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Im Gespräch: Geert Lovink: Wem läuft die Netzavantgarde nach, Herr Lovink? - Medien - Feuilleton - FAZ.NET

Das dürfte heute keine besonders originelle Ansicht mehr sein.

Ja, aber wenige der Ideen, die damals entstanden sind, haben sich wirklich durchgesetzt. Einer der zentralen Gedanken der damaligen Zeit war die Veränderbarkeit der Identität. Die Internetkultur ist jedoch in eine völlig andere Richtung gegangen. Es geht heute im Netz um eine völlig einfache und konservative Form der Selbstdarstellung. Es ist so, als ob man sich ständig irgendwo bewerben würde. Das war so nicht gedacht. Man wollte damit viel spielerischer und kreativer umgehen.

Die Möglichkeit ist doch noch vorhanden.

Ja, aber sie wird nur von wenigen genutzt. Die sozialen Netze, die in den letzten Jahren aufgebaut worden sind, sehen in der Virtualität eine reine Kopie der realen Welt. Die Benutzer finden das prima. Das Netz ist eine Tragödie der Selbstrepräsentation.

Es gibt doch zahllose Plattformen, auf denen virtuelle Identitäten gepflegt werden können.

Ja, aber das Problem ist, dass die Anonymität dort überschätzt wird. Alles wird inzwischen überwacht, Suchmaschinen sammeln unzählige Daten, man weiß sehr viel über die Nutzer. Viele Scheinidentitäten fliegen daher sehr schnell auf. Der Traum, im Internet ein anderer sein zu können, ist damit passé. Die Identität der Benutzer ist fast völlig transparent geworden.

Wie ist es zu dieser Entwicklung gekommen?

Der wichtigste Faktor, der das freie Variieren der Identität verhindert hat, war der E-Commerce und seine „Trust“-Parole. Es ist eben aus wirtschaftlicher Sicht nicht vorteilhaft, nicht zu wissen, mit wem man seine Geschäfte treibt. Das hat auf die sozialen Netzwerke abgefärbt. In der Vergangenheit war das Internet ein öffentlicher Raum. Auf Plattformen wie Facebook kann es soziale Abweichung hingegen nicht mehr geben. Der zweite Grund ist der Einfluss der Nationalstaaten, der sich in den letzten Jahren ständig ausgeweitet hat und die Gefahr breitflächiger Überwachung bringt. Die Zäsur war hier der 11. September 2001. Inzwischen sind überall „National Webs“ im Aufbau.

Aber das Internet macht es doch einfach, nationale Rechtsprechungen zu umgehen.

Das stimmt. Aber man muss erst einmal in der Lage dazu sein und über die entsprechenden technischen Kenntnisse verfügen. Das Problem ist, dass nicht jeder ein Programmierer ist und die Technik in den Griff bekommt.

Ein sehr schickes Interview, aber nicht richtig.. Vor allem, es zeigt den Geist meiner Generation. Antworten gehen immer nur als "Ja, aber ..." oder "Das stimmt. Aber ..."

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