22. Februar 2024 Die Masse lebt

Die öffentliche Hand, die Mittagspause, das Engagement

Warum wirft man nicht eine Idee einfach weg, wenn man erkennt, dass sie nicht taugt und nur für diejenigen hilfreich ist, die schnell mal eben noch was abernten an Kohle. Gemeint ist der Kulturpass für 18-Jährige, denn Claudia Roth initiiert hatte und der nach meiner Analyse ein ziemlicher Flop ist. Dessen Etat, steht in der nmz, wird jetzt halbiert. Statt 200 Euro sollen nur noch 100 Euro zur Verfügung stehen. Und die Titelzeile der dpa dazu: Kulturpass-Betrag wird halbiert – Roth sieht «große Kraftanstrengung».

Auch in diesem Jahr werden rund 750.000 jungen Menschen, die 2006 geboren wurden, 18 Jahre alt. Roth verwies auf die angespannte Finanzsituation. «Die Fortführung des Kulturpasses für nun alle 2006 Geborenen war für alle Beteiligten angesichts der allgemeinen Haushaltslage eine große Kraftanstrengung.» Deswegen werde das Budget für den Jahrgang 2006 nun 100 Euro betragen.

Man könnte freilich auch Sinn und Funktion einfach evaluieren, um dann zu sehen, dass man mit 100 Euro nämlich genau wohin kommt. Das ist keine Investition in Kunst und Kultur. Eigentlich gehört es in den Bereich ihres Kollegen Habeck, als Form von Wirtschaftsförderung. Aber so ist das: Misstrauen in die Jugend führt zum Aufbau unsinniger Kontrollinstanzen. Die dann auf der Anbieterseite zudem auch dazu führen kann, dass damit Verlage aus der rechtsextremen oder -radikalen Ecke quergefördert werden. Niemand kontrolliert das. Es ist absurd.

Genauso absurd wie die Meldung, dass Straßenmusiker in Dresden Mittagspause machen sollen (nmz/dpa). „Nach einer am Montag vorgestellten Vorlage für die Gremien des Stadtrates sollen Musikanten künftig zwischen 13 und 15 Uhr pausieren. Ausgenommen davon sind die Süd- und Nordseite der Augustusbrücke.“ Zumindest die Wikipedia sieht den Zeitraum für eine Mittagspause in Deutschland etwas anders.

Mittagspause ist die Bezeichnung für eine meist unbezahlte Unterbrechung der Arbeitszeit. Sie wird üblicherweise im Einvernehmen zwischen Arbeitgeber und -nehmer zeitlich festgelegt. In Deutschland liegt sie zumeist in der Zeit von 11:30 bis 13:30 Uhr, in Spanien oder Italien zwischen 13 und 17 Uhr. (Wikipedia, 24.1.2024)

Ich finde, die Stadt Dresden sollte dann aber auch die Mittagspause finanzieren und entsprechende Angebote bereithalten. Vielleicht ein Besuch in der Kantine des Rathauses? Wie sieht es übrigens aus mit Ansprüchen in Sachen Urlaub. Sollte man da nicht auch eine geeignete Regelung finden? In Dresden hat man Probleme, ganz sicher aber ist das mit “Musikanten”, die zwischen 13 und 15 Uhr die Stadt terrorisieren, ein superduperperiphäres. Immerhin hat Dresden die Straßenkunst-App.

Kaum hat Hessen einen neuen Kulturminister, schon ist er weg, der Intendant des Staatstheaters Wiesbaden. Wurde auch Zeit und man fragt sich, wieso es so lange nicht ging. Bedenklich ist, dass nicht kommuniziert wird, wie das so plötzlich ging. Es heißt:

„Über die Bedingungen der Vertragsauflösung wurde den Angaben zufolge Stillschweigen verabredet.“ (nmz/dpa)

Wir wollen noch mal behaupten, es geht um Steuergelder, die hier ausgegeben oder nicht ausgegeben werden. Das ist etwas, worüber man Rechenschaft ablegen sollte. Die öffentliche Hand füttert nicht nach Gutsherr:innenart oder in Geheimtreffen. Oder macht man das doch mit so einer Art Portokasse? Aus der Zigarrenkiste?


Und sonst so:


Gestern im Radio WDR3: Alles so schön braun hier – immer noch!

Die neue Ausgabe der Zeitschrift Testcard widmet sich dem Phänomen des Rechtspop. Gemeint ist dabei nicht bloß Pop-Musik, sondern u.a. auch Memes, Hashtags und Ästhetiken im Social Web. Was ist so Pop an rechts? Und welche Musik spielt dagegen an? (Mehr dazu)

Heute in der Hörbar der nmz (2024): Debacker/Javaid – Convolution

Debacker / Javaid – Convolution

Vor drei Jahren (2001): Eine Wutrede

Darf ich wohl meine Verwunderung darüber äußern, mit welcher Vehemenz über Schulöffnungen diskutiert wird und darüber, welche Bildungslücken durch Schließungen entstehen? Die ganzen letzten 40 Jahre hat sich kaum jemand für sinnvollen Schulstoffe und -reformen interessiert. Das wurde geschoben wie es gerade passte (MSA, G8, etc.). Es wurden die Schulen großflächig in marode bauliche Zustände überführt. Und jetzt wird Schule als Zentrum der Erziehung definiert, wo es doch gerade nur um Bildung geht. Wie behämmert ist denn das. Einen Scheißdreck wird das wen interessieren, wenn denn irgendwann einmal wieder alles in normalen Bahnen läuft, nämlich in der andauernden Verfestigung des Schlechten. Auch jetzt interessiert sich doch niemand für Bildung und Erziehung, sondern nur für Abwicklung von Menschen in meistenteils schlecht ausgestatteten Ausbildungsmaschinen mit zudem vollkommen neoliberal bekloppten Lehrplänen bei denen es am Ende nur darum geht irgendeine Bewertung zu erhalten. Möglichst vergleichbare Abschlussnoten angeblich in Lebensläufen, die nie vergleichbar waren. Das ist doch kaputt. (Facebook)

Vor vier Jahren (2020): Alte Münz

Kaputt schon bevor gebaut und bezogen: Die Alte Münze in Berlin. Ein Haus für musikalische Zwietracht und pater- und maternalistisches Gebrumme. Wer kann das Unheil heilen? (JazzZeitung)

Mit alter Münz‘ bin ich Dein Prinz, oder: Da House of Stress in Berlin

Vor zehn Jahren (2014): Haushalzheimer

Ich habe eine neue Krankheit entdeckt: Haushalzheimer – Tisch wird nicht abgeräumt, Licht angelassen, Spülung vergessen, Lebensmittel nicht nachgekauft, Wäsche in der Waschmaschine gelassen, Türe gegen Zug und Kälte nicht geschlossen. Kartons und Papier nicht entsorgt … Hartes Leben. (Facebook)

Vor vierzehn Jahren (2010): Foodblogger

Foodblogger früher.
Foodblogger früher.

 

 

kritische masse newsletter

Wir senden keinen Spam! Erfahre mehr in unserer Datenschutzerklärung.