2004 – es wird schon werden …

Allen absichtlichen oder zufälligen Lesern dieser Seiten ein gesundes neues Jahr 2004 und hoffentlich auch ein glückliches. Und meinen Glückwunsch an Christoph zu seinem Geburtstag heute, am 1.1.2004.

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Alles geklappt

Ein Hoch auf die Deutsche Bahn AG. Zum Weihnachtsfeste nach Mülheim brachten mich am 23.12. zwei Züge pünktlich hin und drei Züge am 27.12. teilweise überpünktlich nach Regensburg zurück. Freilich ändert es nichts daran, dass mit vollendeter Fahrt sich eine sogenannte Schnellgrippe ankündigte und mir wenigstens bis Montag abend alles verdorben hat.

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Apropos Reinhard Mey

Vom frischgebackenen Schirmherren des „Deutschen Musik-Exportbüros“ kann man unter „Kunst & Leben bei ARD.de“ eine große Schimpftirade auf die Geschichte des Deutschen Schlagers in Deutschland lesen. Nach dem Zweiten Weltkrieg habe sich Deutschland in einer Identitätskrise befunden und man sei daher nicht zu einem eigenständigen Genre gekommen. Damals, in den 50er und 60er Jahren sei nur geklaut und kopiert worden. Dadurch habe man „den Boden nachhaltig versaut“. Und weiter kann man lesen: „Eine kopierter Schlager sei immer schlechter als das ‚amerikanische Original, dessen Schleimspur er hinterhersabbert‘.“

Wir freuen uns über diese offenen Worte, von einem, der auf Autofahrten nach Sylt angeblich Musik von Charles Aznavour hört. Das ist merkwürdig: jemand, der sich für eine Radioquote zugunsten deutschsprachiger Texte im Rundfunk einsetzt, schw(h)ört selbst auf französische Texte. Hat nicht auch ein Mey gleichzeitig zu befürchten, eine neue deutsch-sprachige Schleimspur im Rundfunk zu legen und dann eben die Musik durch eine Quote zu fördern, die auch er ablehnt? Er sieht es wohl anders, wie man im Musikmarkt nachlesen kann, „denn es gibt eine bunte Palette von guten deutschsprachigen Künstlern.“ Da ist natürlich auch was dran, denn es hat sich ja auch gezeigt, dass die Einführung einer Musikquote in Island zu phantastischen Ergebnissen geführt hat.

Positiv dagegen: Mey hat es geschafft, was der gesamten Major-Phonobranche schwer im Magen liegt. Er, Mey, kann nämlich leben von seiner Musik: „Seine Konzerte seien noch immer gut besucht. Ausserdem erwerbe sein Publikum seine Musik auf reellen Wege und mache keine Raubkopien. Das ermögliche ihm, weiter zu schreiben und zu komponieren.“ So einfach ist das. Und hinter der Leichtigkeit der Ansicht versteckt sich in der Tat etwas Wahres. Meys Publikum scheint ihm seine Authentizität als Musik- und Lebenskünstler abzunehmen. Der Mey, der ist schon richtig, der ist präsent und man nimmt an, dass er „echt“ ist und glaubwürdig. Es ist eben nicht einerlei, wie Musik auftritt im Zusammenhang mit denen, die sie hören.

Noch mehr Tiefgründiges könnte der gelegentliche Logbuch-Besucher in der taktlos-Sendung Schlager Ost/ Schlager West nachhören. Zu Gast waren unter anderem Frank Schöbel und Michael Holm (Schlagertexte zum Teil nahe am Rinderwahn).

M. Hufner
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Mehr über den Artikel erfahren Bruno Liebrucks: „Über einige transzendentale und einige dialektische ‘Implikationen’ der formalen Logik“
Schiff im See

Bruno Liebrucks: „Über einige transzendentale und einige dialektische ‘Implikationen’ der formalen Logik“

„Die Hintergehbarkeit der Sprache ist nur um den Preis möglich, daß der Schluß nicht schließt.” So zu lesen in dem Beitrag zu einer Festschrift unter dem Titel: “Über einige transzendentale und einige dialektische ‘Implikationen’ der formalen Logik.” Davon verstehe ich nicht viel. Mich deucht nur ein Grobes, von dem zu ahnen, was Liebrucks 1971 verfasst hat. Denn er kommt gegen Ende des Artikels zu sehr schönen Formulierungen: „Die Schätze der Tradition können wir nicht…

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Weia: DMV – Kreative Pannenserie

„Die mehr als 500 DMV-Mitglieder seien bereit, GermanSounds zu helfen, damit eine kreative Offensive für deutsche Produkte im Ausland schnell konkrete Formen annehmen kann.“ So liest mans in der musikwoche. Der Deutsche Musikverleger Verband legt los und mutet sich etwas zu, was man ihm beim besten Willen bisher noch nicht als Attribut zuzuschreiben mochte: „Kreativität“.

