{"id":1180,"date":"2005-05-06T02:38:00","date_gmt":"2005-05-06T01:38:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.kritische-masse.de\/wordpress\/blog\/dirigenten-und-veranstalter-als-kultur-schnaeppchenjaeger\/"},"modified":"2023-12-18T08:49:26","modified_gmt":"2023-12-18T07:49:26","slug":"dirigenten-und-veranstalter-als-kultur-schnaeppchenjaeger","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.kritische-masse.de\/logbuch\/2005\/05\/dirigenten-und-veranstalter-als-kultur-schnaeppchenjaeger\/","title":{"rendered":"Dirigenten und Veranstalter als Kultur-Schn\u00e4ppchenj\u00e4ger"},"content":{"rendered":"<p><b>F\u00fchren die Pl\u00e4ne f\u00fcr eine europ\u00e4ische Harmonisierung zu einer neuen Ausbeutungskultur?<\/b><\/p>\n<p>Europa ist gro\u00df und Deutschland ist klein. Seit der Osterweiterung der Europ\u00e4ischen Union im letzten Jahr ist Deutschland zwar ins Zentrum Europas ger\u00fcckt, zugleich aber den Kraftfeldern der neuen L\u00e4nder ausgesetzt, auch im kulturellen Bereich. Das tangiert auch die Musikkultur, denn das Produzieren und Reproduzieren von Musik ist nach offiziellem europ\u00e4ischem Sprachgebrauch eine Dienstleistung und soll somit zuk\u00fcnftig einer so genannten EU-Dienstleistungsrichtline unterliegen.<\/p>\n<p>Ein Orchester, ein Komponist, ein Musikvermittler hat sich demnach dem europ\u00e4ischen Markt genauso auszusetzen, wie ein Maurer, wie ein Schuster, aber auch wie ein Arzt. <a href=\"http:\/\/www.nmz.de\/nmz\/2005\/03\/leiter-haack.shtml\">Barabara Haack<\/a> und <a href=\"http:\/\/www.nmz.de\/nmz\/2005\/03\/dkr.shtml\">Olaf Zimmermann<\/a> \u00e4u\u00dferten sich in der letzten Ausgabe der nmz schon dazu. Das Ergebnis ist klar, man kann sich k\u00fcnftig die Dienstleistung \u0084Orchestermusiker\u0093 eben dort holen, wo sie am preiswertesten ist. Wenn Musikkultur zwar geil, aber vor Ort zu teuer ist, dann geht man eben zum europ\u00e4ischen Kultur-Media-Markt. So werden bald in Deutschland gewachsene, wohl zum guten Teil auch kranke kulturelle Strukturen einfach verbrannt. Die kulturellen Butterberge, die in Deutschland noch existieren, d\u00fcrften auf diese Weise schnell abschmelzen. Noch ist die EU-Dienstleistungsrichtlinie nicht durch. Gerade in Deutschland w\u00e4chst der politische Unmut durch alle Parteien hindurch, mit Ausnahme der FDP, die der Bundesregierung Protektionismus vorwirft. (Die CDU\/CSU-Fraktion im deutschen Bundestag sieht neben berechtigten Sorgen aber auch Phantom\u00e4ngste.)<br \/>\n<!--break--><br \/>\nDoch die Problemfragen muss man eigentlich tiefer ansetzen. Kann man aber Kultur, die ja immer auch gewachsene Identit\u00e4t ist, einfach nach Ma\u00dfst\u00e4ben der wirtschaftlichen Konkurrenz messen. Sind Kulturg\u00fcter, wie eine Theater- und Musiklandschaft, G\u00fcter im Sinne des Warentauschs? Gegenw\u00e4rtig hat es durchaus den Anschein als w\u00fcrde auf der politischen Ebene eben dies ohne Unterschied angenommen. Die Logik ist so einfach wie dumm: Entweder ist Kultur ein Marktgeschehen, dann unterliegt sie dem hemmungslosen Wettbewerb, oder Kultur ist dies eben nicht und f\u00e4llt aus der Gesellschaft heraus solange diese sich vorrangig \u00fcber Wettbewerb und Geld definiert \u0096 und beispielsweise nicht \u00fcber kommunikatives Gesellschaftsverm\u00f6gen. Dagegen st\u00fcnde auch eine Einordnung von Kunst und Kultur als Dienstleistung der \u00f6ffentlichen Daseinsvorsorge, wie es die politische Linke begreift.