{"id":1503,"date":"2005-11-11T02:05:00","date_gmt":"2005-11-11T01:05:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.kritische-masse.de\/wordpress\/blog\/koalitionsquark\/"},"modified":"2023-12-18T08:49:08","modified_gmt":"2023-12-18T07:49:08","slug":"koalitionsquark","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.kritische-masse.de\/logbuch\/2005\/11\/koalitionsquark\/","title":{"rendered":"Koalitionsquark"},"content":{"rendered":"<p>Wenn man so einige Tage ohen Fernsehen, Zeitung und Radio verbringt, erspart man sich viel \u00c4rger. Der ist das umso gr\u00f6\u00dfer, wenn man dann eine Zeitung aufschl\u00e4gt wie die &#8222;Berliner Zeitung&#8220;.<\/p>\n<p>Ich kann mich noch an die hochtrabenden Phrasen erinnern, die da lauteten, der Souver\u00e4n habe entschieden. Damit hat man es sich sehr sch\u00f6n und sehr leicht gemacht. Das Wahlvolk hat entschieden, dass es jetzt die Politik bekommt, die nun verhandelt wird. Oliver Eberl hat diese Scheinsouver\u00e4nit\u00e4t gerade in den &#8222;Bl\u00e4ttern f\u00fcr deutsche und internationale Politik&#8220; wunderbar zerrissen. Der Souver\u00e4ne w\u00e4hlt, aber die Parteien bilden Regierungen, sie k\u00f6nnen sich nicht dahinter verstecken, sie f\u00fchren jetzt nur das aus, was der Souver\u00e4n wollte. Hat er das gewollt, was nun anscheindend auf uns zurollt? Hat er den Zerfall der Vergangenheit gewollt?<\/p>\n<p>Nein, er hat weder gewollt, dass man in bester Manier da weiter macht, wo man denkt, dass man hin m\u00fcsste; sondern, dass man dahin m\u00fcsse, wo man hin will. Aber das will man wohl nicht. Man will m\u00fcssen wollen, dass der ganze K\u00e4se immer weiter stinkt. <\/p>\n<p>Was sich seit Jahren offenbar im Gesundheitssektor abspielt, ist ohne Beispiel und vom souver\u00e4n nicht gewollt. Die Reformgeilheit hat blind gemacht, weil man sich als Revoluzzer f\u00fchlte. Man hat den Staat kalt gemacht. K\u00e4lte! Soziale K\u00e4lte und Wirtschaftsdarwinismus. Jeder ist der Dumme.<br \/>\n<!--break--><br \/>\nDaneben das uns\u00e4gliche Gepl\u00e4nkel um die Besetzung des Posten und Amtes eines Bundetagsvizepr\u00e4sidenten. Die Abschlachtung der LINKEN, rechts als Entlinkisierung des alten Linken. Pl\u00f6tzlich sind alle Meister im Fach Probleml\u00f6sung. Probleme, die geschaffen wurden, damit man sie durch neue Probleme l\u00f6sen kann. Pl\u00f6tzlich diese Hellsicht, pl\u00f6tzlich denkt man an nachfolgende Generationen, pl\u00f6tzlich ist jedes Argument gut solange es nicht darum geht, den grundlegenden Mangel zu beseitigen, dass n\u00e4mlich weder diese Kultur noch ihre sie dominierende Wirtschaftform das Problem ist. <\/p>\n<p>Wer allein dies schon bem\u00e4ngelt gilt ja als Romantiker, als Sozialromantiker zumal. So wie damals Marx und Engels Romantiker waren. Jeder, ohne Ausnahme, der nicht in den Kategorien von Wirtschaft und Steuersteuerung denkt, ist aus dem Spiel raus &#8212; blo\u00df ein bl\u00f6der Spielverderber. Und so wurstelt und werkelt man weiter, ohne Obacht auf die zunehmede Zerr\u00fcttung der ganzen Gesellschaft als solcher.