Der Handlungsbedarf scheint ja auch immens. Denn „GermanSounds“ exportiert, was das „Deutsche Musikexportbüro“ angeblich nie tat, Musik. So unklar die Situation zwischen beiden Büros ist, die etablierte Musikszene schießt sich auf „Deutsche Klänge“ ein. Wer zu spät kommt, steht doof da, wer aufs falsche Pferd setzt auch. Daher eine Offensive der Kreativität. Das klingt freilich vollkommen danach, als ob jemand ein brennendes Streichholz in eine Wassertonne wirft. Zisch – das wars.

Helmut Lachenmanns „deutsche Produkte“ innerhalb dieser Offensive? Der wird seinen Spaß haben. Was, man kennt Lachenmann etwa nicht? Die englische Wikipedia kennt ihn. Der scheint eher eine Offensive in Deutschland nötig zu haben.
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Philosophisches: Bruno Liebrucks

„Die Hintergehbarkeit der Sprache ist nur um den Preis möglich, daß der Schluß nicht schließt.” So zu lesen in dem Beitrag zu einer Festschrift unter dem Titel: “Über einige transzendentale und einige dialektische ‘Implikationen’ der formalen Logik.”

Davon verstehe ich nicht viel. Mich deucht nur ein Grobes, von dem zu ahnen, was Liebrucks 1971 verfasst hat. Denn er kommt gegen Ende des Artikels zu sehr schönen Formulierungen:

„Die Schätze der Tradition können wir nicht wegwerfen, ohne sie zu heben. In jedem Erkenntnisakt findet Abschied statt. Der Abschied von der Tradition besteht darin, daß man sich ihr zuwendet.” (S. 15)

Das klingt furchtbar dialektisch und daher ziemlich klug oder eben auch ziemlich banal. Nun, Liebrucks ging wohl von der Frage aus, wie und ob “formale” Logik, so sie in Sprache tritt auf nur formale Aspekte zurückführbar ist. Ist George W. Bush ein Problem der „formalen Lofik”? Eben.

“Die Reduktion der Logik auf ihr formales Moment faßt Sprache als Inbegriff von Operationen und Zeichen oder Handlungsschemata auf und verfehlt den Erkenntnischarakter jeder Einzelsprache wie der Sprache als solcher.” (S. 14)

Liebrucks wendet sich gegen Carnap, wenn dieser „die Aufgabe eines lyrischen Gedichtes nur darin sehen [kann], ‘unsere Gefühle ausdrücken zu wollen’.” Und er erklärt: “Es ist durch den Tatbeweis aller Dichter, die den Namen verdienen, gezeigt und ausgesprochen, daß der Umkreis der schlechten Subjektivität dichterisch überschritten werden kann.” (S. 3)

Liebrucks wendet sich in dem Text gegen eine auf Formales reduzierte Annahme von Sprache, wie es sie bei Wittgenstein zum Beispiel im Tractatus findet. Die Welt ist mehr als eine Ansammlung von Tatsachen und Sachverhalten – gut, das sagt Wittgenstein auch. Nur Wittgenstein schiebt den Rest beiseite als unwissenschaftliche Gegenstände, die dann dem Mythos oder der Magie zugerechnet werden könnten. Ich selbst kann aber nicht umhin, auch den Tractatus als Sprachmagie zu verstehen. Das formal-logische dieses Textes ist auch mehr als nur das formal-logische – im billigsten Fall eben Literatur. Wenn es anders möglich gewesen wäre, hätte Wittgenstein sich einer ‘reinen’ Symbolsprache bedienen müssen. Und auch dann wäre er gescheitert.

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2003 in Topps und Flopps

Es gehört sich nicht und doch passierts jetzt zum ersten Mal. Eine Liste mit schönen Dingen, die sich im letzten Jahr ergeben haben. Bei Nennungen handelt es sich daher nicht zwingend um Neuheiten.