<\/p>\n<p>Aber auch ohne die gerade entwickelte EU-Dienstleitungsrichtlinie sind die Probleme des grenz\u00fcberschreitenden Kulturverkehrs nicht zu \u00fcbersehen. K\u00fcrzlich ist mehrfach der Dirigent Volker Hartung in die Schusslinie von Journalisten geraten. Tilman Jens hat dessen Umgangsweise mit osteurop\u00e4ischen Musikern k\u00fcrzlich in der von Theo Gei\u00dfler moderierten Sendung taktlos (vom <a href=\"http:\/\/www.nmz.de\/taktlos\/2005\/takt87.shtml\">6. M\u00e4rz 2005, Bayern2-Radio<\/a>) als \u0084Sklaverei\u0093 und \u0084Ausbeutung\u0093 gebrandmarkt, nachdem Jens in 3sat-Kulturzeit schon einen \u00e4hnlich vernichtenden Bericht verfasste. Die Musiker m\u00fcssten, so Jens, zu teilweise unterirdischen Bedingungen und Bezahlungen ihre Arbeit leisten und seien den Direktiven ihres \u0084Arbeitgebers\u0093 hilf- und hoffnungslos ausgeliefert. Volker Hartung bestritt die Vorw\u00fcrfe vehement. Nein, seine Musiker bek\u00e4men keinen Maulkorb und: nein, seine Musiker w\u00fcrden nicht unterpreisig besch\u00e4ftigt. Im Gegenteil, selbst gegen\u00fcber Musikern, die in Deutschland tariflich in Orchestern besch\u00e4ftigt seien, w\u00fcrden seine Musiker nicht schlechter dastehen. Das best\u00e4tigte auch Juri Gilbo, der k\u00fcnstlerische Leiter der Russischen Kammerphilharmonie St. Petersburg mit Sitz in Frankfurt am Main. Er meinte im Gespr\u00e4ch, dass zum Beispiel Einreisebedingungen f\u00fcr osteurop\u00e4ische Musiker so rigide sind, dass in den Visa jeweils st\u00fcnde, dass die Musiker nur f\u00fcr den \u0084einen\u0093 Arbeitgeber arbeiten d\u00fcrften. Selbst wenn sie andere T\u00e4tigkeiten aufnehmen wollten, w\u00e4re ihnen das untersagt. Gilbo h\u00e4lt daher den Vorwurf Jens\u0092, die Arbeitgeber dieser Musiker w\u00fcrden diesen Umstand hemmungslos ausnutzen f\u00fcr fragw\u00fcrdig.<\/p>\n<div class=\"rightbox\"><%image(20050427-hartung.jpg|200|135|Volker Hartung)%><\/div>\n<p>In die gleiche Kerbe schl\u00e4gt auf seiner Internetseite Volker Hartung: \u0084Die Europ\u00e4ische Union hat die Ann\u00e4herung der europ\u00e4ischen L\u00e4nder zum Ziel, und zwar mit der Absicht, die Ungleichheiten zu verringern und eine gerechtere Welt zu schaffen. In der Praxis bemerkt man jedoch sehr bald, dass jedes Land noch seine eigenen gesetzlichen Bestimmungen in einer Vielzahl von Bereichen hat. Besonders auf kulturellem Gebiet haben individuelle Gesetze, Bestimmungen und Verordnungen zum Teil katastrophale Auswirkungen.