«Wer hören will, der hört auch aus der Ferne.
Wer nicht hören will, der hört auch aus der Nähe nicht.» (Juan Allende-Blin)

Unfug mit dem OPUS MUSIKunRAT

Der Deutsche Musikrat bekommt von mir den OPUS KLASSIK in der Kategorie: Unfug vom Feinsten. Nicht allein für seine Präsenz in den Sozialen Medien mit ihrer Selfie-Seligkeit (siehe nmz 2/2026), sondern für seinen Aktivismus in Schönfärberei ohne Sinn und Verstand. Warum?

In einer Pressemeldung vom 3.2.2026 gibt er seine Kooperation mit dem wichtigsten Musikpreis ever, dem OPUS Klassik, bekannt. Er lässt den Erregungspreis um den „Musiklehrer:in des Jahres“ (ich habe das korrigiert, zuvor stand hier „Musikpädagog:in“) erweitern. Die gute Absicht dahinter. Statt nur Industriekunstpreise zu verleihen im Rahmen einer populistischen Fernsehsendung, will man irgendwen würdigen, der/die – ach lesen Sie selbst:

„Mit der neuen Sonderkategorie des Musikpreises OPUS KLASSIK wird 2026 eine Musikpädagogin oder ein Musikpädagoge aus Schule, Musikschule oder dem freien Feld ausgezeichnet, die oder der in besonderer Weise zur Zukunftsfähigkeit Musikalischer Bildung beiträgt. Gewürdigt werden soll eine Lehrkraft, die Lernprozesse individuell, kreativ und nachhaltig gestaltet, neue Formen künstlerischer Vermittlung erprobt und als Impulsgeber:in ein Vorbild für eine neue Generation von Pädagog:innen darstellt.“

Also eine von Tausenden, von denen mindestens Hunderte eine großartige Arbeit machen, aber darin eben dieses Unikat von Pädagog:in (Lehrer:in), die dazu als „Vorbild für eine neue Generation von Pädagog:innen“ darstellt.

Diese neue Generation kennen wir selbstredend noch nicht, denn die ist ja ein Ergebnis der Zukunft, aber die fachkundige Jury des OPUS Klassik wird sie schon kennen. Sie war ja auch in der Vergangenheit gut beraten, wenn man vor einiger Zeit auch Hanns Eisler als lebenden Komponisten auf die Auswahlliste der möglichen Preisträger:innen setzte.

Dass man sich für den ganzen Humbug den Industriepreis der Musikindustrie-Majors ausgesucht hat, ist kein Zufall. Denn Show geht vor Arbeit.

Die Meldung macht kein Hehl aus dem Ansinnen:

„Der OPUS KLASSIK ist der wichtigste deutsche Preis für klassische Musik in Deutschland und wird von der Gesellschaft zur Förderung der Klassischen Musik gemeinnützige GmbH ausgerichtet.“

Damit dürfte auch das Feld der angesprochenen Musikszene exakt umrissen sein. Die KLASSIK-Industrie. Irgendwo zwischen Rolando Bonbon und Lautten Kumpelei. Irgendwas eben.

Der Nachweis der Qualifikation für diesen Preis ist auf folgende Weise zu führen:

„Die Qualifikation ist mit der Einreichung schriftlich zu begründen (max. 3.300 Zeichen inkl. Leerzeichen) und kann durch Videomaterial (max. 3 Minuten) oder Pressematerial/Berichterstattung gestützt werden.“

Immerhin ist die sonst zu entrichtende Bearbeitungsgebühr von 60 EUR nicht zu entrichten.

Man hätte natürlich – etwas passender – auch die „didacta“ als Messe für Bildung in Köln im März wählen können. Aber da wäre es ja auch um Inhalte gegangen im Rahmen eines gesamten bildungswirtschaftlichen Zusammenhangs. Und da wäre die Altzopfigkeit des Ansinnens des Deutschen Musikrates vielleicht ein wenig unangenehm aufgefallen.

Öffentlich-rechtlicher Unfug

Doch egal. Jetzt gibt es Sekt, Selters und Sumpf im repräsentativen Rahmen eines Medienmurks, bei dem das kulturell auch schon abgeschlumpfte ZDF seinen Kulturauftrag industriekonform unter Beweis stellen kann.

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