<\/p>\n<p>Ich bekomme ja so einiges mit aus dem Bereich der sogenannten Kulturwelt. Deutschland habe ein hochstehendes Kulturprogramm, Theater in jeder Stadt fast, Orchester, Musikschulen, Musikhochschulen, Hoichschulen f\u00fcr alle K\u00fcnste der Welt, Radioprogramme in denen jede Musik gespielt wird, sogar die sogenannte &#8222;Neue&#8220; und die sogenannte &#8222;alte&#8220;. Der Aussto\u00df an CD-Produktionen ist immens, Jazzclubs da, Kabarett dort, Badeanstalten, Eislaufbahnen, Fussballstadien. Eigentlich ist das Land voll und \u00fcbervoll davon. Theoretisch, zumindest theoretisch stehen die jedem offen gegen noch geringe Entgelte. Springer macht Gewinne, Bertelsmann macht Gewinne. Zeitungen gehen ein und neue entstehen. Man probte im letzten Jahrzeht des letzten Jahrhunderts nicht selten sogenannte &#8222;Aufst\u00e4nde der Anst\u00e4ndigen&#8220;. Eigentlich ist doch alles n Butter, die paar Absch\u00fcrfungen im Kultursektor sind gew\u00f6hnlich und im Einzelfall nat\u00fcrlich immer \u00e4rgerlich. <\/p>\n<p>&#8222;Wir sind Deutschland&#8220; wird uns unter die Zunge geschoben und wir geloben brav zu sein und tapfer. Aber schon muss man aufpassen, auch die Kultur ist immer deutlicher Gegenstand privater Anspr\u00fcche und W\u00fcnsche und Begehrlichkeiten. Die Hochschulrektorenkonferenz steht schon deutlich unter der Fuchtel der Bertelsmann-Stiftung (siehe Thomas Barths und Oliver Sch\u00f6llers Analyse: <a href=\"http:\/\/www.blaetter.de\/artikel.php?pr=2183\">&#8222;Bertelsmann und die Privatisierung der Bildungspolitik&#8220;<\/a> in den &#8222;Bl\u00e4ttern&#8220;.<\/p>\n<p>Alles, was man noch in das Raster von Wirtschaft und Wirtschaftspolitik pressen kann, wird hineingepresst. Wen es betrifft, den angeblichen Souevr\u00e4n, der l\u00e4sst sich das gefallen. Er l\u00e4sst sich auf Diskussionen ein, ob man nicht besser ein Theater als drei Kinderg\u00e4rten schlie\u00dft. <\/p>\n<p>Wen wundert dann, dass eben dieser Souver\u00e4n sich nicht dumm stellt aber dumm macht und daher genau so operiert und denkt wie diejenigen, die denken, sie k\u00f6nnten das Land lenken, sei es in Wirtschaft oder Politik. Wen wundert es da noch, dass sich die Glocke der gesellschaftlichen K\u00e4lte immer abschn\u00fcrender \u00fcber dieses Land und dieses Volk senkt. Wen wundert es da noch, dass man sich da ein St\u00fcckchen vom Kuchen zu sichern sucht. So ein Land kann nicht funktionieren, so ein Land kann nicht bei sich bleiben, so ein Land muss den Bach runter gehen.<\/p>\n<p>Man kann die Liste der Verfehlungen noch weiter f\u00fchren und fragen, wie es eigentlich m\u00f6glich sein konnte, dass eine Staatinstitution wie die Bunderwehr in dem Moment, wo sie \u00fcberfl\u00fcssig werden musste, in dem Moment also, als der Ost\/West-Konflikt aufh\u00f6rte zu existieren, warum also in genau diesem Moment aus einer Verteidigungsarmee eine Streitmacht wurde, die Kriege zu f\u00fchren bestimmt wurde &#8212; und das zu aller Ironie unter Beteiligung der Gr\u00fcnen. Das ist doch absurd.