Irgendetwas muss ich bei den letzten beiden WMs verpasst haben. Ich habe sie kaum wahrgenommen. Ja, da gab es Fanmeilen, plötzlich tauchte ein neues Musikinstrument auf. Deutschland, ein Sommermärchen und so etwas.
Wenn ich heute nach draußen schaue. Im Brahmsweg ist ein einziges Auto mit einem Deutschlandfähnchen geschmückt. Am Ortseingang hängt nahe einem Restaurant eine fette Fahne.
Das große Fußball-Feeling: kommt nicht auf. Man kann sich wirklich die Spiele in Brasilien anschauen. Ein paar Langweiler dabei. Das Übliche eben. Aber ansonsten viel entspannte Unruhe. Falls die BRD heute ausscheiden sollte, wäre Ruhe im Karton.
Gestern war der Tag der Außenseiter. Mit Frankreich und Deutschland sind die Mannschaften weitergekommen, von denen man es nicht erwartet hätte. Typischerweise in der Nachspielzeit. Man muss aber auch sagen: Nigeria und Algerien haben zu wenig getan, um Frankreich und Deutschland in Bedrängnis zu bringen: Von Weltklasse-Mannschaften muss man da schon mehr erwarten. Zumal die bayerische Nationalmannschaft ganz klar durch die vielen Spieler des FCB schwer gehandicapt war. Es reichte nicht einmal dafür, einen Torwart aufzustellen. Das ist die schwäbische Sparsamkeit des Yogi Löw.
Aber so kann es im Fußball gehen, gestern noch haushoher Favorit, heute schon ausgeschieden. Die Folgen sind freilich unabsehbar und zumindest fürchterlich. Frankreich gegen Bayern. Das wird schon ein Gekicke zwischen Sauerkraut auf Baguette und Spargel in Calvados werden.
Von der PFIFA gibt es auch nix Gutes. Das gestern von ihr hier eingebundene Video wollen sie nicht auf unserer Seite anzeigen lassen. Uns kann das ja egal sein, aber was ist das für Pressearbeit dieses Amateurhaufens, deren Verbreitung man auf diese Weise verhindert. Das kann doch nur heißen: O, nein. Was für einen Schrott wir da nur abliefern, metaphernfalsch und musikantisch erbärmlich.
Wir wissen seit dem Outing von Theo Geißler in der Zeitung „Politik & Kultur“, wer folgenden PFIFA-Film verbockt hat. Er selbst nämlich. Das erklärt fast alles, vor allem seine Vorreiter-Rolle beim Tippspiel. (Alte Nuss, wer hätte das gedacht.)
53 Euro soll das Material für den Film gekostet haben. Aber was kostete wohl die Musik. Hat sich Theo G. einfach heimlich vor eine Tür eines Musikerziehers gesetzt und eine Fingerübung aufgenommen? Nur, wo werden solche simplen Akkordreihungen (von Fortschreitungen mag man ja gar nicht reden) überhaupt noch gespielt. In der bayerischen Provinz von Theo G etwa, zu viel Donauwasser geschluckt? Hoquetus maximus?
Auch die Schlusskadenz deutet darauf hin, dass hier eher ein Blattschuss gefallen ist denn eine durchdachte musikalische Logik sich Platz suchte. Kann natürlich im Endeffekt auch alles ein kaputtes Computerprogramm gewesen sein.
Der Schaden für die Ohren der Welt ist jedenfalls nicht mehr gut zu machen. Auf immer und ewig sind sämtliche Bemühungen für eine gute musikalische Erziehung völlig für den, den, den … Dings. Und es zeigt die Dominantz(!) der okzidentalen Musik über die Welt ans sich. Mit wenigen Akkorden wird die Welt beherrscht. Das ist musikalisch gesehen, auch okay. Aber da muss das Timing wenigstens stimmen. Wenn schon diese so unbedarft aneinander geklatscht sind, was soll daran dann anknüpfen? Totale Regression aber hier. Pfui, Pfui, Pfui.