\u0093<\/p>\n<p>Hartung warf dar\u00fcber hinaus die Frage auf, ob nicht vielleicht die Zukunft des Orchesterwesens \u0096 auch in Deutschland \u0096 nicht eher im Bereich der privatwirtschaftlichen Organisation liegen werde, so wie dies in den USA schlie\u00dflich auch der Fall sei. Somit w\u00e4re die europ\u00e4ische Frage eher eine nebens\u00e4chliche bei der es nur darum gehe, eine staatssubventionierte und gewerkschaftliche Struktur \u00fcber ihr gesellschaftliches Ende hinaus zu retten. Auch hier befindet sich Hartung durchaus im Gedankenfeld der europ\u00e4ischen Kommission. Diese stellt die Frage, inwieweit mit \u00f6ffentlichen Geldern gef\u00f6rderte Unternehmungen privatwirtschaftlichen Initiativen Konkurrenz machen d\u00fcrften, oder ob nicht vielmehr durch die \u00f6ffentliche F\u00f6rderung der Wettbewerb, eben auch in der Kultur, auf diese Weise deutlich verzerrt w\u00fcrde. Es ist dies zum Beispiel eine aktuelle Frage bei der Kritik der europ\u00e4ischen Kommission an zus\u00e4tzlichen Erwerbst\u00e4tigkeiten des \u00f6ffentlich-rechtlichen Rundfunks (Werbung und Vermarktung).<\/p>\n<p>Was soll man in diesem Zusammenhang von dieser Initiative des Ensemble Resonanz halten: \u0084Sie k\u00f6nnen also direkt \u00fcber die Subventionierung von Kultur entscheiden. Kaufen Sie einen Musiker! Ein Musiker kostet 400 Euro und Sie als Investor haben noch mehr davon: Sie werden eingeladen zu unserer exklusiven Saisonabschlussfeier mit prominenten G\u00e4sten und kleinem Konzert.\u0093 Ist das ebenfalls schon eine kulturelle Prostitution? Und was unterscheidet Hartungs Jugendorchester beispielsweise vom Bundesjugendorchester oder der Jungen Deutschen Philharmonie? Kann sich etwa die Deutsche Orchestervereinigung auf Dauer hinter ihrer und der deutschen Geschichte verstecken, oder muss sie nicht vielmehr der praktischen Realit\u00e4t ins Auge sehen, die derartige Vereinigungen immer mehr als gesellschaftliche Bremser versteht?<\/p>\n<p>Der Fragenkatalog ist reichhaltig und trifft ins Mark eines Kulturselbstverst\u00e4ndnisses, gerade an dem Ort, dessen \u00f6ffentliche F\u00f6rderung von Kultur seit langem Tradition b\u00fcrgerschaftlicher Entwicklung war und ist, n\u00e4mlich der deutschen Kultur. Die politischen Entwicklungen der letzten 20 bis 30 Jahre zeigen an, dass die Verankerung von \u00f6ffentlich gef\u00f6rderter Kultur in der Gesellschaft auch angesichts kranker Haushaltskassen sich immer deutlicher abl\u00f6st. Man kann die Menschen schlie\u00dflich nicht zur Kultur zwingen wie zur allgemeinen Schulpflicht. Ist aber darum das Mittel der \u0084Verf\u00fchrung\u0093 mittels Werbung und medialer Heilsversprechen eine geeignete Wahl?<\/p>\n<p>Das Staatstheater Cottbus wirbt mit dem Slogan: \u0084Wir machen Staat \u0096 Ihr Staatstheater in Cottbus!\u0093 Ist dies nicht genau das, was Kultur im Rahmen von Gesellschaft ausmacht? Kultur ist der N\u00e4hrboden f\u00fcr gemeinschaftliche Verantwortung und Kunst ihr Ausdruck; nicht im Sinne von Tempelanlagen mit beschr\u00e4nkten Zugangswegen sondern als explizit politisches Ausdrucksverm\u00f6gen. So verstand sich jedenfalls einmal b\u00fcrgerliches Kunstbegehren, zu dem Unterhaltung wie der Gestus des B\u00fcrgerschrecks oder der Selbstkritik und Verunsicherung geh\u00f6rt. Doch solche Freiheit kann kein abstrakter \u0084Markt\u0093 garantieren oder regulieren, genauso wenig wie eine abstrakte \u00f6ffentliche Kulturverwaltung. In der Kultur ist selbstverst\u00e4ndlich ebenso Platz f\u00fcr private Initiativen wie f\u00fcr \u00f6ffentliche \u0096 als Form geleiteter Selbstorganisation durch den Staat, der wir ja selbst sind. Wo diese Selbstorganisation nicht mehr