<br \/>\n<cite>Hat schon die Verelendungstheorie nicht \u00e0 la lettre sich bewahrheitet, so doch in dem nicht weniger be\u00e4ngstigenden Sinn, da\u00df Unfreiheit, Abh\u00e4ngigkeit von einer dem Bewu\u00dftsein derer, die sie bedienen, entlaufenen Apparatur universal \u00fcber die Menschen sich ausbreitet. Die allbeklagte Unm\u00fcndigkeit der Massen ist nur der Reflex darauf, da\u00df sie so wenig wie je autonome Meister ihres Lebens sind; wie im Mythos widerf\u00e4hrt es ihnen als Schicksal.<br \/>\n<i>[Band 8: Soziologische Schriften I: Sp\u00e4tkapitalismus oder Industriegesellschaft?. Theodor W. Adorno: Gesammelte Schriften, S. 5359 (vgl. GS 8, S. 360) ]<\/i><\/cite><br \/>\nDas schrieb, einen Bereich erw\u00e4hnend Adorno 1968. Er hatte in diesem Text eine grundlegende Abrechnung versucht. Er wollte isch wehren gegen die Vereinfacher, die mit Begriffen hantieren, die ungewiss ungenau hohl sind:<br \/>\n<cite>Das Schwadronieren \u00fcber Begriffe wie \u009bder Imperialismus\u008b oder \u009bdas Monopol\u008b, ohne R\u00fccksicht darauf, was diesen Worten als Sachverhalten entspricht, und wie weit ihr Geltungsbereich sich erstreckt, ist so falsch, n\u00e4mlich irrational, wie eine Verhaltensweise, die, ihrer blind-nominalistischen Vorstellung vom Sachverhalt zuliebe, dagegen sich sperrt, da\u00df Begriffe wie Tauschgesellschaft ihre Objektivit\u00e4t haben, einen Zwang des Allgemeinen hinter den Sachverhalten bekunden, der keineswegs stets zureichend in operationell definierte Sachverhalte sich \u00fcbersetzen l\u00e4\u00dft. Beidem ist entgegenzuarbeiten \u0085<br \/>\n<i>[Band 8: Soziologische Schriften I: Sp\u00e4tkapitalismus oder Industriegesellschaft?. Theodor W. Adorno: Gesammelte Schriften, S. 5353 (vgl. GS 8, S. 357)]<\/i><\/cite><br \/>\nDie Gegenarbeit ist misslungen. Auch das ist Kennzeichen der aktuellen Situationen. Sie ist blau\u00e4ugig verk\u00fcrzt, sie ist reduziert auf Plattit\u00fcden. Der eine sp\u00f6ttelt gegen den Kapitalismus als solchem in allem und jedem, der andere will nicht sehen, dass er trotzdem diesem Muster kapitalistischer Orientierungsmuster folgt und zwar sogar so, dass er dent er sei damit im Rechte &#8212; weil nur diese Wirtschaftform in allen Ausarbeitungen die Freiheit der Menschheit garantiere. Beide Formen der Auseinandersetzung jedoch sind hilflos und leer. <\/p>\n<p>Darin, so vermute ich, ist sicher die neue Stufe der Unm\u00fcndigkeit der Gegenwart zu sehen. Die Reduktion des Handlungsspielraums durch die Verk\u00fcrzung der Antworten. Antworten, die nichts mehr beantworten sonden nur noch politische Reflexe zu sein scheinen, einge\u00fcbt und doch ungeglaubt. Keine Antworten sondern verstandlose Reaktionen.