Musik
Corinne Douarre: Virages
Bernd Begemann: Rezession Baby!
the broken beats: the weather beats the rhythm
Iannis Xenakis: Persepolis Remixes Edition I

Komponisten
Leos Janacek
Maurice Ravel
Bedrich Smetana
Iannis Xenakis

Buch
Theodor W. Adorno: Gesammelte Schriften (Digitale Bibliothek)
Ödön von Horvath: Himmelwärts und andere Prosa
Richard Sennett: Respekt im Zeitalter der Ungleichheit
14. Shell Jugend-Studie

Zeitschrift
Brand eins
Blätter für Deutsche und Internationale Politik
Bürgerrechte und Polizei
nmz – neue musikzeitung

Internet
Janko Röttgers: Mix Burn RIP
Moe’s Blog: Moe’s Blog. Leben und Lernen auf dem Web.
taktlos: das ist taktlos

Tools
Magic Mail Monitor: Spart das Downloaden von Müll
Nucleus CMS: Läuft hier
40tude dialog: Newsreader

Lokale
Café-Bar
Café-Konditorei Pernsteiner
Landshuter Hof

Top-Flopps:
Deutsche Bahn AG
MDR KULTUR im kommenden Jahr als MDR FIGARO
Adorno und die Zwölftontechnik: Buch von mir von 1995 .:. Amazon.de-Verkaufsrang 690.252
Ich – als Gast in der 70. Ausgabe von taktlos
Mein Kreislauf am Ende des Jahres

Das mal nur schnell die Situation.
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Privatisierung von Wissen

In der Netzzeitung steht ein schönes und aufschlussreiches Interview mit Janko Röttgers über den Zustand der Musik in digitalen Netzen. Nachdrücklich geht es noch mal über das Thema der Pauschalabgabe-Idee. Ich finde diesen Gedankengang sehr richtig, welche Probleme im Detail auch immer lauern mögen. Und noch etwas stellt Janko Röttgers sehr fein heraus, dass die Breite des Musikmachens eben nicht durch die Topseller und Rotationen der großen Musiksender repräsentiert werden. Zitat: „Musiker führen in der Regel eben nicht ein Leben, wie man es von «MTV Cribs» kennt. Sie basteln sich ein komplexes und individuelles ökonomisches Patchwork.“

Im gleichen Zusammenhang muss ich auf zwei Artikel aus der aktuellen Musikzeitung hinweisen. In einem durchleuchtet Ulrich Dolata die gegenwärtigen Strategien der großen Plattenfirmen und ihrer Lobbyisten: Subversion als Innovationsmotor. Musikkonzerne unter dem Druck von Internet-Tauschbörsen. In einem weiteren Artikel durchforscht Josefine Köhn die neuen „legalen“ Musikdownlaodangebote: Wird das Internet der Plattenladen der Zukunft? Musikverbraucher im Dschungel der Downloadangebote.
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Wenn schon Export, dann Bier ;)

Momentan konkurrieren zwei Organisationen offenbar um die Herrschaft im Bereich des deutschen Musikexportes. Seit 2000 gibt es das „Deutsche Musikexport-Büro“, seit ein paar Tagen die „GermanSounds AG“ . Nun geht es um die Wurst. In der Tat liegen da ein paar Dinge schief. Kulturstaatsministerin Weiss begrüßt „German Sounds“. Das Internetportal der Bundesregierung verlinkt dagegen das „Deutsche Musikexport-Büro“. MH

Die Meldung:

Reinhard Mey wird Schirmherr des Deutschen Musik-Exportbüros
Köln (inter-info.de) – Der international bekannte deutsche Liedermacher Reinhard Mey ist ab sofort Schirmherr des im Jahr 2000 in Köln gegründeten Deutschen Musik-Exportbüros. Er freut sich, auf diese Weise die Förderung des deutschen Musik-Nachwuchses und des Exports deutscher Musik unterstützen zu können.

Reinhard Mey, dessen Lieder (u.a. „Über den Wolken“) man in vielen Ländern kennt, ist ein hochdekorierter Künstler. Er erhielt als erster ausländischer Sänger den „Prix International de l’Académie de la Chanson Française“, bekam gleich zweimal das Bundesverdienstkreuz und nahm erst kürzlich den „Preis der Deutschen Schallplattenkritik 2003“ entgegen. Sein 2002 erschienenes Album „Rüm Hart“ erreichte mühelos Platz 4 der deutschen Album-Hitliste, und seine Tourneen sind regelmäßig ausverkauft.

Am 5. Dezember sprach er sich auf einer vielbeachteten Pressekonferenz selbstbewusst für eine Quote bezüglich deutschsprachiger Musik in den deutschen Medien aus: „Es führt kein Weg an einer Quote vorbei, wenn wir nicht einen ganzen Kultur- und Wirtschaftszweig an unterlassener Hilfeleistung eingehen lassen wollen“.

