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Heuchelei der Musikindustrie - Thema Frei.Wild, Thema Musikindustrie

Jugendbücherei. [Click macht groß]

Jedes Jahr gibt es mehrere ECHOS der Musikindustrie (Pop, Jazz, Klassik). Einer schlimmer als der andere. Im Vorfeld der aktuellen ECHO-Verleihung hat man jemanden nominiert, den man nicht will, auch wenn er das Planziel (Verkauf von Platten) gut erreicht hat. Mir war Frei.Wild, die Band um die es geht, bis gestern vollkommen unbekannt. Aber angeblich haben andere Band mit Rückzug gedroht, sollte Frei.Wild nominiert bleiben. Also zog der Bundesverband der Musikindustrie die Notbremse:

„Wir haben in den letzten Tagen heftige Kontroversen um die Nominierung von Frei.Wild, die auf Basis der Charts-Auswertung erfolgte, erlebt, die den gesamten ECHO und damit auch alle anderen Künstler und Bands überschatten. Um zu verhindern, dass der ECHO zum Schauplatz einer öffentlichen Debatte um das Thema der politischen Gesinnung wird, hat sich der Vorstand nach intensiven Diskussionen dazu entschlossen, in die Regularien des Preises einzugreifen und die Band Frei.Wild von der Liste der Nominierten zu nehmen.“ (Newsletter)

Und das ist wiederum so kurios, dass es geplant sein musste. Man will nicht, dass der „ECHO zum Schauplatz einer öffentlichen Debatte um das Thema der politischen Gesinnung“ werde. Aber genau das findet jetzt statt Und es geht dabei nicht um Gesinnung, sondern auch um Gesittung. Vor allem, wie weist man nach, welche Gesinnung Musik hat.

Pop- und Rockmusik wünscht man sich also gesinnungsfrei, was okay ist, aber es geht doch wohl eher um die Frage der Politisierung der Musik. Und die Rezeption von Musik. Bislang hat man nur letzteren Punkt im Sichtfeld. Fans von Frei.Wild seien eben teilweise rechter politischer Gesinnung. Und die von Florian Silbereisen? Die sind allesamt zahm?

Wäre es nicht konsequent, das Wagner-Jahr endlich abzubrechen, weil ja auch genug Fans Wagnes dem ultrarechten Spektrum zuzuordnen sind. Bruckner, Nietzsche, Beethoven. Alle durch ihre Fans beschädigt. Ja! In der Tat sind sie das - unter anderem, aber nicht nur.

Vielleicht nutzt die Musikindustrie die Situation endlich einmal dafür, die Dinge klarzustellen. Und die angeblichen Empörer? Empört euch besser über eure Industrie, die natürlich vollkommen „unpolitisch“ über Jahre hinweg agiert hat. Und stellt euch endlich der Gesinnungspolizei!

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