Zettelkasten

Ekel – Das Werdende

Der Ekel vor dieser Welt steigt sekündlich. Ein großes Weltversagen. Und offensichtlich nichts als Ohnmacht.

„Gegen den Untergang des Abendlandes steht nicht die auferstandene Kultur sondern die Utopie, die im Bilde der untergehenden wortlos fragend beschlossen liegt.“1

Ich bin mir nicht so sicher, wie das gemeint sein könnte. Das „wortlos fragend“ ist so eine Chiffre, die sich selbst bestätigt un die Sache um ihrer selbst Willen im Unklaren lassen möchte. SIe wird als Unbedingtes im Untergang noch angezeigt. Ob sie dann Bestandteil der utopischen Kultur selbst ist, ist gar nicht mal so ausgemacht. Die Utopie ist immer auch noch in der untergehenden Kultur mitgedacht: und vielleicht ist so sowieso nur soweit da, wie sie unrealisiert bleibt.

Trakl, aus Vorstadt im Föhn:

[…]

Und ein Kanal speit plötzlich feistes Blut
Vom Schlachthaus in den stillen Fluß hinunter.
Die Föhne färben karge Stauden bunter
Und langsam kriecht die Röte durch die Flut.

 

Ein Flüstern, das in trübem Schlaf ertrinkt.
Gebilde gaukeln auf aus Wassergräben,
Vielleicht Erinnerung an ein früheres Leben,
Die mit den warmen Winden steigt und sinkt.
 
Aus Wolken tauchen schimmernde Alleen,
Erfüllt von schönen Wägen, kühnen Reitern.
Dann sieht man auch ein Schiff auf Klippen scheitern
Und manchmal rosenfarbene Moscheen.

  • 1. Band 10: Kulturkritik und Gesellschaft I/II: Spengler nach dem Untergang. Theoder W. Adorno: Gesammelte Schriften, S. 7490, (vgl. GS 10.1, S. 71)

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