Zettelkasten

Angehäufter Haufen

Schalter mit falschen Funktionen. Foto: Hufner

Ich habe mal eher zufällig wieder ein Buch von Buch Michel Foucault zur Hand genommen. Es stand mir direkt vor den Augen und hatte den Titel: Ästhetik der Existenz. Da habe ich nicht weiter drin gelesen, weil es komplizierter oder langweiliger oder ichweißnichtwas schien als manches andere Buch vom gleichen Autor.

Doch man kann den Versuch immer wieder machen. Irgendeinen Nutzen kann man noch aus allem ziehen. Und so war es auch. Ich schaute hier und schaute da. Aber an irgendeiner Stelle ging es um Konflikte und Macht: Im 19. Jahrhundert um Beispiel um Arbeit, Ausbeutung und Unterdrückung. Im 20. um anderes dann – aber, ohne dass der andere Konflikt beseitigt worden wäre.

Die Problemlagen türmen sich nur weiter auf. Ich glaube, das ist keine bahnbrechend neue Erkenntnis, so war sie auch nicht gemeint. Doch was mich dabei zum Nachdenken zwang, ist das Phänomen, das jede Zeit ihr eigenes Turmproblem bearbeitet. Und dass dieses oberste gefühlte Problem keineswegs dasjenige sein muss, das am stärksten wirkt.

Schaut man jedoch auf die Probleme der Netzgemeinde, dann sind es diese Turmprobleme, die immer wieder angefasst werden und im Blitzlicht stehen. Daran arbeitet man sich in erster Linie ab. Das muss auch so sein, wenn es brennt. Aber meine Vermutung ist, dass diese Probleme wirklich, obwohl sie tief greifen, nur oberflächlich sind. Außen sind die Pusteln –ärgerlich–, aber drinnen ist das Immunsystem völlig defekt.

Das ist meines Erachtens in Kulturfragen nicht anders. Es gibt da eine hektische Betriebsamkeit, um Kürzungen, Streichungen und dergleichen abzuwehren, gleichzeitig einen Riesenhaufen Initiativen, die auf alle möglichen Randgruppen gehen, um sie – ja, was eigentlich? – zu überreden, für sich festzustellen, dass Kultur unersetzlich ist?

Also man geht auf die Gruppen zu, um sie auf die eigene Seite zu ziehen, damit man zeigen kann, wie wichtig Kultur ist. Das versteht sich nicht von selbst und damit versteht sich Kultur nicht von selbst. Was man ja vielleicht auch einfach mal eingestehen muss, statt mit Übertölpelung dem beizukommen.

Also im Bereich Kultur ist das Problem nicht auf der Oberfläche auf der man es bearbeitet, sondern viel tiefer gelegen.

So auch im Fall des Rituals.

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