Dabei wäre eine Lösung so einfach gewesen. Wir haben mal ein paar kurze musikalische Meisterwerke zu Vertonung gewählt – insgesamt fünf Stück.
Wer einige oder alle Musikbeispiele erkennt und in den Kommentaren benennt, weiß wahrscheinlich mehr als alle anderen auf der Welt. Und das ist Gewinn. (mehr …)
Leuteleuteleute. Das ist nix mehr für mich. Dieses Elfmeterzeug macht einen ja total nervös … . Ertappe mich, wie ich vor dem 11-Schießen noch was ganz wichtiges machen muss. Wusstet ihr, dass es in Trier für die Studis jetzt im Semesterticket kostenlosen Zugang zu Theater und Museen gibt, in Trier, also bei den acht Institutionen, die da mitmachen. Ich finde, da hat Trier den Einzug in Finale gleich geschafft.
Und dass in Frankfurt Babykonzerte in der Alten Oper besser laufen als alles andere. Ausverkauf nach zwei Stunden. Wenn man da jetzt die richtigen Konzerte reinpackt, dann wäre das die Erholung schlechthin für die Konzertszene. Nicht vom falschen Fußball kann man was lernen, wie Benedikt Stampa meinte, sondern von der Reproduktionsbiologie. Konzerte für Eltern von noch ungezeugten und gewünschten und ungewünschten Kindern.
Aber echt, mir schlottern immer noch die Knie und Kieferkrämpfe plagen mich auch vom Zähnezusammenbeißen. Aber wird müssen ernsthaft werden. Vor dem Achtelfinale ist ein Resümee zu ziehen. Das letzt Viertel ist zu tippen und so sieht es aus.
Was liegt eigentlich näher, als sich während der WM oder in ihrem Umfeld mit den kulturtheoretischen Fragen zu beschäftigen, die dieses globale Phänomen aufwirft. Das WM-Blog macht hier ja nichts anderes. Es ist ja immer das Gleiche, wenn man erst einmal anfängt, in so einem Themenhaufen herumzustochern, dann tun sich mit jedem Pieks neue Fragen auf – mal mehr lohnend, mal eher weniger, mal schießt man neben das Themen-Tor, mal randaliert man und wird vom Platz gestellt. Und schon hat man in Analogien seine Seele gebadet und Metapher übernommen. Aber man darf das natürlich nicht, wie Toni Polster sagt, hochsterilisieren.
Also: Im Umfeld erschien ein auf den ersten Blick recht anregender Artikel von Benedikt, dem Intendanten vom Konzerthaus Dortmund. Er erschien in der aktuellen Ausgabe des Monatsmagazins KM des Kulturmanagement Networks. Stampas Arbeit in Dortmund gilt gemeinhin als erfolgreich, er genießt einen guten Ruf. Im Magazin (Ausgabe 90, Thema Freizeit) versucht er sich an einem Vergleich zwischen den Kommerzialisierungsentwicklungen im Fußball, die er ungetrübt allgemein lobt und die Möglichkeiten einer Kommerzialisierung des Konzertbetriebs. Das klingt interessant, gehen wir der Spur Stampas nach.
Bevor ich zu Stampa komme und seinem Fußball-Vergleich, eine schnelle These. Es sieht so aus, als ob bei dieser Fußball-WM erstaunlich viele Tore fallen – sieht man einmal von den Spielen der Italiener, der Engländer und der Griechen ab. Möglicherweise stimmt das ja nicht, aber man hat das Gefühl und man hat das Gefühl, da geht was ab.
Also, die vielen Tore sind, meiner Meinung nach, zieht man einmal die vielen Elfmeterentscheidungen ab, die vielen Tore sind auf die viele Bewegung im Spiel zurückzuführen. Es geht von einer Seite auf die andere, reines Powerplay ist selten.
