Kalibrierung der Gesellschaft – Wiedervorlage

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Man kann seinen Monitor mit einigen Mitteln kalibrieren. Dazu nimmt man wohl am besten ein System, welches einen Sensor hat, der die Farben prüft. Rot ist dann Rot, Grün Grün, Blau Blau und Grau Grau. Was das Kalibrieren nicht bringt, ist, ob das was auf dem Bildschirm an Bildern sich zeigt, ein gutes Bild ist. Es ist nur ein technisches Mittel, ein quantitatives Mittel, kein qualitatives. Das weiß jeder, der dieses Mittel nutzt, oder er sollte es wissen. Das Kalibrierungssystem macht keine…

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Hausmeister einer Kunsthochschule 2007 – Eine Begegnung

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Es war im Jahr 2007, ich war verabredet zum Gespräch mit Holger Schulze. Das ging erst schief, dann aber klappte es vorzüglich. Mir fällt da gerade beim Aufräumen der "Kritischen Masse" ein Blogeintrag in die Hände, der deutlich macht: Die Personen, die heute rechtspopulistische Parteien wählen, die gab es damals auch. Natürlich gab es die, aber es gab keine Partei, die ihr Weltbild abbilden hätte können. Die gleichen Töne findet man heute genau so. Die Pointe ist aber auch die gleiche: Eine…

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Frühe Amerika-Kritik bei Tocqueville

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Alexis de Tocqueville hat mit seinen Schriften "Über die Demokratie in Amerika" eine erste große Schrift der Neuzeit mit soziologischem und politikwissenschaftlichem Anspruch geschaffen. So wie Engels 1845 den englischen Slums nachspürte und die sie umgebenden gesellschaftlichen Ketten bezeichnete ohne zugleich "die" Theorie daraus zu entwickeln, hat Alexis de Tocqueville die 1830/40 mit der amerikanischen Gesellschaft gemacht. Von Kennern der Materie wird dieser Text als geradezu prophetisch gelobt. Aber die Stärke liegt in der Beschreibungsgenauigkeit, die eigene Wertungen weitgehend ausspart. Amerika liegt…

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1845 – Engels in England

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“Bei Gelegenheit einer Totenschau, die Herr Carter, Coroner für Surrey, über die Leiche der 45jährigen Ann Galway am 14. November 1843 abhielt, erzählen die Journale folgendes von der Wohnung der Verstorbenen: Sie hatte in Nr. 3, White Lion Court, Bermondsey Street, London, mit ihrem Mann und ihrem 19jährigen Sohne in einem kleinen Zimmer gewohnt, worin sich weder Bettstelle oder Bettzeug noch sonstige Möbel befanden. Sie lag tot neben ihrem Sohn auf einem Haufen Federn, die über ihren fast nackten Körper gestreut waren,…

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Max Weber: „Leidenschaft — Verantwortungsgefühl — Augenmaß“

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Ein Ratschlag: "Man kann sagen, daß drei Qualitäten vornehmlich entscheidend sind für den Politiker: Leidenschaft — Verantwortungsgefühl — Augenmaß. (…) Einen ganz trivialen, allzu menschlichen Feind hat daher der Politiker täglich und stündlich zu überwinden: die ganz gemeine Eitelkeit, die Todfeindin aller sachlichen Hingabe und aller Distanz, in diesem Fall: der Distanz, sich selbst gegenüber. (…) Der bloße „Machtpolitiker“, wie ihn ein auch bei uns eifrig betriebener Kult zu verklären sucht, mag stark wirken, aber er wirkt in der Tat ins Leere…

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Toleranz

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die. Ich war vielleicht nicht immer gegen Toleranz, aber schon seit vielen Jahren. Denn Toleranz ist ein Zeichen für Respektlosigkeit. Man toleriert sich zu Tode. Dagegen war ich immer für Diskussion mit Argumenten. „Toleranz ist tot“ – der Begriff ist leer. Es kommt drauf an, was man zu sagen hat, nicht auf das, hinter welchen Werten man sich verschanzt, um dann tolerant in der eigenen Burg zu wüten. Einvernehmliche Soziophobie. Aus der Enzyklopädie der Kritischen Masse (2015)

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Schönwetterforschung und Utopievernichtung

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Im Kern muss man konstatieren, dass die Zukunfts- und Trendforscher die größten Reaktionäre im Forschungssektor zusammen mit den Demoskopen sind: Gesellschaftlich anerkannte Utopievernichter. So drückt die Zukunft einen immer weiter rückwärts, auch in Richtung Passivität und Gestaltungsunfähigkeit. Erschien zuerst Mai 2008 in der Kritischen Masse

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Wittgenstein und Kierkegaard

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99 Jahre Erkenntnisdifferenz. Wittgenstein (1942): „Ein Mensch ist in einem Zimmer gefangen, wenn die Tür unversperrt ist, sich nach innen öffnet; er aber nicht auf die Idee kommt, sie zu ziehen, statt gegen sie zu drücken.“ Kierkegaard (1843): „Ach, die Tür des Glücks geht nicht nach innen, so dass man auf dieselbe losstürmen und sie aufdrücken könnte. Sie geht nach außen; man kann also nichts dabei machen.“ Der eine will aus dem Zimmer heraus, der andere hinein; der eine ist gefangen darin, dem anderen…

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Eichung von Musik bringt den Staat in Ordnung [nach Curt Sachs]

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Chinesische Kaiser begannen ihre Herrschaft mit dem Befehl, der Minister habe die Musik wieder in Einklang mit dem Weltall zu bringen. Heute würden wir es trocken nennen: die Stimmgabel neu zu eichen. Was sollte mit dieser Neuabstimmung erreicht werden? Die alten Weisen des Reiches der Mitte sprechen es deutlich aus: Staat und Musik sind, wie der Mathematiker sagen würde, funktionell verknüpft. Ist die Musik in Unordnung, muß es auch der Staat sein." Nachtrag 2018: Curt Sachs sah es so. Erstaunlich dabei, dass…

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Früher war es nicht anders: Komponistinnen-Sponsoring im 19. Jahrhundert

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Ich sage mal nicht, wo ich das gefunden habe. Ein Pollenflug war schuld daran, dass ich es überhaupt fand. Okay, steht in der Bildunterzeile. Was wäre uns für eine fantastische Oper entgangen, hätte nicht die Brose Unternehmensgruppe die Oper von Dvorak unterstützt. Aber es ist doch wirklich ein Jammer, mit welchen Methoden plötzlich Dinge verbunden werden. Dabei wüsste man gerne mehr, wie denn die großzügige Unterstützung ausgesehen haben mag. Erinnern wir uns doch ganz einfach auch daran, beziehungsweise vergessen wir nie, dass…

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