Der Gründer des Musik-Exportbüros, Björn Akstinat, meint zur Schirmherrschaft Meys: „Wir erhalten für unsere Arbeit sehr viel Zuspruch von Medien, Musikern, Musikmanagern und staatlichen Stellen. Dass die erfolgreichen Bemühungen des Deutschen Musik-Exportbüros jetzt auch vom renommiertesten Liedermacher Deutschlands unterstützt werden, ist natürlich besonders toll. Was die Erfolge des vor über drei Jahren gegründeten Deutschen Musik-Exportbüros bereits im Inland bewirken, sieht man daran, dass kürzlich schon ein Nachahmer-Projekt namens “GermanSounds„ entstanden ist.“

Das Deutsche Musik-Exportbüro wurde von der Internationalen Medienhilfe (IMH) im Jahr 2000 gegründet. Vor dem Hintergrund einer zunehmenden Popularität deutscher Musik außerhalb des deutschen Sprachraums hat das Exportbüro die Aufgaben, den Bekanntheitsgrad deutscher Musikschaffender im Ausland weiter zu erhöhen und den weltweiten Absatz deutscher Tonträger weiter zu steigern. Seine Aufgaben erfüllt das Exportbüro, indem es zahlreiche Dienstleistungen für die deutsche Musikwirtschaft und ausländische Musikinteressierte erbringt.

Weitere Informationen zum Deutschen Musik-Exportbüro finden Sie
über die offizielle Internet-Seite der deutschen Bundesregierung:
http://www.deutschland.de/Menüpunkt „Musik“

Deutsches Musik-Exportbüro
Eine Abteilung der Internationalen Medienhilfe (IMH)
Büro Köln/Bonn
Postfach 11 22
53758 Hennef bei Köln

Gründungsmitglieder der konkurrierenden (?), ergänzenden (?) Organisation, der „GermanSounds AG“, sind der Bundesverband der Phonographischen Wirtschaft, VUT, der Deutsche Musikverleger-Verband, der Bundesverband der Veranstaltungswirtschaft (IDKV), der Musikmanagerverband IMUC, das Music Managers Forum Deutschland (MMF), der Verband der deutschen Musikproduzenten, die Musikmessen Womex und popkomm, CLASS (Association of Classical Independents Germany) und der Deutsche Musikrat.

Kommentar von webwatch findet sich im KIZ.
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Ein Kommentar

TÜV oder: aus einem Totenhaus

Schlecht gelaunt war ich sehr bei der Abfassung des hier abgedruckten Clusters, der in der aktuellen Ausgabe der neuen musikzeitung.

Kritik soll etwas Nützliches sein. Kulturstaatsministerin Christina Weiss wünscht sich daher einen „TÜV für die Kultur” – hört hört: einen (in Worten) „Technischen Überwachungs-Verein für Kultur”. Also rein in den Blaumann und den Theaterunterbodenschutz testen: „Dieses Theater ist kritiküberwacht”, GKS-Siegel drauf für „Geprüfte Kultur-Sicherheit”. Doch Kritik alten Schlages ist doppelt in der Mangel.

Aus jedem jungen Alleswisser schwallt es, dass sowieso und überhaupt alles „Pop” sei. Die Zukunft ist Pop, die Zukunft ist unter 25 Jahre alt (aber mindestens 6 Jahre) – und die Zukunft sitzt offenbar gerne vor dem Computer und steht auf Style. Die Zukunft tankt, trägt und trinkt Diesel. Opas Kultur jedenfalls ist tot. Die erstklassig jämmerliche Popkultur hat geschafft, was nicht einmal ein Bürgerkrieg geschafft hätte, die fast komplette Ersetzung von Kulturbedürfnissen durch Surrogate, unter dem Deckmantel des Revolutionären, der Abweichung, des Neuen verbunden mit dem unbedingten Versprechen von schnellem Glück. Pop ist ein Schmier- und Rauschmittel. Nur wird dieses nicht mehr in Kolumbien oder Afghanistan produziert, sondern ist das Stoffwechselprodukt der gegenwärtigen Gesellschaft selbst. Karl Marx, laut ZDF-Pop-Auswertungsmaschine Platz drei unter Deutschlands Besten, würde heute knackig formulieren „Pop ist Opium fürs Volk.”

In so einer Welt ist man als Kulturkritiker endgültig unnütz und kann eigentlich alles nur noch schlimmer machen. Es reicht, ich bin es satt. Soll doch Dieter B. aus dem Presseorgan des Deutschen Musikrats quäken. Ich jedenfalls gehe zum endgültigen Abhusten in den Keller; doch nehme ich mir die Partitur von Schuberts Streichquintett mit, denn das ist immer noch eine musikalische Verheißung von Glück und Trost für den Trostlosen.
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