funktioniert, f\u00fcnf Millionen Arbeitslose best\u00e4tigen das auf traurige Weise, da sind Gesellschaft und Kultur l\u00e4ngst zerfallen. Es ist doch wie eigentlich immer: Die Probleme, die durch die EU-Erweiterung entstehen, sind multifaktoriell. Wenn man sie nur auf politischer Entscheidungsebene abhandelt, dann mag das effektiv als Verwaltungsakt sein. Aber Kultur ist doch eigentlich etwas mehr, n\u00e4mlich gesellschaftlicher Ackerbau der Sinne. Das aus den Augen zu verlieren, sind wir auf dem besten Weg.<\/p>\n<p>Martin Hufner<br \/>\n<!--more--><br \/>\n<b>F\u00fchren die Pl\u00e4ne f\u00fcr eine europ\u00e4ische Harmonisierung zu einer neuen Ausbeutungskultur?<\/b><\/p>\n<p>Europa ist gro\u00df und Deutschland ist klein. Seit der Osterweiterung der Europ\u00e4ischen Union im letzten Jahr ist Deutschland zwar ins Zentrum Europas ger\u00fcckt, zugleich aber den Kraftfeldern der neuen L\u00e4nder ausgesetzt, auch im kulturellen Bereich. Das tangiert auch die Musikkultur, denn das Produzieren und Reproduzieren von Musik ist nach offiziellem europ\u00e4ischem Sprachgebrauch eine Dienstleistung und soll somit zuk\u00fcnftig einer so genannten EU-Dienstleistungsrichtline unterliegen.<\/p>\n<p>Ein Orchester, ein Komponist, ein Musikvermittler hat sich demnach dem europ\u00e4ischen Markt genauso auszusetzen, wie ein Maurer, wie ein Schuster, aber auch wie ein Arzt. <a href=\"http:\/\/www.nmz.de\/nmz\/2005\/03\/leiter-haack.shtml\">Barabara Haack<\/a> und <a href=\"http:\/\/www.nmz.de\/nmz\/2005\/03\/dkr.shtml\">Olaf Zimmermann<\/a> \u00e4u\u00dferten sich in der letzten Ausgabe der nmz schon dazu. Das Ergebnis ist klar, man kann sich k\u00fcnftig die Dienstleistung \u0084Orchestermusiker\u0093 eben dort holen, wo sie am preiswertesten ist. Wenn Musikkultur zwar geil, aber vor Ort zu teuer ist, dann geht man eben zum europ\u00e4ischen Kultur-Media-Markt. So werden bald in Deutschland gewachsene, wohl zum guten Teil auch kranke kulturelle Strukturen einfach verbrannt. Die kulturellen Butterberge, die in Deutschland noch existieren, d\u00fcrften auf diese Weise schnell abschmelzen. Noch ist die EU-Dienstleistungsrichtlinie nicht durch. Gerade in Deutschland w\u00e4chst der politische Unmut durch alle Parteien hindurch, mit Ausnahme der FDP, die der Bundesregierung Protektionismus vorwirft. (Die CDU\/CSU-Fraktion im deutschen Bundestag sieht neben berechtigten Sorgen aber auch Phantom\u00e4ngste.)<br \/>\n<!--break--><br \/>\nDoch die Problemfragen muss man eigentlich tiefer ansetzen. Kann man aber Kultur, die ja immer auch gewachsene Identit\u00e4t ist, einfach nach Ma\u00dfst\u00e4ben der wirtschaftlichen Konkurrenz messen. Sind Kulturg\u00fcter, wie eine Theater- und Musiklandschaft, G\u00fcter im Sinne des Warentauschs? Gegenw\u00e4rtig hat es durchaus den Anschein als w\u00fcrde auf der politischen Ebene eben dies ohne Unterschied angenommen. Die Logik ist so einfach wie dumm: Entweder ist Kultur ein Marktgeschehen, dann unterliegt sie dem hemmungslosen Wettbewerb, oder Kultur ist dies eben nicht und f\u00e4llt aus der Gesellschaft heraus solange diese sich vorrangig \u00fcber Wettbewerb und Geld definiert \u0096 und beispielsweise nicht \u00fcber kommunikatives Gesellschaftsverm\u00f6gen. Dagegen st\u00fcnde auch eine Einordnung von Kunst und Kultur als Dienstleistung der \u00f6ffentlichen Daseinsvorsorge, wie es die politische Linke begreift.