Enzyklopädie der Neuen Musik: Der “allgemein verständliche Stil”

Barbara Boisits, habilitierte Musikwissenschaftlerin aus Österreich, prägte den Begriff des “allgemein verständlichen Stils” als Stilbegriff innerhalb der Neuen Musik anlässlich eines Artikels in der “oeml”, dem “grundlegende[n] Nachschlagewerk zu Musik und Musikleben in Österreich”, das “sich an die wissenschaftliche Fachwelt ebenso wie an interessierte Laien” richtet.

“W. (…) strebte einen allgemein verständlichen Stil an, um so mit seiner Musik auch eine gesellschaftliche Funktion erfüllen zu können.” Barbara Boisits, Art. „Wimberger, Gerhard‟, in: Oesterreichisches Musiklexikon online, Zugriff: 21.7.2017 (http://www.musiklexikon.ac.at/ml/musik_W/Wimberger_Gerhard.xml).

Nötig wird ein allgemein verständlicher Stil, um auch eine gesellschaftliche Funktion zu erfüllen. Das kann man vom allgemein unverständlichen Stil nicht gerade sagen. Dieser verneint daher auch eine gesellschaftliche Funktion zu erfüllen.

Allgemein verständlicher Stil. Foto: Hufner
Allgemein verständlicher Stil. Foto: Hufner

Beispiele für einen allgemein verständlichen Stil findet man zum Beispiel bei marketing börse: Online-Pressemitteilungen: Der richtige Schreibstil. Wie zum Beispiel bei folgendem Vorschlag:

“Lange zusammengesetzte Wörter wie „Nummernschildbedruckungsmaschine“ sind für die Lesbarkeit im Internet nicht geeignet. Besser sind zerlegte Wörter wie „Bedruckungsmaschine für Nummernschilder“.”

Statt Online-Pressemitteilung besser: “Mitteilung für die Presse (Online)”. Das heißt, wenn mann schon also Wörter wie “Nummernschildbedruckungsmaschine” verwendet, dann nur dann, wenn man zeigen möchte, wie man sie nicht verwenden sollte.

Man kann mit einem gewissen Recht also sagen, der allgemein verständliche Stil in der Musik ist einer musikalischen Mitteilung für/an die Presse ähnlich. Kein Zufall vielleicht, dass der Komponist W. Heiratspostkantaten in Noten gesetzt hat. Und gar nicht mal unsympathisch.

Das ist beides allgemein verständlicher Stil im besten Sinne und hat auch eine gesellschaftliche Funktion. Vielleicht wäre diese jedoch noch größer, wenn noch allgemein verständlicher geschrieben worden wäre. Ein bisschen schlüpfrig der Chorsatz im Detail dann leider doch.

Ein gutes Beispiel ist auch die folgende Nummer. Die sog. Europahymne.

Total unverständlicher Stil, da muss man sich schon sehr konzentrieren, will man dem musikalischen Vortrag folgen. Man kann die Dinge auch einfach in die richtige Form bringen – und zack – wird ein Schuh draus. Gesellschaftliche Funktion: CHECK.

kritische masse newsletter

Wir senden keinen Spam! Erfahre mehr in unserer Datenschutzerklärung.

der huflaikhan

Betreiber der Kritischen Masse seit 1995. Seit 2023 Wiederaufnahme. Promotion mit einer Arbeit über Adornos kompositorische und theoretische Auseinandersetzung mit der Zwölftontechnik. Arbeit für den Bayerischen und den Mitteldeutschen Rundfunk als freier Autor und Regisseur – zumindest bis Ende 2015. Online-Redaktion für neue musikzeitung, Jazzzeitung und Oper & Tanz. Unglücklich, aber fast taub.