Zettelkasten

Kusanowsky lehrt über Urheber

Urheberschaft dirigieren. Foto: Hufner

 Es gefällt ja einigen nicht so sehr, was Klaus Kusanowsky schreibt, aber er trifft doch genug ins Schwarze. Über  die Initiative „Wir sind die Urheber“ lässt er folgendes einfließen: Klaus Kusanowsky in Differentia

“Wir sind die Urheber” soll nur heißen: ihr seid es nicht. Ihr seid unserer Publikum. Dass das so imaginierte Publikum aber auch zum größten Teil “geistig” produktiv ist, wird ignoriert, weil die meisten damit kein Geld verdienen. Als ob Urheberschaft das Recht auf Bezahlung beinhalten würde! Damit kommt ein Begriff von Urheberschaft zustande, der nichts mehr mit dem zu tun hat, wodurch er sich im 18. Jahrhundert entwickelt hatte. Dieser Protest ist daher eher der Indikator für eine De-Intellektualisierung, für eine Proletarisierung von Kunst und Literatur. Sie verlangen, für ihre Arbeit bezahlt zu werden, nicht für ihre Kunst, was auch daran liegt, dass in Sachen Kunst inzwischen jeder überfordert ist, auch Schriftsteller und Künstler. ... Wenn wir demnächst Internet bekommen, dann bekommen wir auch eine neue Literalität, Kunst und Wissenschaft. Nur wird die Erfindung geeigneter Formen nicht belohnt. Unsere gegenwärtigen Formen, inklusive ihrer kognitiven Verarbeitungskapazitäten, sind für die Internetkommunikation nicht mehr geeignet. Deshalb der Protest: er entspricht der sonst so geschmähten Kostenlos-Kultur. Der Protest bringt nichts, kostet aber auch nicht viel. 

Da ist so manches Richtige drin getroffen. Die Unterscheidung zwischen Kunst & Arbeit und Bezahlung. Und anderes. Da erinnert in manchem wirklich auch an Stockhausens Position, auf die Kusaowsky hinwies. Kreidler hat es zitiert, Iber hat es wiedergefunden.

Abgesehen davon interessiert mich das Problem des geistigen Eigentunis natürlich sehr, seit es mich nicht mehr interessiert. Je mehr Ideen man nämlich verschenkt und unachtsam herumliegen läßt, je weniger man sich um sie kümmert, um so mehr bekommt man. Das unökonomischste Prinzip, das mir je durch den Kopf gegangen ist: Je mehr du vergibst, umso mehr du kriegst.1

  • 1. Karlheinz Stockhausen, Texte zur Musik Band 2, Köln 1988, S. 258

Kommentare

Normalerweise hat man nicht das Recht sich zu beschweren, wenn man von anderen Recht bekommt. Und sich zu beschweren ist ohnehin müßig, weil man sich immer nur selbst beschwert; es sich schwerer macht. Aber egal. Eine ernst gemeinte Frage: wie, womit und wann kann man anfangen, Formen einer Kunst und Wissenschaft zu entwickeln, die auf die Möglichkeiten und Erfordernisse einer Internetkommunikation angepasst sind? Nicht, dass diese Frage sofort und vollständig beantwortet werden müsste, denn Antworten erfordern immer Zeit und Geduld und brauchen sehr viel Überflüssiges, damit etwas Weniges, das weiter führt, gefunden werden kann.
Kommt man weiter, wenn man immer noch kritische Meinungsbildung betreibt?

Ich glaube nicht mehr daran, dass man so weiterkommt, es beruhigt einen nur selbst, weil man dann von sich glaubt, man habe etwas getan. Man tut es nur für sich. Es fällt ja schon schwer, den richtigen Adressaten zu finden. Für die meisten redet man ins Leere, wie beim Nageln des Puddings an die Wand. Sie sind gleichwohl die Emotionalisiertesten. Wie kleine Soldaten laufen sie einem Pinzip hinterher, das sich einen Scheiß um sie kümmert. Die es betreffen könnte, sind ignorant, weil sie von dem ganzen nicht tangiert werden. 

Die sog. Kreativen sind in dieser Hinsicht herrlich unkreativ. Die "Avantgarde" macht sich platt und hat für die, die in dieser Hinsicht Avantgarde wären, nur Verachtung übrig. Gruppenprozesse kann man nicht kritisch nach vorne durchdringen. 

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