<\/p>\n<p>Aber auch ohne die gerade entwickelte EU-Dienstleitungsrichtlinie sind die Probleme des grenz\u00fcberschreitenden Kulturverkehrs nicht zu \u00fcbersehen. K\u00fcrzlich ist mehrfach der Dirigent Volker Hartung in die Schusslinie von Journalisten geraten. Tilman Jens hat dessen Umgangsweise mit osteurop\u00e4ischen Musikern k\u00fcrzlich in der von Theo Gei\u00dfler moderierten Sendung taktlos (vom <a href=\"http:\/\/www.nmz.de\/taktlos\/2005\/takt87.shtml\">6. M\u00e4rz 2005, Bayern2-Radio<\/a>) als \u0084Sklaverei\u0093 und \u0084Ausbeutung\u0093 gebrandmarkt, nachdem Jens in 3sat-Kulturzeit schon einen \u00e4hnlich vernichtenden Bericht verfasste. Die Musiker m\u00fcssten, so Jens, zu teilweise unterirdischen Bedingungen und Bezahlungen ihre Arbeit leisten und seien den Direktiven ihres \u0084Arbeitgebers\u0093 hilf- und hoffnungslos ausgeliefert. Volker Hartung bestritt die Vorw\u00fcrfe vehement. Nein, seine Musiker bek\u00e4men keinen Maulkorb und: nein, seine Musiker w\u00fcrden nicht unterpreisig besch\u00e4ftigt. Im Gegenteil, selbst gegen\u00fcber Musikern, die in Deutschland tariflich in Orchestern besch\u00e4ftigt seien, w\u00fcrden seine Musiker nicht schlechter dastehen. Das best\u00e4tigte auch Juri Gilbo, der k\u00fcnstlerische Leiter der Russischen Kammerphilharmonie St. Petersburg mit Sitz in Frankfurt am Main. Er meinte im Gespr\u00e4ch, dass zum Beispiel Einreisebedingungen f\u00fcr osteurop\u00e4ische Musiker so rigide sind, dass in den Visa jeweils st\u00fcnde, dass die Musiker nur f\u00fcr den \u0084einen\u0093 Arbeitgeber arbeiten d\u00fcrften. Selbst wenn sie andere T\u00e4tigkeiten aufnehmen wollten, w\u00e4re ihnen das untersagt. Gilbo h\u00e4lt daher den Vorwurf Jens\u0092, die Arbeitgeber dieser Musiker w\u00fcrden diesen Umstand hemmungslos ausnutzen f\u00fcr fragw\u00fcrdig.<\/p>\n<div class=\"rightbox\"><%image(20050427-hartung.jpg|200|135|Volker Hartung)%><\/div>\n<p>In die gleiche Kerbe schl\u00e4gt auf seiner Internetseite Volker Hartung: \u0084Die Europ\u00e4ische Union hat die Ann\u00e4herung der europ\u00e4ischen L\u00e4nder zum Ziel, und zwar mit der Absicht, die Ungleichheiten zu verringern und eine gerechtere Welt zu schaffen. In der Praxis bemerkt man jedoch sehr bald, dass jedes Land noch seine eigenen gesetzlichen Bestimmungen in einer Vielzahl von Bereichen hat. Besonders auf kulturellem Gebiet haben individuelle Gesetze, Bestimmungen und Verordnungen zum Teil katastrophale Auswirkungen.\u0093<\/p>\n<p>Hartung warf dar\u00fcber hinaus die Frage auf, ob nicht vielleicht die Zukunft des Orchesterwesens \u0096 auch in Deutschland \u0096 nicht eher im Bereich der privatwirtschaftlichen Organisation liegen werde, so wie dies in den USA schlie\u00dflich auch der Fall sei. Somit w\u00e4re die europ\u00e4ische Frage eher eine nebens\u00e4chliche bei der es nur darum gehe, eine staatssubventionierte und gewerkschaftliche Struktur \u00fcber ihr gesellschaftliches Ende hinaus zu retten. Auch hier befindet sich Hartung durchaus im Gedankenfeld