<br \/>\n<cite> \u00dcber richtiges und falsches Bed\u00fcrfnis w\u00e4re gem\u00e4\u00df der Einsicht in die Struktur der Gesamtgesellschaft samt all ihren Vermittlungen zu urteilen. Das Fiktive, das alle Bed\u00fcrfnisbefriedigung heute verunstaltet, wird unbewu\u00dft fraglos wahrgenommen; es tr\u00e4gt wohl zum gegenw\u00e4rtigen Unbehagen in der Kultur bei. Wichtiger daf\u00fcr aber als selbst das fast undurchdringliche quid pro quo von Bed\u00fcrfnis, Befriedigung und Profit- oder Machtinteresse ist die unentwegt fortdauernde Bedrohung des einen Bed\u00fcrfnisses, von dem alle anderen erst abh\u00e4ngen, des Interesses am einfachen \u00dcberleben. Eingeschlossen von einem Horizont, in dem jeden Augenblick die Bombe fallen kann, hat noch das \u00fcppigste Angebot an Konsumg\u00fctern etwas von Hohn. \u0085 Die Drohung der einen Katastrophe wird durch die der anderen hinausgeschoben. <i>[Band 8: Soziologische Schriften I: Sp\u00e4tkapitalismus oder Industriegesellschaft?. Theodor W. Adorno: Gesammelte Schriften, S. 5368 (vgl. GS 8, S. 365-366)]<\/i><\/cite><br \/>\nIch will jedoch nicht so ganz negativ enden. Es gibt das ein Sprichwort, welches ich heute zum ersten Mal las, es hat seinen Eingang in unterschiedlichen Kulturen gefunden. Es ist mein letzter Trost, eigentlich auf der Suche nach Trost f\u00fcr Semmels Zahnweh:<br \/>\n<cite><b>Man soll sich nicht heute den Kopf einstossen, weil man morgen Zahnschmerzen haben kann!<\/b><br \/>\n<i>Die Perser sagen: Du sollst nicht heut&#8217; den Kummer leiden, der dem morgigen Tage angeh\u00f6rt. Die Hebr\u00e4er: Aengstige dich nicht \u00fcber die Leiden von morgen; denn du weisst nicht, was das Heute erzeugt. Die Engl\u00e4nder: Des Tages Noth ist genug f\u00fcr den Tag. <\/i>(Reinsberg II, 80.)<br \/>\n<i>[Sprichw\u00f6rterlexikon: Heute. Deutsches Sprichw\u00f6rter-Lexikon, S. 19778 (vgl. Wander-DSL Bd. 2, S. 638) ]<\/i><\/cite><br \/>\n<!--more--><br \/>\nWenn man so einige Tage ohen Fernsehen, Zeitung und Radio verbringt, erspart man sich viel \u00c4rger. Der ist das umso gr\u00f6\u00dfer, wenn man dann eine Zeitung aufschl\u00e4gt wie die &#8222;Berliner Zeitung&#8220;.<\/p>\n<p>Ich kann mich noch an die hochtrabenden Phrasen erinnern, die da lauteten, der Souver\u00e4n habe entschieden. Damit hat man es sich sehr sch\u00f6n und sehr leicht gemacht. Das Wahlvolk hat entschieden, dass es jetzt die Politik bekommt, die nun verhandelt wird. Oliver Eberl hat diese Scheinsouver\u00e4nit\u00e4t gerade in den &#8222;Bl\u00e4ttern f\u00fcr deutsche und internationale Politik&#8220; wunderbar zerrissen. Der Souver\u00e4ne w\u00e4hlt, aber die Parteien bilden Regierungen, sie k\u00f6nnen sich nicht dahinter verstecken, sie f\u00fchren jetzt nur das aus, was der Souver\u00e4n wollte. Hat er das gewollt, was nun anscheindend auf uns zurollt? Hat er den Zerfall der Vergangenheit gewollt?