Kundenschutz

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Auf dem besten Weg sich vor Kunden zu schützen, sind einige Plattenlabels. Neuerdings hält auch im Jazz- und sogenannten E-Musik-Sektor ein technisches Verfahren Einzug, welches das Kopieren von CDs unmöglich machen möchte. Gute Idee, denken wohl die Verbreiter solcher CDs.

Weil, nämlich, kopieren ist ja sowieso nicht erlaubt, naja, fast nicht, eben: zum privaten Gebrauch ist es gerade noch zulässig. Aber wo kämen wir denn auch hin, wenn jemand eine Musik-CD privat brauchen wollte. Privat ist immer schon gefährlich gewesen, was da hinter Tür und Schloss beim Einzelnen sich abspielt ist pars pro toto immer problematisch, sonst könnte man es ja auch in der Öffentlichkeit machen. Wer privat ist, hat etwas zu verbergen, nicht wahr. Musikalische Molotov-Cocktails werden da zusammengestellt und das kostet unter Umständen einer ganzen Branche das Leben – da heule ich doch gleich mit.

Nicht wenige Kunden sind über solches Verhalten wenig amüsiert und weigern sich in Zukunft derartige CDs zu kaufen. Auch in der neuen musikzeitung werden demnächst derartige sogenannte kopiergeschützte CDs als solche gekennzeichnet.

Nebenbei: Wie gut sind denn diese CDs wirklich gegen Kopien geschützt? Ehrlich gesagt, sie sind es nicht einmal. Mit allen drei Versuchs-CDs gelang die digitale Kopie von einem handelsüblichen CD-Player auf Mini-Disc oder Digital-Audio-Tape. Und ebenso einfach war eine Überspielung auf den guten alten Kassettenrekorder. Allein aus dem Computerlaufwerk heraus, da will weder die digitale noch die analoge Kopie so recht funktionieren. Der Schutz derartiger CDs zielt eindeutig und momentan noch allein auf Computerlaufwerke – und es ist ja bekannt, dass E-Musik-Hörer am liebsten ihre Musik-CDs am Computer hören möchten.

Der sogenannte Kopierschutz verhindert also nicht einmal das Kopieren, aber er macht es schwieriger, wenn sich jemand mal schnell so eine CD für Auto-CD-Player umkopieren möchte. Das ist nicht unmöglich, aber umständlicher geworden. Was soll also ein Generalverdacht gegen die Kunden bringen?

Die professionelle Raubkopierer scheren sich ohnehin einen Dreck um solche Kopierschutzmechanismen, die bekommt man so auch nicht dran. Aber dem Ganzen wird eine Krone durch die Novelle des Urheberrechtsgesetz aufgesetzt, das einige höchst pikante Passagen hat. Wer einen Kopierschutz umgeht, kann „mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder mit Geldstrafe bestraft“ werden, „wenn die Tat nicht ausschließlich zum eigenen privaten Gebrauch des Täters oder mit dem Täter persönlich verbundener Personen erfolgt oder sich auf einen derartigen Gebrauch bezieht“. Ja nun, da staunt man nicht schlecht. Wie denn nun, ist das Umgehen des Kopierschutzes zum ausschließlich eigenen, privaten Gebrauch „des Täters“ doch straffrei? So siehts aus. Der Kunde wird zwar zum Täter, aber zu einem, der nicht strafrechtlich belangt werden kann. Wenn man zu der Meinung kommen konnte, dass das dialektische Denken in der letzten Zeit aus der Mode gekommen sei, so findet man es in diesem Gesetz § 108b (Unerlaubte Eingriffe in technische Schutzmaßnahmen und zur Rechtewahrnehmung erforderliche Informationen) in seiner schönsten Form erneut wieder. Dialektik scheint aber nicht die Stärke der zum Kopierschutz greifenden Plattenfirmen zu sein, sondern eher das Denken in Kurzschlüssen, welches immer dann besonders Konjunktur hat, wenn einem das Wasser bis zum Halse steht.

neue musikzeitung: Originalquelle
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Johann Sebastian Bach: Goldberg-Variationen

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Goldberg-Variationen? Ja. Aber in einer Version für Streichorchester - und zwar einem sehr guten und programatisch Avancierten: dem Ensemble Resonanz, welches in Hamburg ansässig ist. Die haben die Bearbeitung von Dmitry Sitkovetsky nochmals überarbeitet. Heraus gekommen ist eine sehr lebendige und gut klingende Musik, die mit den Mitteln der Instrumentierung eine ganz eigenartige Farbe dem Stück verleiht. Allein, es scheint etwas sehr viel Hall hineingegeben. Gut: Diese Aufnahme macht einem irgendwie nämlich leicht: Man…

