Urheberrecht aktuell

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Zeit für eine, mir vom Gesetzgeber aufgenötigte ad-hoc-Meldung, nach dem Gesetz für die Entfaltung von Wissen und Information, das noch nicht existiert.

Soeben hat das Aktionsbündnis Urheberrecht für Bildung und Wissenschaft mitgeteilt, dass mit Inkrafttreten des 2. Korbes des Urheberrechts einige nicht wünschenswerte Entwicklungen eingesetzt haben. “Wissenschaft off-line — erste negative Auswirkungen der Urheberrechtsnovelle” heißt die Pressemitteilung, die die Auswirkungen auf die elektronische Dokumentenlieferung dokumentiert. Dabei spielen Verlage nach dieser Auffassung keine besonders rühmliche Rolle. Man redet von Kenbelverträgen.

Zugleich ist hinzuweisen, dass seit heute ein neues Buch von Rainer Kuhlen “Erfolgreiches Scheitern – eine Götterdämmerung des Urheberrechts” zum Download und natürlich zum Kauf bereitsteht. Um eine Spende an das Aktionsbündnis Urheberrecht für Bildung und Wissenschaft wird gebeten. Das Werk liegt seit heute offenbar zugänglich vor und umfasst über 600 Seiten. Selbstverständlich habe ich noch keine Zeit finden können, es zu studieren. Die satirische Einleitung jedenfalls macht Lust auf mehr. Kuhlens Optimismus bei aller Skepsis:

Es – das Urheberrecht – könnte aber auch ganz anders aussehen: Leitvorstellungen für das Urheberrecht sollten wissensökologische Prinzipien wie Entwicklung und Nachhaltigkeit sein, nicht Verwertung und Verknappung. Das wird auch in der gegenwärtigen Debatte um die Neuausrichtung der World Intellectual Property Organisation (WIPO), der UN-Organisation für das geistige Eigentum, gefordert (WIPO 2004). Damit könnte ein Urheberrecht entstehen, das sich auf sein grundlegendes Prinzip besinnt, nämlich von den Erwartungen und Bedürfnissen der Gesellschaft an Wissen und Information (auch zukünftiger Generationen) auszugehen und die kommerzielle Verwertung im Grund nur als die unter besonderen Bedingungen gestattete Ausnahme zu sehen. Rainer Kuhlen, Erfolgreiches Scheitern – eine Götterdämmerung des Urheberrechts, Boizenburg 2008, S. 22 – zitiert nach dem PDF.

Kuhlen, nach eigenen Aussagen selbst erst seit etwa drei Jahren mit dem Thema und seiner juristischen Komponente befasst, dürfte damit einen äußerst dicken Diskussionbeitrag zum Thema geschaffen haben.
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Vernebelungsdiskurse

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Im vorhergehenden Eintrag habe ich Walter Benjamin aus seiner "Einbahnstraße" zitiert. "Armut schändet nicht", die hohle Floskel, die von oben herab das Leben zur Erträglichkeit verschönt. Benjamins Text geht aber weiter. Und er berührt darin noch deutlicher die Gegenwart, als es zunächst schien. Aber nie darf einer seinen Frieden mit der Armut schließen, wenn sie wie ein riesiger Schatten über sein Volk und sein Haus fällt. Dann soll er die Sinne wachhalten für jede Demütigung, die ihnen zuteil wird, und so lange…

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Vernebelungsdiskurse

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Im vorhergehenden Eintrag habe ich Walter Benjamin aus seiner “Einbahnstraße” zitiert. “Armut schändet nicht”, die hohle Floskel, die von oben herab das Leben zur Erträglichkeit verschönt. Benjamins Text geht aber weiter. Und er berührt darin noch deutlicher die Gegenwart, als es zunächst schien.

Aber nie darf einer seinen Frieden mit der Armut schließen, wenn sie wie ein riesiger Schatten über sein Volk und sein Haus fällt. Dann soll er die Sinne wachhalten für jede Demütigung, die ihnen zuteil wird, und so lange sie in Zucht nehmen, bis sein Leiden nicht mehr die abschüssige Straße des Grams, sondern den aufsteigenden Pfad der Revolte gebahnt hat. Walter Benjamin, Einbahnstraße, Frankfurt am Main 1977 [1928], S. 30.

Darin hatte Benjamin seine Hoffnung gesammelt. Nur sind die Chancen für das Wachhalten der Sinne nicht die besten. Die Demütigung richtet sich auch auf die Sinne. Leider häufig im Einverständnis mit dem Unheil. Benjamin sieht das:

Aber hier ist nichts zu hoffen, solange jedes fruchtbarste, jedes dunkelste Schicksal täglich, ja stündlich diskutiert durch die Presse, in allen Scheinursachen und Scheinfolgen dargelegt, niemandem zur Erkenntnis der dunklen Gewalten verhilft, denen sein Leben hörig geworden ist. A. a. O.

