Zettelkasten

Plakate, die etwas eigenartig sind

Urheberrecht, PR, Deutscher Kulturrat

"Das drastische Motiv unterstreicht eindrücklich die Notwendigkeit eines angemessenen urheberrechtlichen Schutzes für Künstler und die gesamte Kulturwirtschaftsbranche."

Das schreibt das Sydikat über ein Plakat, das das Syndikat vor einiger Zeit schon hat entwerfen lassen.

Ich finde solche Selbstinterpretationen immer etwas "problematisch" - was der Dichter (Bildgestalter) uns sagen will, ist gar dagegen eine Frage der Rezeption. Ich muss sagen, ich finde das Plakat "interessant". Aber außer dem Button "Ja zum Urheberrecht" kann ich keine Aussage finden.

Kulturfledderei ist eine Wortmarke. Ein Mann mit Maske in einem Raum und ein Haufen Statisten, die notdürftig geschminkt sind. Eine Verbindung zwischen Kultur- und Leichenfledderei scheint beabsichtigt. Aber man versteht den Zusammenhang nicht. Sind die Leichen zu substituieren durch "Kultur" - also symbolische Vertreter? Wenn ja, den symbolisiert der Mann mit der Guy-Fawkes-Maske? Rundfunkanstalten? Verlage? Wäre denkbar. Die Aussage ist drastisch und geht gegen die Kulturfledderer in den Intendanzen der Rundfunkanstalten vor wie gegen die Ausbeuter in den Verlagen. 

Oder sind die Kulturfledderer diejenigen, die da rumliegen und nichts-tun, es sind immerhin acht. Also ganz viele. Der Typ im Hintergrund muss das selbst erzeugte Schlamassel aufräumen. Das ergibt alles einen Sinn. Vielleicht tun die nix, weil die Tote spielen. Nur wer hat die da eingeliefert. Und warum müssen die obduziert werden? Ist denen etwas zugestoßen? Wer ist dafür verantwortlich, ist ein Mann mit Maske der richtige Ansprechpartner, dürfen Pathologen nicht mehr öffentlich gezeigt werden? Nehmen die wirklich Herzen einfach so in die Hand? Öffnen sie so Leichen? Drapieren sie die Untersuchungsobjekte so nett mit Laken, dass Geschlechtsteile abgedeckt werden? Hat der Fotograf keinen Respekt vor der Würde der Toten? Der Fragen wären noch zahlreiche.

Ich verstehe daher gar nicht, was die Piraten-NRW gegen dieses Plakat haben, das doch genau einige Thesen bildlich umsetzt, die sie selbst vertreten. Den Autoren beim Syndikat möchte man entgegenrufen: "Wie können alles außer Plakate". Also Bleistifte spitzen, krude Fantasien umsetzen etc. 

PS: ich habe das Plakat heute beim Lecker-Abendessen mit den Bewohnern des Hauses besprochen. Ratlosigkeit herrschte vor. Man hat nicht ganz verstanden, was es darstellen oder bewirken soll. Ich meinte, mit einigem Wohlwollen könnte man eine historische Situation konstruieren, auf die das Motiv anspielt. Telefonarufe an Autoren und derartiges, weil deren Nummern öffentlich gemacht wurden. Okay. Aber dann müsste da doch eher "Ja zum Datenschutz" stehen, "Ja zum Recht auf Anonymität", oder?

Kommentare

Wenn die Kultur aus blassen, wehrlosen Gestalten besteht ist es nicht schade um sie. Vielmehr sollte man froh sein, dass es Leute gibt die das Verwertbare herausholen und was besseres draus machen.

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