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Taktlos 66 – Kulturgeflenne

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Unser schönes deutsches Land befindet sich auf dem Weg in eine wirtschaftliche und kulturelle Rezession. Das sind gute Zeiten für ein Gejammere über diese Zustände, vor allem auch im Bereich der Kultur. Und über was da alles gewehklagt wird: Von der versauten Bildung der Kinder und Jugendlichen, von dem Niedergang der Phonoindustrie wegen des privaten CD-Brennes in Computern und des Tausches von Musikdateien auf illegalen Tauschforen. Es klagt der Musikus auf dem freien Markt über seine Benachteiligung im Rahmen des wohlfahrtsstaatlichen und hochsubventionierten Orchestergrabens. Alles geht offenbar bergab.

Musik: Bach, Goldberg-Variationen T. 16 (wieder aufblenden)

Sprecher: Doch Jammern ist nicht gleich Jammern: Die Phonoindustrie jammert über den Einbruch ihrer Einkünfte und sieht die Ursache dafür überall, nur nicht bei sich selbst. Der Manager eines freien Orchesters dagegen kann sich seine Pfründe nicht sichern, sondern muss gegen die ganzen alten Seilschaften und Krusten des verplanten und verwalteten Kulturlebens ankämpfen. Die einen jammern, weil sich etwas ändert, die andern jammern, weil alles gerne bleiben möchte wie es ist. Die einen benutzen nur Kultur, die andern wollen Kultur herstellen. Letztere haben wirklich Grund zum Jammern und zum Verzweifeln an den versteinerten Verhältnissen, und sie setzen dabei bestenfalls diese Energie in kulturelles Potential um. Das ist beispielsweise der Fall bei einem freien Streichorchester wie dem „Ensemble Resonanz”.

Musik: Bach, Goldberg-Variationen T. 23

Sprecher: Kultur ist keine Funktion von Wirtschaft oder Politik, sondern schlechthin die Bedingung und Grundlage, in auf der Wirtschaft und Politik erst gedeihen können. Kultur ist ferner vor allem Kritik und damit explizit kein Verwaltungsgegenstand oder fixierbarer Wert. Hört also nicht auf die Jammerer aus den Chefetagen der Kulturindustrie und ihr Wehgeklage über den Niedergang der Kultur – sie selbst sind es, die diesen Niedergang produzieren, solange man daran nur mitverdienen kann: Die Krokodilstränen aus dieser Richtung gefrieren schon im Auge. Wo also Menschen nur noch im Schema von Selbstdurchsetzung und Konkurrenz aufgefasst werden, da sind sie eben keine Menschen mehr sondern Kunde, Ware oder Wirtschaftsgut. Und wo es keine Menschen mehr gibt, da gedeiht auch keine Kultur, die sie hält oder die sie selbst wären.

Musik: Bach, Goldberg-Variationen T. 20

taktlos

taktlos ist eine sendung des bayerischen rundfunks und der neuen musikzeitung Text als Real-Audio-File
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[Rez] bernd begemann: rezession, baby!

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Diese Platte ist zwar schon 10 Jahre alt. 1993 erschient diese zauberhafte Ansammlung von schöner Lyrik, die der “elektrische Liedermacher” zusammenstellte. “Hitler - menschlich gesehen” rechnet mit der fernsehtechnischen Vermenschlichung ab, wie sie wohl von einem Knopp praktiziert wird. Musikalisch ist das alles hoch wirksam und sparsam und effektvoll zugleich instrumentiert. Auch Track 18 “der junge, der nie mein onkel wurde” findet einen ganz unkonventionellen Zugang zu deutscher Geschichte. Ebenso Track 10 “liebe und…

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Plan & Spar – oder: Ich fahr Taxi

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Warum Bahnfahren, wenn man Taxi fahren kann? Koppelprobleme, Hitze, keine Durchsagen und das Ende einer Reise Regensburg-Mülheim-Regensburg. Ich dachte ja schon, dass, seit die Deutsche Bahn ihr Preissystem umgestellt hat, alle Züge, die ich benutze, ordentlich ankommen. Und ich wusste nicht, ob ich mich darüber freuen sollte oder nicht. Endlich kommt es also wieder zu Pannen. Auf der Hinfahrt Regensburg-Mülheim (29.5.2003) war es nur ärgerlich. Am Anfang war es nicht einmal ein Problem, jedenfalls…