Die ganze Sache ist einfach zu billig und zu tief aufgehängt. Der Diskurs über Armut und Reichtum befällt einen in einem derartig niedrigen Reflexionsniveau insgesamt. Jeder kleine Manager weiß längst mehr, jeder Politiker hat die BILD-kompatiblen Patente bereit. Perfekte Vernebelungsdiskurse all dies, die in ihrer Wunderkerzendenke genau wie auch in der Verdunkelungsstrategie ein Imrechtwähnen aufspülen. Gedanken-Palmolive für die Gesellschaft: “Sie baden ihr Hirn gerade darin.”

Benjamin schreibt kurz später:

Aus den Dingen schwindet die Wärme. Ebenda, S. 34

Dieser Vorgang ist so grundlegend und er erfasst einen niederträchtig unmerklich. So sind Armutsproduktion und Neid (auch und gerade bei den Besitzenden) jeweils teuflische und unerbittliche Geschwister. Paart sich dies mit Geiz als Wohlstandsgarant, ist zumindest von nirgendwoher ein Ansatz zur Lösung sichtbar. Ketten, in die man sich zur Sicherung des Eigenen selbst anlegt, sind nicht weniger brandgefährlich als Ketten aus Überwachung und Freiheitsreduktion. Selbstverfasste Dummheit, die sich selbst erzeugt. Ein perpetuum mobile mag es in der Mechanik nicht geben, in der Gesellschaft ist es die Standardenergie.
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Frühling remembered

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Der erste Frühlingstag war bereits vor zwei Wochen zu vermelden. Heute durch die Gartenwelt der Kleingärtner spaziert. Mit kurzem Weg nur, da der Frühling einem doch kaum Zeit ließ. Mit einer gewissen Ungenauigkeit wirkte dieses Blatt jedoch wie aus der Zukunft zurückgebeamt. Im Herbst beginnt der Zerfall jetzt also vor der Zeit. "Armut schändet nicht." Ganz wohl. Doch sie schänden den Armen. Sie tun's, und sie trösten ihn mit dem Sprüchlein. Es ist von denen, die man einst nicht konnte gelten lassen,…

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Demolikaturenstreit

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Schon die Kritische Masse stellte manche sinnvolle Frage. Ab und an, vor allem wenn man gerade mal keine Lust auf Tiefschürfendes hat, obwohl da manches anliegen würde, muss das sein. Außerdem ist im Hamburg bald auch dieser lachhafte Politik-Aus-Wahl-Vor-Gang. Wo Alfred E. Neumann auf Ole von den Wikingern trifft. Da hat man ähnliche Freiheit. Und die Fittp sich von einer Skydiver im Flughafenlandeeinschneisengebiet durchkraulen lässt. Danke, man hat es offenbar nie besser je gelernt. Hanseat, war das nicht mal auch ein Auto?…

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Gedicht

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Holde Hoheit, extravagant! Man kann auf vielerlei Art arm sein. Reichtum verbreitet Ärme. Thilo, HartzIV-Senator des armen Berlin. Ratschläge weiß man da, Man muss sie nur erteilen. Den sie ereilen, machen sie nicht wärmer. Abfindungen sind so neue Lebenskunst. Im Glashaus sitzt es sich auch nachts nicht ohne Licht besser, Noch nackt. Doch das Geldgefälle lässt viel Augenverdrehe zu. Geld Macht. Aber nicht reich. Noch in der Wohnung findest dein Reich du. Es verzaubert sie in Schmutz. (aus Ugrischen übersetzt von Huflaikhan)

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Wiederbehaarbar

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Liebe schlaue Nutzer und Benutzer der Urteilskraft, so es euch denn gibt. Heute ist mal wieder Fragestunde mit Dr. Hufner. Um was dreht es sich wohl bei diesen geradezu sexy-lyrischen Wortkombinationen?Feiner Schildpattfrosch, massives Silberbeinchen, Silberkopfplatte Pariser Auge, Einfaßschub, Harte Stange, verziertes Beinchen, ohne Zwickel, mit Auge, ganzes Beinchen, Horn- und MammutfroschNun aber ran an die Vermutungen und bitte kein rumyahoon oder weggoogeln. Das macht nämlich keinen Spaß so.

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EU-Logik

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Der Bundesverband Musikindustrie unterstützt die Initiative eines EU-Kommissars McCreevy. Der will die Schutzfristen für Künstler von derzeit 50 Jahren auf 95 Jahre hinaufsetzen. Es gäbe keine vernünftigen Gründe gegen eine solche Fristsetzung. Warum man allerdings nicht sofort auf 70 Jahre nach dem Tod des Künstlers geht, wie bei Urhebern, ist gleichermaßen unverständlich. Der Bundesverband Musikindustrie, der heute den ECHO im ICC in Berlin verteilt, zitiert McCreedy mit den Worten: "Es sind die Künstler, die eine Komposition erst lebendig machen. Während die meisten…

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