Texte fürs Blog

Vorbeifahrt

Hof.

Vorbei an einem Hinweis zu einer Tattoo-Convention, bald ein Quality-Hotel rechterhand, dessen „Quality“ eher zu ahnen als zu sehen ist. Eigentlich eher gar nicht, zu schnell geht es daran vorbei. Es wirkt von außen wie ein Meisterwerk aus Grau in Grau – zumal an einem solchen grauen Tag. Dazwischen seriell funktionale Fensterrahmen in dunkel, die den Ernst der Lage nur hervorheben statt ihn zu brechen. Quality bestimmt noch nicht den Grad der Qualität. Erinnert in anderer Weise an das schnieke Hotel in Darmstadt nahe Bahnhof, wo alle zwei Jahre junge Komponisten und Komponistinnen sowie Musiker und Musikerinnen nobel einkehren. Das heißt sich Maritim, lässt aber kaum eine Ahnung an so etwas wie Meer aufkommen. Höchstens Caspar David Friedrichs Betonmeer Böllenfalltor.

Reinigung. Foto: Hufner

Weiter vorbei an der Haltestelle Freiheitshalle: Scheint überall auf der Welt ein Bedürfnis zu sein, Dingen, die tot sind oder die nicht verwirklicht wurden, ein Monument zu setzen; oder ein Denkmal. Es folgt ein abgerissenes Bahnstellwerk, das so zerrüttet ist, als ob man es so haben wollte. Nämlich als Denkmal, als Ruinen-Denkmal, wo die Berliner den Anhalter-Bahnhof haben. Das kommt gut antik rüber und wird als mahnend gewürdigt.

Neben der Bushaltestelle am Bahnhof ein geschätzt siebenstöckiges Gebäude, leerstehend, daran ein Plakat prangt, wo etwas von Visionen die Rede ist, wo einem ja gleich Kraus und der Arzt einfällt, wahrscheinlich sehr zu unrecht. Am Bahnhof muss ein Mädchen von ca. 9 Jahren einen Miniaturhund in Kreisen spazieren führen. An der Leine. Merkwürdig zu sehen, wie die Schnupperwelt des Hundes so eine komplett andere sein muss als die des Menschen, der aber auch nicht schnuppern muss – ein anderes Universum. Hinkacken wird barsch untersagt. Bleibt der Hund eben einfach so sitzen. Aber immerhin: Kommunikation untereinander. Beim Geschäft berühren sich die Welten.

Die Sache begann mit der Abfahrt, wo ein Wegweiser zum Einöd „Erzengel“, einem Ferienhaus wie ich nun weiß, hinwies.

Bahnhof Selb.

Zuvor Nordabfahrt. Linkerhand taucht ein Lokal auf, das griechische Spezialitäten verspricht und so riesig wirkt, dass man zu allererst denken mag, es handle sich eher um eine Turnhalle. Und? Es ist ein Schwimmbad.

Sympathisch, das der Platz vor dem Bahnhof nicht Bahnhofplatz heißt, sondern Goetheplatz. Auf dem Weg zur Autobahn zurück, das übliche Spiel: Dänisches Bettenlager, McDonalds, Tabletop ... Man versteht also, wofür die ganzen Befreiungskriege doch nötig sind. Wahrscheinlich hat sich nun die Hofer Freiheitshalle unterdessen zur Shopping-Mall gewandelt. Und irgendwie würde das ja stimmen. [Per Smartphone checken, ob der spanische Wein von UPS schon angeliefert worden ist.]

Hof noch einmal

Den billigen Gag beiseite: Im Nachhinein musste ich grübeln, ob ich das Schild am Bus richtig gelesen hatte: Stand da nicht eventuell „Freizeithalle“ in Wirklichkeit? Stand da nicht. In Hof gibt es auch wirklich eine Freiheitshalle in der jedoch tatsächlich für einen ordentlichen Verbrauch von Freizeit gesorgt wird. Schlager, Meetings, Hofer Symphoniker … „Für Event-Momente der Extraklasse“, ein Motto, das ich in meinem Kopf hin und her wende, doch zu keinem widerhakenden Ergebnis kommt.

Dabei ist das Programm der Halle gar nicht mal schlecht. Bunt und für jeden etwas dabei. In Hof leben ja ganz normale Menschen und nicht solche dusseligen Durchfahrer.

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