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1961 – György Ligeti: Atmosphères für großes Orchester

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Sensationen in der LuftUlrich Dibelius, ein wachsamer Begleiter der neuen Musik seit den 50er Jahren erinnert sich an die erste Aufführung von György Ligetis Atmosphères: „Die Uraufführung ... bei den Donaueschinger Musiktagen trug alle Anzeichen des Sensationellen. Denn diesem Grad von ,Destruktion' nach zehn Jahren fleißiger Konstruktion [Dibelius meint damit alle Formen seriellen Komponierens, eines systematischen Umgangs mit Tondauern, Tonhöhe, Tonlagen, Lautstärken usw.] hatte bisher noch keiner zu verwirklichen gewagt.“ Destruktion ist hier uneingeschränkt…

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[Programmhinweis] contrapunkt – popmusik 20.5.2003

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++ Hinweis ++ nächste Sendung ++ contrapunkt ++ westöstlicher dialog Popmusik: Revolte ./. Mode 20.5.2003 Bayern2Radio 20:05 bis 21:30 Live aus dem Bayerischen Bahnhof zu Leipzig Sex, Drugs and Rock'n' Roll: Popkultur ist global. Doch neben dieser Weltkultur haben sich Gesellschaften immer eigene musikalische Nischen eingerichtet. Ob und wie man über sieben Brücken geht, das ist in Ost (Karat) oder West (Peter Maffay) durchaus etwas anderes. Walter Ulbricht konnte am „Yeah, Yeah, Yeah“ nichts…

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Ein Porträt des Leipziger Iturriaga Quartetts

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Unverstellte Annäherung von vorn an unverbrauchte Musik

Zusammengezählt sind sie gerade mal etwas mehr als hundert Jahre alt, die vier Streicher des Iturriaga Quartetts. Damit dürften sie gegenwärtig eines der jüngsten Quartett-Ensembles überhaupt sein. Zum Teil stecken sie sogar im Moment noch im Hochschulprüfungsstress. Seit 1996 spielen sie zusammen und haben sich in kurzer Zeit und trotz gleichzeitigem Studiums zum Quartett mit professionellem Anspruch verbunden – einen Anspruch, den sie auch einzulösen in Lage sind.

Die Gründung des Quartetts verdankt sich wohl dem Zufall, der die Streicher an der Leipziger Hochschule für Musik zusammenführte. Die aus dem Baskenland stammenden Aitzol und Iokine Iturriagagoitia (Violine) hatten schon vorher in Madrid , als sie dort an der Escuela Superior de Reina Sofia studierten, Quartett gespielt und wollten das gern in Leipzig fortsetzen, Rebekka Riedel (Violoncello) hatte auch schon mal Quartett gespielt und dann haben sie Katia Stodtmeier (Viola) gefunden, die aus Berlin kam und in Leipzig studieren wollte. Wenn man erst einmal so viel Freude am Quartettspiel hat, dann heißt das jedoch nicht zwangsläufig, dass man davon leben kann, oder dass man als Musiker auch zusammenpasst. Man wollte jedoch von Beginn an das Quartettspiel auf höchstem Niveau betreiben und es vor allem zu einem musikalischen Lebensmittelpunkt machen. So komisch es klingen mag, gerade die Doppelbelastung durch das Studium erhöhte den Wunsch, sich als Quartett und im Quartett zu engagieren.

Um sich heute als neues Quartett auf dem doch sehr breiten und im Wesentlichen hochqualitativen Markt zu behaupten, muss man allerdings nicht nur gut sein, sondern auch etwas Besonderes beisteuern. Das hat das Iturriaga Quartett geschafft. So widmet sich das Ensemble ganz besonders der Quartettliteratur von verfemten und vergessenen Komponisten des letzten Jahrhunderts. Zum Repertoire gehören da Werke aus der Feder von Philipp Jarnach, Berthold Goldschmidt, Günter Raphael, Ignace Strasfogel. Den Impuls für diesen einen Schwerpunkt der Quartettarbeit hat ihnen einer ihrer Mentoren, Kolja Lessing, gegeben. Das Iturriaga Quartett spielt diese Werke ganz frisch, gerade so, als wären sie erst vor kurzem komponiert worden. Dabei ist die Unbekanntheit der Werke gewiss ein großer Vorteil: Es gibt kaum eine Interpretationsgeschichte – man kann sich diesen Werken unverkrampft von ganz vorne nähern ohne jede historische-eingefahrene Verstellung. Das ist ein ungeheurer Vorzug, den man den Interpretationen des Quartetts auch anhören kann. Die wirken eigen, authentisch und sind voller musikalischer Energie, genauso unverbraucht wie viele der Werke, die sie spielen. Nach nur knapp vier Jahren der Quartett Arbeit während des Studiums haben sie 2000 schon beim Kammermusikwettbewerb der European Broadcasting Union einen ersten Preis gewonnen.