der europ\u00e4ischen Kommission. Diese stellt die Frage, inwieweit mit \u00f6ffentlichen Geldern gef\u00f6rderte Unternehmungen privatwirtschaftlichen Initiativen Konkurrenz machen d\u00fcrften, oder ob nicht vielmehr durch die \u00f6ffentliche F\u00f6rderung der Wettbewerb, eben auch in der Kultur, auf diese Weise deutlich verzerrt w\u00fcrde. Es ist dies zum Beispiel eine aktuelle Frage bei der Kritik der europ\u00e4ischen Kommission an zus\u00e4tzlichen Erwerbst\u00e4tigkeiten des \u00f6ffentlich-rechtlichen Rundfunks (Werbung und Vermarktung).<\/p>\n<p>Was soll man in diesem Zusammenhang von dieser Initiative des Ensemble Resonanz halten: \u0084Sie k\u00f6nnen also direkt \u00fcber die Subventionierung von Kultur entscheiden. Kaufen Sie einen Musiker! Ein Musiker kostet 400 Euro und Sie als Investor haben noch mehr davon: Sie werden eingeladen zu unserer exklusiven Saisonabschlussfeier mit prominenten G\u00e4sten und kleinem Konzert.\u0093 Ist das ebenfalls schon eine kulturelle Prostitution? Und was unterscheidet Hartungs Jugendorchester beispielsweise vom Bundesjugendorchester oder der Jungen Deutschen Philharmonie? Kann sich etwa die Deutsche Orchestervereinigung auf Dauer hinter ihrer und der deutschen Geschichte verstecken, oder muss sie nicht vielmehr der praktischen Realit\u00e4t ins Auge sehen, die derartige Vereinigungen immer mehr als gesellschaftliche Bremser versteht?<\/p>\n<p>Der Fragenkatalog ist reichhaltig und trifft ins Mark eines Kulturselbstverst\u00e4ndnisses, gerade an dem Ort, dessen \u00f6ffentliche F\u00f6rderung von Kultur seit langem Tradition b\u00fcrgerschaftlicher Entwicklung war und ist, n\u00e4mlich der deutschen Kultur. Die politischen Entwicklungen der letzten 20 bis 30 Jahre zeigen an, dass die Verankerung von \u00f6ffentlich gef\u00f6rderter Kultur in der Gesellschaft auch angesichts kranker Haushaltskassen sich immer deutlicher abl\u00f6st. Man kann die Menschen schlie\u00dflich nicht zur Kultur zwingen wie zur allgemeinen Schulpflicht. Ist aber darum das Mittel der \u0084Verf\u00fchrung\u0093 mittels Werbung und medialer Heilsversprechen eine geeignete Wahl?<\/p>\n<p>Das Staatstheater Cottbus wirbt mit dem Slogan: \u0084Wir machen Staat \u0096 Ihr Staatstheater in Cottbus!\u0093 Ist dies nicht genau das, was Kultur im Rahmen von Gesellschaft ausmacht? Kultur ist der N\u00e4hrboden f\u00fcr gemeinschaftliche Verantwortung und Kunst ihr Ausdruck; nicht im Sinne von Tempelanlagen mit beschr\u00e4nkten Zugangswegen sondern als explizit politisches Ausdrucksverm\u00f6gen. So verstand sich jedenfalls einmal b\u00fcrgerliches Kunstbegehren, zu dem Unterhaltung wie der Gestus des B\u00fcrgerschrecks oder der Selbstkritik und Verunsicherung geh\u00f6rt. Doch solche Freiheit kann kein abstrakter \u0084Markt\u0093 garantieren oder regulieren, genauso wenig wie eine abstrakte \u00f6ffentliche Kulturverwaltung. In der Kultur ist selbstverst\u00e4ndlich ebenso Platz f\u00fcr private Initiativen wie f\u00fcr \u00f6ffentliche \u0096 als Form geleiteter Selbstorganisation durch den Staat, der wir ja selbst sind. Wo diese Selbstorganisation nicht mehr funktioniert, f\u00fcnf Millionen Arbeitslose best\u00e4tigen das auf traurige Weise, da sind Gesellschaft und Kultur l\u00e4ngst zerfallen. Es ist doch wie eigentlich immer: Die Probleme, die durch die EU-Erweiterung entstehen, sind multifaktoriell. Wenn man sie nur auf politischer Entscheidungsebene abhandelt, dann mag das effektiv als Verwaltungsakt sein. Aber Kultur ist doch eigentlich etwas mehr, n\u00e4mlich gesellschaftlicher Ackerbau der Sinne. Das aus den Augen zu verlieren, sind wir auf dem besten Weg.