<\/p>\n<p>Nein, er hat weder gewollt, dass man in bester Manier da weiter macht, wo man denkt, dass man hin m\u00fcsste; sondern, dass man dahin m\u00fcsse, wo man hin will. Aber das will man wohl nicht. Man will m\u00fcssen wollen, dass der ganze K\u00e4se immer weiter stinkt. <\/p>\n<p>Was sich seit Jahren offenbar im Gesundheitssektor abspielt, ist ohne Beispiel und vom souver\u00e4n nicht gewollt. Die Reformgeilheit hat blind gemacht, weil man sich als Revoluzzer f\u00fchlte. Man hat den Staat kalt gemacht. K\u00e4lte! Soziale K\u00e4lte und Wirtschaftsdarwinismus. Jeder ist der Dumme.<br \/>\n<!--break--><br \/>\nDaneben das uns\u00e4gliche Gepl\u00e4nkel um die Besetzung des Posten und Amtes eines Bundetagsvizepr\u00e4sidenten. Die Abschlachtung der LINKEN, rechts als Entlinkisierung des alten Linken. Pl\u00f6tzlich sind alle Meister im Fach Probleml\u00f6sung. Probleme, die geschaffen wurden, damit man sie durch neue Probleme l\u00f6sen kann. Pl\u00f6tzlich diese Hellsicht, pl\u00f6tzlich denkt man an nachfolgende Generationen, pl\u00f6tzlich ist jedes Argument gut solange es nicht darum geht, den grundlegenden Mangel zu beseitigen, dass n\u00e4mlich weder diese Kultur noch ihre sie dominierende Wirtschaftform das Problem ist. <\/p>\n<p>Wer allein dies schon bem\u00e4ngelt gilt ja als Romantiker, als Sozialromantiker zumal. So wie damals Marx und Engels Romantiker waren. Jeder, ohne Ausnahme, der nicht in den Kategorien von Wirtschaft und Steuersteuerung denkt, ist aus dem Spiel raus &#8212; blo\u00df ein bl\u00f6der Spielverderber. Und so wurstelt und werkelt man weiter, ohne Obacht auf die zunehmede Zerr\u00fcttung der ganzen Gesellschaft als solcher.<\/p>\n<p>Ich bekomme ja so einiges mit aus dem Bereich der sogenannten Kulturwelt. Deutschland habe ein hochstehendes Kulturprogramm, Theater in jeder Stadt fast, Orchester, Musikschulen, Musikhochschulen, Hoichschulen f\u00fcr alle K\u00fcnste der Welt, Radioprogramme in denen jede Musik gespielt wird, sogar die sogenannte &#8222;Neue&#8220; und die sogenannte &#8222;alte&#8220;. Der Aussto\u00df an CD-Produktionen ist immens, Jazzclubs da, Kabarett dort, Badeanstalten, Eislaufbahnen, Fussballstadien. Eigentlich ist das Land voll und \u00fcbervoll davon. Theoretisch, zumindest theoretisch stehen die jedem offen gegen noch geringe Entgelte. Springer macht Gewinne, Bertelsmann macht Gewinne. Zeitungen gehen ein und neue entstehen. Man probte im letzten Jahrzeht des letzten Jahrhunderts nicht selten sogenannte &#8222;Aufst\u00e4nde der Anst\u00e4ndigen&#8220;. Eigentlich ist doch alles n Butter, die paar Absch\u00fcrfungen im Kultursektor sind gew\u00f6hnlich und im Einzelfall nat\u00fcrlich immer \u00e4rgerlich. <\/p>\n<p>&#8222;Wir sind Deutschland&#8220; wird uns unter die Zunge geschoben und wir geloben brav zu sein und tapfer. Aber schon muss man aufpassen, auch die Kultur ist immer deutlicher Gegenstand privater Anspr\u00fcche und W\u00fcnsche und Begehrlichkeiten. Die Hochschulrektorenkonferenz steht schon deutlich unter der Fuchtel der Bertelsmann-Stiftung (siehe Thomas Barths und Oliver Sch\u00f6llers Analyse: <a href=\"http:\/\/www.blaetter.de\/artikel.php?pr=2183\">&#8222;Bertelsmann und die Privatisierung der Bildungspolitik&#8220;<\/a> in den &#8222;Bl\u00e4ttern&#8220;.