12. April 2024 Die Masse lebt

Die Kälte, das Innere, die Steuer

Gestern vor der Tür Briefe aus dem Briefkasten geholt. Auf dem Rückweg durch die Haustür mich so kalt gefühlt, dass ich die Tür von innen abschließen wollte, um die Kälte wirklich auszusperren. Doch die Kälte nimmt auch innerlich immer mehr Raum ein. Nach wie vor wache ich morgens auf mit einem extremen Druck auf dem Gemüt. Es braucht jeweils ein paar Stunden bis ich wieder mich einigermaßen gefangen habe. Meistens hilft rein stupide Arbeit etwas drüber hinweg. Danach steigt die Motivation, wieder mal was Gutes zu tun. Für mich und den Rest der Welt.

Gestern draußen der Nachbarin von schräghintengegenüber ein gutes neues Jahr gewünscht. Dabei auch über die Lage insgesamt gesprochen. Schön, dass man die Dinge sehr ähnlich empfindet und auch das Unglück dabei. Gut auch, dass man merkt, man ist mit seiner Abscheu vor Taten mancher Menschen nicht allein. Es ist noch normal, ganz als Mensch zu empfinden, was Freundlichkeit, Herzlichkeit, Güte, etcetera bedeutet. Aber das Sprechen über die Verwerfungen am Rande der Gesellschaft mit ihrer Gewalt gegen Menschen, bringt mich immer wieder nur an den Rand der Verzweifelung.

Aber nicht die positiven Reaktionen vergessen. Ein Mensch hat mir mitgeteilt, dass seinem Einspruch gegen die Entscheidung eines Finanzamts, sein Stipendium im Rahmen von NEUSTART KULTUR zu besteuern, stattgegeben worden ist. Ich hatte ihm in dem Zusammenhang meine Mail-Kommunikation mit Bundesministerium der Finanzen zur Verfügung gestellt. Ob das den Ausschlag gegeben hat? Vielleicht … geschadet hat es jedenfalls nicht. Das sind jedenfalls die Momente, die mich kurzfristig etwas aufbauen, weil sie zeigen, dass man mit seiner Tätigkeit auch mal etwas erreichen kann, außer nur schlaue und weniger schlaue Texte zu schreiben.

Und so bleibt man hin- und hergerissen zwischen: Es ist doch eh alles sinnlos und dem, man kann schon doch etwas tun, damit die Welt eine bessere wird.


„Kälte ergreift alles, was sie tun, das freundliche Wort, das ungesprochen, die Rücksicht, die ungeübt bleibt. Solche Kälte schlägt endlich zurück auf jene, von denen sie ausgeht. Alle nicht entstellte Beziehung, ja vielleicht das Versöhnende am organischen Leben selber, ist ein Schenken. Wer dazu durch die Logik der Konsequenz unfähig wird, macht sich zum Ding und erfriert.“ (Adorno)

Die Hitze im Hochofen des selbstgemachten Menschenhasses um einen herum ist die andere Seite eines falschen Bewusstseins durch falsche Kollektive. Diese, im Gegenteil, führt zur Auskühlung der Umgebung, hinterlässt verbrannte Energie, verbrannte Erde und am Ende verbrannte Lebewesen.


Und sonst so


Ein Veranstaltungshinweis

Taktgeber K.I. – Zukunft des Musikjournalismus’
01.02.2024, 16 Uhr
Live-Show auf YouTube: youtube.com/watch?v=XeBfazBLeTY

 

 

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