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Alexis de Tocqueville: Despotismus und Recht

Eine kurze Analyse von Alexis de Tocqueville zum Funktionieren von Tyrannei:

„Wenn man aufmerksam untersucht, was sich in der Welt zugetragen hat, seit die Menschen die vergangenen Ereignisse im Gedächtnis bewahren, könnte man mühelos feststellen, daß sich in allen zivilisierten Ländern neben einem Despoten, der befiehlt, fast immer ein Rechtsgelehrter befindet, der dessen willkürliche und unzusammenhängende Willensakte in eine Ordnung und Übereinstimmung bringt. Die allgemeine und unbestimmte Liebe zur Macht, die die Könige erfüllt, ergänzen sie durch die Freude an der Methode und die Kenntnis von den Einzelheiten der Herrschaft, über die sie selbstverständlich verfügen. Jene verstehen es, die Menschen vorübergehend zum Gehorsam zu zwingen, diese beherrschen die Kunst, sie fast freiwillig zu ständiger Fügsamkeit zu beugen. Die einen haben die Macht, die anderen das Recht. Jene gelangen durch Willkür zur höchsten Macht, diese durch Legalität. An dem Schnittpunkt, an dem sie sich begegnen, entsteht ein Despotismus, der der Menschheit kaum die Luft zum Atmen lässt; wer nur an den Fürsten denkt, kennt nur die eine Seite der Tyrannei, um das Ganze zu erfassen, muß man aber beide zugleich im Auge haben.“1

 

  • 1. Die gesellschaftlichen und politischen Zustände in Frankreich vor und nach 1789, zitiert nach: Uwe Wesel, Juristische Weltkunde, Eine Einführung in das Recht, Frankfurt 1984, S. 163).

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