<\/p>\n<p>Alles, was man noch in das Raster von Wirtschaft und Wirtschaftspolitik pressen kann, wird hineingepresst. Wen es betrifft, den angeblichen Souevr\u00e4n, der l\u00e4sst sich das gefallen. Er l\u00e4sst sich auf Diskussionen ein, ob man nicht besser ein Theater als drei Kinderg\u00e4rten schlie\u00dft. <\/p>\n<p>Wen wundert dann, dass eben dieser Souver\u00e4n sich nicht dumm stellt aber dumm macht und daher genau so operiert und denkt wie diejenigen, die denken, sie k\u00f6nnten das Land lenken, sei es in Wirtschaft oder Politik. Wen wundert es da noch, dass sich die Glocke der gesellschaftlichen K\u00e4lte immer abschn\u00fcrender \u00fcber dieses Land und dieses Volk senkt. Wen wundert es da noch, dass man sich da ein St\u00fcckchen vom Kuchen zu sichern sucht. So ein Land kann nicht funktionieren, so ein Land kann nicht bei sich bleiben, so ein Land muss den Bach runter gehen.<\/p>\n<p>Man kann die Liste der Verfehlungen noch weiter f\u00fchren und fragen, wie es eigentlich m\u00f6glich sein konnte, dass eine Staatinstitution wie die Bunderwehr in dem Moment, wo sie \u00fcberfl\u00fcssig werden musste, in dem Moment also, als der Ost\/West-Konflikt aufh\u00f6rte zu existieren, warum also in genau diesem Moment aus einer Verteidigungsarmee eine Streitmacht wurde, die Kriege zu f\u00fchren bestimmt wurde &#8212; und das zu aller Ironie unter Beteiligung der Gr\u00fcnen. Das ist doch absurd.<br \/>\n<cite>Hat schon die Verelendungstheorie nicht \u00e0 la lettre sich bewahrheitet, so doch in dem nicht weniger be\u00e4ngstigenden Sinn, da\u00df Unfreiheit, Abh\u00e4ngigkeit von einer dem Bewu\u00dftsein derer, die sie bedienen, entlaufenen Apparatur universal \u00fcber die Menschen sich ausbreitet. Die allbeklagte Unm\u00fcndigkeit der Massen ist nur der Reflex darauf, da\u00df sie so wenig wie je autonome Meister ihres Lebens sind; wie im Mythos widerf\u00e4hrt es ihnen als Schicksal.<br \/>\n<i>[Band 8: Soziologische Schriften I: Sp\u00e4tkapitalismus oder Industriegesellschaft?. Theodor W. Adorno: Gesammelte Schriften, S. 5359 (vgl. GS 8, S. 360) ]<\/i><\/cite><br \/>\nDas schrieb, einen Bereich erw\u00e4hnend Adorno 1968. Er hatte in diesem Text eine grundlegende Abrechnung versucht. Er wollte isch wehren gegen die Vereinfacher, die mit Begriffen hantieren, die ungewiss ungenau hohl sind:<br \/>\n<cite>Das Schwadronieren \u00fcber Begriffe wie \u009bder Imperialismus\u008b oder \u009bdas Monopol\u008b, ohne R\u00fccksicht darauf, was diesen Worten als Sachverhalten entspricht, und wie weit ihr Geltungsbereich sich erstreckt, ist so falsch, n\u00e4mlich irrational, wie eine Verhaltensweise, die, ihrer blind-nominalistischen Vorstellung vom Sachverhalt zuliebe, dagegen sich sperrt, da\u00df