<\/p>\n<p>Martin Hufner<\/p>\n<div class=\"shariff shariff-align-left shariff-widget-align-left\"><ul class=\"shariff-buttons theme-white orientation-horizontal buttonsize-small\"><li class=\"shariff-button mastodon shariff-nocustomcolor\" style=\"background-color:#563ACC\"><a href=\"https:\/\/s2f.kytta.dev\/?text=Dirigenten%20und%20Veranstalter%20als%20Kultur-Schn%C3%A4ppchenj%C3%A4ger https%3A%2F%2Fwww.kritische-masse.de%2Flogbuch%2F2005%2F05%2Fdirigenten-und-veranstalter-als-kultur-schnaeppchenjaeger%2F\" title=\"Bei Mastodon teilen\" aria-label=\"Bei Mastodon teilen\" role=\"button\" rel=\"noopener nofollow\" class=\"shariff-link\" style=\"; background-color:#6364FF; color:#6364FF\" target=\"_blank\"><span class=\"shariff-icon\" style=\"fill:#6364FF\"><svg width=\"75\" height=\"79\" viewBox=\"0 0 75 79\" fill=\"none\" xmlns=\"http:\/\/www.w3.org\/2000\/svg\"><path d=\"M37.813-.025C32.462-.058 27.114.13 21.79.598c-8.544.621-17.214 5.58-20.203 13.931C-1.12 23.318.408 32.622.465 41.65c.375 7.316.943 14.78 3.392 21.73 4.365 9.465 14.781 14.537 24.782 15.385 7.64.698 15.761-.213 22.517-4.026a54.1 54.1 0 0 0 .01-6.232c-6.855 1.316-14.101 2.609-21.049 1.074-3.883-.88-6.876-4.237-7.25-8.215-1.53-3.988 3.78-.43 5.584-.883 9.048 1.224 18.282.776 27.303-.462 7.044-.837 14.26-4.788 16.65-11.833 2.263-6.135 1.215-12.79 1.698-19.177.06-3.84.09-7.692-.262-11.52C72.596 7.844 63.223.981 53.834.684a219.453 219.453 0 0 0-16.022-.71zm11.294 12.882c5.5-.067 10.801 4.143 11.67 9.653.338 1.48.471 3 .471 4.515v21.088h-8.357c-.07-7.588.153-15.182-.131-22.765-.587-4.368-7.04-5.747-9.672-2.397-2.422 3.04-1.47 7.155-1.67 10.735v6.392h-8.307c-.146-4.996.359-10.045-.404-15.002-1.108-4.218-7.809-5.565-10.094-1.666-1.685 3.046-.712 6.634-.976 9.936v14.767h-8.354c.109-8.165-.238-16.344.215-24.5.674-5.346 5.095-10.389 10.676-10.627 4.902-.739 10.103 2.038 12.053 6.631.375 1.435 1.76 1.932 1.994.084 1.844-3.704 5.501-6.739 9.785-6.771.367-.044.735-.068 1.101-.073z\"\/><defs><linearGradient id=\"paint0_linear_549_34\" x1=\"37.0692\" y1=\"0\" x2=\"37.0692\" y2=\"79\" gradientUnits=\"userSpaceOnUse\"><stop stop-color=\"#6364FF\"\/><stop offset=\"1\" stop-color=\"#563ACC\"\/><\/linearGradient><\/defs><\/svg><\/span><span class=\"shariff-text\" style=\"color:#6364FF\">teilen<\/span>&nbsp;<\/a><\/li><li class=\"shariff-button facebook shariff-nocustomcolor\" style=\"background-color:#4273c8\"><a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/sharer\/sharer.php?u=https%3A%2F%2Fwww.kritische-masse.de%2Flogbuch%2F2005%2F05%2Fdirigenten-und-veranstalter-als-kultur-schnaeppchenjaeger%2F\" title=\"Bei Facebook teilen\" aria-label=\"Bei Facebook teilen\" role=\"button\" rel=\"nofollow\" class=\"shariff-link\" style=\"; 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