Fußballplatz, kühlend
Das wundert einen, heißt es doch, das Klima sei eher für Siesta geeignet und mache müde. Andererseits: Schon mal im Sommer Fahradgefahren? Man fährt mitunter ja so schnell, weil der Fahrtwind einen kühlt. Und genau das ist die These. Die laufen so viel, damit sie im Laufwind stehen. Der kühlt. Nur die Torhüter eben nicht, die so viel stehen und tatsächlich Siesta machen können – Ausnahme: Ochoa von Mexiko. Der blieb von seinem Beiwind der Mitspieler gekühlt.
Jetzt haben wir die Hälfte durch und eigentlich wäre es Zeit gewesen, sich mit Benedikt Stampas Auseinandersetzung mit dem Fußball als emotionaler Sache, die begeistert, obwohl kaum einer das Spiel kapiert, auseinanderzusetzen. Aber das muss wegen einer dreifachen Zahnextraktion der Schwiegermutti mal geschoben werden.
Tipps fürs Tippspiel: Die letzten Spiele der Vorrunde. Die sind noch schwieriger zu tippen als die anderen.
Bekanntgegeben wurde der neue Fußball für die WM 2018 in Russland. Sofern das da überhaupt stattfindet. Sicher ist das nicht. Der Ball wurde von der PR-Abteilung der nmz entwickelt und spiegelt wohl den wahren Charakter der WM wieder.
Man muss sich schließlich fragen, was an dem Spiel wirklich noch Spiel und nicht nur mehr nur Geschäft ist.
Der große Bestecher: Theo
Ob nicht vielleicht sogar die Form eines Messers mittlerweile besser geeignet scheint, bei den ganzen Bestechungsvorwürfen, liegt nahe. Die Antwort kennt natürlich nur der große Theo. Während der Rest der Tipper noch spielt, gewinnt der schon.
Aber noch ist nicht aller Tage Abend. Es sind noch nicht einmal die Hälfte aller Spiele absolviert worden. Also. Wenn Ghana ein Unentschieden erreichen kann gegen die hochfavorisierten Deutschen, wird es wohl doch auch Tippse und Co möglich sein, dem Theo ihm sein Schneid abzukaufen.
Wenn man so die alten Weltmeisterschaften im Fussball an sich vorüberziehen lässt, fällt einem ja das eine oder andere auf. 1974 war die WM in Deutschland. Und ob man es glaubt oder nicht, es waren nicht einmal alle Spiele ausverkauft obwohl die Eintrittspreise damals noch gar nicht so sehr gepfeffert waren wie heute. Beim Endspiel reichte laut Wikipedia-Eintrag die Preisspanne von 15 bis 80 DM. Das war damals auch nicht ganz wenig, aber doch bedeutend weniger als heute. Die billigste Karte der WM kostete 10 DM. Stehplatz selbstverständlich, denn die gab es damals ja auch noch.
Hatte der Fussball damals also ein Vermittlungsproblem? Warum bleiben die Zuschauer weg? Muss man nur in Sitzplätze investieren und die Preise erhöhen, damit alles wieder ins Lot kommt? Also genau umgekehrt tun als man denkt?
Raus, raus, raus. Spanien ist raus, Kamerun ist raus. Typisch für die WM in Brasilien: die falschen Favoriten plumpsen in den Orkus der WM-Geschichte. Wie das insgesamt funktioniert, zeigte sich beim Tippspiel der nmz. Alle bis auf einen Tipper (icke nämlich) haben einen Sieg Spaniens gegen Chile getippt. Der PFIFA-Weltranglisten Platz 1 für Spanien hat sie getäuscht. Bei Kamerun komischerweise nicht. Vor der WM ziemlich hoch gehandelt, jetzt ziemlich tief gestürzt. Aber das erste Spiel hat allen gezeigt, das wird nix.
In Gruppe A ist die Situation vertrackt. Ich glaube, selbst bei einer Niederlage gegen Kamerun ist Brasilien durch, was schade ist und den Rest Spannung nimmt. Wogegen sich die Überrascher Kroatien und Mexiko prügeln müssen.
So, und nun zur Geschichte des Fussballs. Fussball ist nämlich aus der Neuen Musik heraus entstanden. Hier die ersten noch verwackelten Bilder.