Zettelkasten

Sündenfall Studentenleben

Auto, Brücke, Radler. Foto: Hufner

Gerade macht mich Max Nyffeler auf einen Text über Adorno in der Zeit aufmerksam. Dort werden hochkomplizierte Vorgänge aus der Vita Adornos nacherzählt. Von Urlauben in Italien, die der Papa finanzierte über amouröse Dinge zwischen Schleppern und Abgeschleppten. Der Mann, der Ragtime spielte, wo immer ein Klavier sich aufdeckeln ließ und ansonsten aber nicht gedruckt wurde. Es fehlt die Geschichte über Adornos depressive Zustände um 1928, seine Idee zum Katholizismus zu konvertieren, und wie Soma Morgenstern ihn gar nicht leiden konnte. 

Hinter dem ganzen Wischiwaschi immer wieder der Einwand, wie ein ansonsten solch elitärer „Denker“ so sehr dem Genuss verfallen konnte, der der sogar den Besuch von Konzerten und Opern einschloss. Das sei, so der unausgesprochene Vorwurf, doch nur dem blöden Bürgertum vorbehalten gewesen. Er benimmt sich wie ein Angestellter, den Benjamin so schön gezeichnet hat, frönt dem spießigen Luxus und schreibt dann atonales Zeug. Das geht nicht. So wie es nicht geht, das ein Hegel-Kenner zugleich Fussballprofi sein kann. 

Man schaue sich einfach bei sich selbst um. Alles geht! Und warum nicht? 

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Kommentare

Interessante Wiedergängerfrage. Die Behauptung von Teddy, jeder Satz einer Philosophie müsste gleichweit entfernt von ihrem Zentrum sein, gülte also nicht für den Lebensstil? Zumal für einen Entwurf mit sooo großer Geste? Und dann waren da noch die Spitzendeckchen...

Es ist die alte Rechnung. Wie sehr muss Lebensstil und Denkstil in Übereinstimmung sein. Es ist die Frage, wie weit muss Identität sich selbst terrorisieren dürfen. Es ist die Frage, muss der Kompositionskritiker besser komponieren können?

Und umgekehrt ist es die Angst, nicht korrekt zu sein, das Schielen auf die Meinung des Kollektivs. Man schaue sich nur die zahllosen braven und korrekten Kompositionen an, die heute geschrieben werden. Alles ist kompatibel. Und wo einer irrtümlich meint, mit ein bisschen Skandal könne er die Welt verändern, wird ihm von den Spießbürgern zugejubelt, die sich mit ihm identifizieren. Wo ist heute ein Harry Partch, ein früher John Cage, ein ausgeflippter Stockhausen? Und eine geniale Bühnensau wie Wagner? Deshalb hat der perfekt unkompatible Teddy-Bürger hier meine volle Sympathie, obwohl... naja.

Man muss immer zwischen diesen Grenzen wandern. Was heißt "zwischen"? Und sie immer wieder eher überschreiten. Und drum herum. Das Guckloch in die vermeintliche Menschlichkeit des Tuns im Alltag ist ein Terror. Vielleicht eine psychoanalytische zu intterpretierende Art von Kompensation des Terrors, der von außen einen reglementiert.

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