Begriffe wie Tauschgesellschaft ihre Objektivit\u00e4t haben, einen Zwang des Allgemeinen hinter den Sachverhalten bekunden, der keineswegs stets zureichend in operationell definierte Sachverhalte sich \u00fcbersetzen l\u00e4\u00dft. Beidem ist entgegenzuarbeiten \u0085<br \/>\n<i>[Band 8: Soziologische Schriften I: Sp\u00e4tkapitalismus oder Industriegesellschaft?. Theodor W. Adorno: Gesammelte Schriften, S. 5353 (vgl. GS 8, S. 357)]<\/i><\/cite><br \/>\nDie Gegenarbeit ist misslungen. Auch das ist Kennzeichen der aktuellen Situationen. Sie ist blau\u00e4ugig verk\u00fcrzt, sie ist reduziert auf Plattit\u00fcden. Der eine sp\u00f6ttelt gegen den Kapitalismus als solchem in allem und jedem, der andere will nicht sehen, dass er trotzdem diesem Muster kapitalistischer Orientierungsmuster folgt und zwar sogar so, dass er dent er sei damit im Rechte &#8212; weil nur diese Wirtschaftform in allen Ausarbeitungen die Freiheit der Menschheit garantiere. Beide Formen der Auseinandersetzung jedoch sind hilflos und leer. <\/p>\n<p>Darin, so vermute ich, ist sicher die neue Stufe der Unm\u00fcndigkeit der Gegenwart zu sehen. Die Reduktion des Handlungsspielraums durch die Verk\u00fcrzung der Antworten. Antworten, die nichts mehr beantworten sonden nur noch politische Reflexe zu sein scheinen, einge\u00fcbt und doch ungeglaubt. Keine Antworten sondern verstandlose Reaktionen.<br \/>\n<cite> \u00dcber richtiges und falsches Bed\u00fcrfnis w\u00e4re gem\u00e4\u00df der Einsicht in die Struktur der Gesamtgesellschaft samt all ihren Vermittlungen zu urteilen. Das Fiktive, das alle Bed\u00fcrfnisbefriedigung heute verunstaltet, wird unbewu\u00dft fraglos wahrgenommen; es tr\u00e4gt wohl zum gegenw\u00e4rtigen Unbehagen in der Kultur bei. Wichtiger daf\u00fcr aber als selbst das fast undurchdringliche quid pro quo von Bed\u00fcrfnis, Befriedigung und Profit- oder Machtinteresse ist die unentwegt fortdauernde Bedrohung des einen Bed\u00fcrfnisses, von dem alle anderen erst abh\u00e4ngen, des Interesses am einfachen \u00dcberleben. Eingeschlossen von einem Horizont, in dem jeden Augenblick die Bombe fallen kann, hat noch das \u00fcppigste Angebot an Konsumg\u00fctern etwas von Hohn. \u0085 Die Drohung der einen Katastrophe wird durch die der anderen hinausgeschoben. <i>[Band 8: Soziologische Schriften I: Sp\u00e4tkapitalismus oder Industriegesellschaft?. Theodor W. Adorno: Gesammelte Schriften, S. 5368 (vgl. GS 8, S. 365-366)]<\/i><\/cite><br \/>\nIch will jedoch nicht so ganz negativ enden. Es gibt das ein Sprichwort, welches ich heute zum ersten Mal las, es hat seinen Eingang in unterschiedlichen Kulturen gefunden. Es ist mein letzter Trost, eigentlich auf der Suche nach Trost f\u00fcr Semmels Zahnweh:<br \/>\n<cite><b>Man soll sich nicht heute den Kopf einstossen, weil man morgen Zahnschmerzen haben kann!