Zettelkasten

Massenkultur – Vorgefühl eines Nichtgefühls

Ein Plädoyer für das langweilige Bild

„Massenkultur ist ungeschminkte Schminke.“1

Da fällt mir jetzt grad auch nichts mehr zu ein.

„Kitsch ist der Niederschlag entwerteter Formen und Floskeln in einer Formwelt, die ihrem Umkreis entrückt ist. Was der Kunst von ehemals zugehörte und heute unternommen wird, rechnet zum Kitsch.“2

Es ist der Ekel,  der mir in letzter Zeit aus den „perfektionierten“ Fotos entgegenspring: Tausendfach die Meerbilder mit Langzeitaufnahmen und mit ihrer hohen Sättigung am Abend; die Aufnahmen von den einsamen und gleichwohl geschönten Menschen und so inszeniert, dass die Bilder brüchig werden müssen und zum bloßen Kitsch, zum Vorgefühl eines Nichtgefühls werden. Optische Werke (Fotos) sind dafür besonders anfällig.

Ich plädiere daher für eine Abrüstung dieser hochgeladenen fotografischen Systeme. Ich plädiere für das langweilige Bild, für das Bild ohne Witz, für das Bild, das einen nicht überreden will und nicht einmal den Fotografen.

  • 1. Band 3: Dialektik der Aufklärung: Das Schema der Massenkultur. Theoder W. Adorno: Gesammelte Schriften, S. 1608 (vgl. GS 3, S. 317)
  • 2. Band 18: Musikalische Schriften V: Kitsch. Theoder W. Adorno: Gesammelte Schriften, S. 15628 (vgl. GS 18, S. 791)

Kommentare

Man fühlt sich nach dem lesen des Textes nicht mehr ganz so alleine...

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