Texte fürs Blog

Gelasssen-heit

Nach wie vielen Jahren auch immer. Ein erneuter Versuch mit Heidegger ist ziemlich deutlich gescheitert. Als Student hatte ich eine Berührung mit Martin Heideggers „Sein und Zeit“. Der Titel versprach so viel und noch heute finde ich, es gibt kaum einen besseren. Google, Yahoo und Co müssten sich um dieses Philosophie-Startup prügeln. Der Titel ist einfach umwerfend. Aber jetzt wollte ich es gelassen angehen. In der momentanen Situation versprach der Vortrag zu „Gelassenheit“ ebenso viel.

Gelassenheit. Foto: Hufner

Dabei war der Zugang schon widrig. Im Buchhandel gibt es zwei Ausgaben. Eine alte für 11,95 Euro (lieferbar am 6.10.) und eine, die am 2. Oktober erscheinen sollte für 10 Euro (lieferbar zum 7.10.). Weil beide vor wenigen Tagen nicht von heute auf morgen zu haben sein sollten, habe ich mich für die billige Variante entschieden. Der Bestellvorgang ging nächtens neulich nicht, weil ein Fehler im System des Anbieters war, aber dann klappte es. Die Lieferung zum 7.10. wurde dann aber aufgeboben, man müsse bis Mitte Oktober warten. Und so entschied ich mich um.

Jetzt habe ich seit gestern „Gelassenheit“ und das Werk auf einer Busfahrt von Lichterfelde West nach Lichterfelde Ost so ziemlich durch gehabt. Ein dünner Band. Auch vom Inhalt her. Vokabeln wie Heimaterde, Verweise auf Boden in Ostpreußen, dem schlesischen Land und Böhmens gaben mir zu Denken. Die Apotheose der Atomkraft kommt dazu. Und da faselt Heidegger von der Bodenhaftung. In einer Zeit, wo dieser Boden weggebrochen ist, wird Heimaterde aufgeschüttet und ein Vergleich – über Hebel – zur Pflanzenwelt gezogen. Das ist alles so trivial, so plump.

Wenn er zuvor trennt zwischen rechnendem und besinnlichem Denken, kommen mir spontan Verweise zur „Kritik der instrumentellen Vernunft“ von Max Horkheimer und zu Max Weber. Aber da wird nichts weiter ausgeführt. Bei Heidegger bleiben die Gedanken oberflächlich und vergammeln auf seinen Holzwegen. Der „Verlust der Bodenständigkeit“ wird beklagt. Aber wo sind die Ursachen davon. Was macht es aus. Es gibt immer noch Menschen, die nie ihr Dorf verlassen haben. Geht es ihnen besser mit ihrer Bodenständigkeit?

Es ist doch eher so, dass der Boden eben keine fixe Größe ist, sondern immer schon dem Wandel unterworfen war, wenn man denn schon in Heideggers Terminologie bleiben will.

Und was ist jetzt mit der Gelassenheit? Ich habe keine Ahnung. Hätte ich den Erwerb des Buches doch einfach „gelassen“.

Bibliographische Angaben: 

Martin Heidegger: Gelassenheit, Stuttgart 2014.

Kommentare

ha!

du wirst lachen: ich stand letztens im hiesigen Buchtempel und hielt den Heidegger in der Hand und dachte mir ich bin jetzt in dem Alter wo ich sowas vielleicht mal lesen müsste.

Hab's dann gelassen.

Zwei Doofe, ein Gedanke.

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