<\/b><br \/>\n<i>Die Perser sagen: Du sollst nicht heut&#8217; den Kummer leiden, der dem morgigen Tage angeh\u00f6rt. Die Hebr\u00e4er: Aengstige dich nicht \u00fcber die Leiden von morgen; denn du weisst nicht, was das Heute erzeugt. Die Engl\u00e4nder: Des Tages Noth ist genug f\u00fcr den Tag. <\/i>(Reinsberg II, 80.)<br \/>\n<i>[Sprichw\u00f6rterlexikon: Heute. Deutsches Sprichw\u00f6rter-Lexikon, S. 19778 (vgl. Wander-DSL Bd. 2, S. 638) ]<\/i><\/cite><\/p>\n<div class=\"shariff shariff-align-left shariff-widget-align-left\"><ul class=\"shariff-buttons theme-white orientation-horizontal buttonsize-small\"><li class=\"shariff-button mastodon shariff-nocustomcolor\" style=\"background-color:#563ACC\"><a href=\"https:\/\/s2f.kytta.dev\/?text=Koalitionsquark https%3A%2F%2Fwww.kritische-masse.de%2Flogbuch%2F2005%2F11%2Fkoalitionsquark%2F\" title=\"Bei Mastodon teilen\" aria-label=\"Bei Mastodon teilen\" role=\"button\" rel=\"noopener nofollow\" class=\"shariff-link\" style=\"; background-color:#6364FF; color:#6364FF\" target=\"_blank\"><span class=\"shariff-icon\" style=\"fill:#6364FF\"><svg width=\"75\" height=\"79\" viewBox=\"0 0 75 79\" fill=\"none\" xmlns=\"http:\/\/www.w3.org\/2000\/svg\"><path d=\"M37.813-.025C32.462-.058 27.114.13 21.79.598c-8.544.621-17.214 5.58-20.203 13.931C-1.12 23.318.408 32.622.465 41.65c.375 7.316.943 14.78 3.392 21.73 4.365 9.465 14.781 14.537 24.782 15.385 7.64.698 15.761-.213 22.517-4.026a54.1 54.1 0 0 0 .01-6.232c-6.855 1.316-14.101 2.609-21.049 1.074-3.883-.88-6.876-4.237-7.25-8.215-1.53-3.988 3.78-.43 5.584-.883 9.048 1.224 18.282.776 27.303-.462 7.044-.837 14.26-4.788 16.65-11.833 2.263-6.135 1.215-12.79 1.698-19.177.06-3.84.09-7.692-.262-11.52C72.596 7.844 63.223.981 53.834.684a219.453 219.453 0 0 0-16.022-.71zm11.294 12.882c5.5-.067 10.801 4.143 11.67 9.653.338 1.48.471 3 .471 4.515v21.088h-8.357c-.07-7.588.153-15.182-.131-22.765-.587-4.368-7.04-5.747-9.672-2.397-2.422 3.04-1.47 7.155-1.67 10.735v6.392h-8.307c-.146-4.996.359-10.045-.404-15.002-1.108-4.218-7.809-5.565-10.094-1.666-1.685 3.046-.712 6.634-.976 9.936v14.767h-8.354c.109-8.165-.238-16.344.215-24.5.674-5.346 5.095-10.389 10.676-10.627 4.902-.739 10.103 2.038 12.053 6.631.375 1.435 1.76 1.932 1.994.084 1.844-3.704 5.501-6.739 9.785-6.771.367-.044.735-.068 1.101-.073z\"\/><defs><linearGradient id=\"paint0_linear_549_34\" x1=\"37.0692\" y1=\"0\" x2=\"37.0692\" y2=\"79\" gradientUnits=\"userSpaceOnUse\"><stop stop-color=\"#6364FF\"\/><stop offset=\"1\" stop-color=\"#563ACC\"\/><\/linearGradient><\/defs><\/svg><\/span><span class=\"shariff-text\" style=\"color:#6364FF\">teilen<\/span>&nbsp;<\/a><\/li><li class=\"shariff-button facebook shariff-nocustomcolor\" style=\"background-color:#4273c8\"><a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/sharer\/sharer.php?u=https%3A%2F%2Fwww.kritische-masse.de%2Flogbuch%2F2005%2F11%2Fkoalitionsquark%2F\" title=\"Bei Facebook teilen\" aria-label=\"Bei Facebook teilen\" role=\"button\" rel=\"nofollow\" class=\"shariff-link\" style=\"; 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