet werden. Vorratsdatenspeicherung dient polizeilichen Ermittlungen oder ähnlichem restriktiven Zeugs. (Lauer irrt).

2.1. Für diese Erkenntnis ist es völlig unerheblich, ob Lauer Politiker, Profi-Politiker ist oder war und oder ob es sich um eine politische Äußerung handelt oder nicht. (netzpolitik.org greift zu kurz und irrt deshalb).

Die Sache ist eben doch ganz einfach. Lauer ist ein menschlicher und politischer Hasadeur. Die Art und Weise, wie er Probleme angeht, ist noch nie durch rationale Argumente gedeckt gewesen. Deswegen verweise ich auf ein aufschlussreiches Interview von Moritz Eggert mit Lauer, das die beiden 2012 geführt haben, als Lauer kulturpolitischer Sprecher der Piratenpartei war. Da muss man nicht mehr zu sagen.

Nach wie vor ist das Problem der Netzpolitik, dass diejenigen, die sich dafür kompetent fühlen, häufig genug doch nicht kompetent sind. Sie verstehen im Einzelfall viel von der Sache, aber häufig auch wenig vom Ganzen. Und sie sind getrieben nicht von der Aufklärung in der Sache, sondern von persönlichen Erfahrungen. Ist ja übrigens auch nicht nur in der Netzpolitik so.

Update 15:15 Uhr:

Der Grundgedanke bei netzpolitik.org ist ja korrekt. Nur die Interpretation des Vorgangs macht ihn ja kleiner als er ist. Lauer ist kein in der Sache ernstzunehmender Diskurspartner. Er wird immer eine Meinung vertreten, die gerade opportun ist. Es ist daher sogar schwer zu sagen, ob seine Meinung von vor drei Jahren eine „echte“ wahr, oder ob es die aktuelle ist, die echt ist. Wahrscheinlich eben weder die eine noch die andere. Bei Twitter antwortete er mir, das  verlinkte Interview, das Moritz Eggert transkribiert hat, sei nicht echt. Das kann jemand,  der sich selbst unecht macht, schwer behaupten. Es wirkt mindestens absurd.

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