Mittlerweile reicht das Repertoire des Quartetts von Boccherini und Haydn über Schubert, Brahms, Reger und Bartok bis in die aktuelle Quartettliteratur eines Ulrich Leyendecker, Isang Yun oder Toshio Hosokawa. Aber es sind vor allem die Quartett-Raritäten aus den letzten dreihundert Jahren, denen sich das Iturriaga Quartett stellt. Darunter findet sich zum Beispiel genauso Musik des amerikanischen Komponisten George Chadwick oder von Ilse Fromm-Michaels. Mittlerweile haben auch schon einige Komponisten Werke für das Iturriaga Quartett verfasst: darunter Abel Ehrlich, Andrès Maupoint und Aristidis Strongylis.

Der Raritätenschatz, den das Quartett bereit hält, könnte aber gelegentlich auch zu einem Stolperstein werden. Nicht neu dürfte die Erkenntnis sein, dass Konzertveranstalter, mindestens was Programme angeht, nicht zu den risikoreichsten Wesen des Musiklebens gehören. Dafür dürfte der Konzertmacher-Markt jenseits dieses Veranstalter-Karpfenteiches umso dankbarer sein – und auf lange Sicht ist dieses implizite Bekenntnis zu selten gespielten Werken sowieso für dies Festigung des musikalischen Charakters des Iturriaga Quartett ein großer Vorteil. Im Jahr 2001 produzierte man beim Bayerischen und beim Mitteldeutschen Rundfunk Werke von Herbert Fromm, Joseph Haydn und Günter Raphael. Hinzu kommen Auftritte bei zahlreichen Festivals, wo das Quartett gelegentlich mit weiteren Musikern (Heinz Holliger, Martin Spangenberg, Ida Bieler, Maria Kliegel und Ulrich Knörzer) spielt und sich zu Quintett oder Sextett erweitert.

Gleichwohl lässt sich das Iturriaga Quartet nicht einfach in die Ecke eines musikalischen Paradiesvogel-Sammlers stellen. Genauso gewissenhaft studiert man die Zyklen der Streichquartette von Robert Schumann und Felix Mendelssohn-Bartholdy ein, wobei augenscheinlich selbst diese Quartette immer noch ein Schattendasein im Konzertrepertoire fristen.

Da fehlt doch noch etwas? In der Tat, will man das Iturriaga Quartett hören, so geht dies zur Zeit nur, wenn man ins Konzert geht, denn eine CD-Produktion haben sie noch nicht vorzuweisen. Dies soll sich aber noch dieses Jahr ändern. Auf diese Produktion darf man sich gespannt freuen.

Das Iturriaga Quartett läutet möglicherweise tatsächlich eine neue Generation von Streichquartetten ein: im Verständnis, wie sie sich selbst positionieren; in der Weise, wie sich ihr musikalisches Selbstbewusstsein und -verständnis bilden; in der Art, wie sie sich ein Leben als Quartett erfinden. Dabei haben sie indirekt auch von Vorreitern wie beispielsweise dem Vogler-Quartett profitiert, einem Quartett, das gleichermaßen in der aktuellen Musikszene ebenso beheimatet ist wie in der traditionellen Quartettwelt. Aber man muss auch diese Chance, als Quartett in dieser Zeit zu bestehen, wittern können. Das Iturriaga Quartett wird sicher bald noch deutlicher zu vernehmen sein und man darf schon jetzt dankbar sein für alle Schätze, die dieses Quartett noch heben wird.

Martin Hufner

Kontakt: Rebekka Riedel, Waldstraße 45, 04105 Leipzig, Tel. 0341-4014547, Email: iturriaga_quartett@freenet.de
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