Zettelkasten

Ruhestörung – denn gute Luft ist besser als gutes Denken

Auf der Treppe allein. Foto: Hufner

Im Anflug der Suche nach historischer Substanz, Buch von Habermas bestellt. Beiligend eine DVD mit dem Film Ruhestörung. Die Tage nach dem Schah-Besuch, als Benno Ohnesorg von einem Polizisten tödlich verletzt wurde. 

Blick in zahlreiche Diskussionsvorlesungen. Hörsäle voll. Es wird geraucht. Wer wichtig ist, raucht erst recht. War sehr erstaunt über die Diskussionskultur. Die Menschen konnten sich aussprechen. Es wurde fast niemandem ins Wort gefallen. Es gab keine Privatgespräche. Im Saal, in den Räumen war es ruhig. Die Menschen alle sehr gefasst auch in ihren Worten und in ihrer Deklamation. 

Wo ist da Revolution/Revolte/Rebellion? Wo ist da die Anarchie? Die wilde Zeit. Die Studenten dort größtenteils piekfein angezogen, akkurat. 

Man kennt die Zeit an ihrer Wortwahl. Darin war damals auch schon viel Redundanz. Aber immerhin war da etwas und man machte mit dem spitzen Bleistift Anmerkungen in der theoriedicken Luft. 

Im Moment wird das Gewurschtel der beobachtenden und urteilenden Macht mit de Gewusel beantwortet. Es gibt nicht einmal mehr einen funktionierenden Konservatismus. Die Gängelung ist Resultat des kleinsten gemeinsamen Einfachen. Und da geht auf allen Ebenen so zu. In der Bildung, sei es Schule oder Hochschule. In der Kommunikation, die im Netz privatisierte Kapitalmmasse ist.

Die Kulturwelt setzt dem kaum etwas entgegen, denn das alles ist ja die Kultur. Georg Philipp Engels und Friedemann Marx, Christian Luhmann und Johann Sebastian Adorno saßen sich den Arsch wund und wurden nicht froh darüber. Die Nach-68er haben die Hörsäle belüftet, denn gute Luft ist besser als gutes Denken. 

Wenn interessiert es, dass wir abgehört werden. Man ist froh, wenn man überhaupt gehört wird, scheint die Losung des Jahrzehnts zu sein. 

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