Kulturverluste: Doblinger in Wien, JazzRadio in Berlin

Das Musikhaus Doblinger in Wien soll und wird wohl seinen Standort in der Dorotheergasse verlieren, das schreibt die Kronen-Zeitung.

Das Musikhaus verfügt aktuell über einen Lagerbestand von 430.000 Artikeln, ein Umzug würde mit Kosten von rund 300.000 Euro die Möglichkeiten des Betriebs deutlich übersteigen. Dennoch versucht man aktuell, händeringend einen neuen Standort sowie Unterstützer für den Neustart zu finden. Denn selbst bei einem juristisch positiven Ausgang fürchtet man weitere Repressalien am bestehenden Standort.

Ich kenne den Laden noch aus meiner Jugendzeit, habe mir dort die Studienpartitur zur 8. Symphonie von Gustav Mahler erworben. (Zwei Mal war ich mit meinen Eltern dort im Sommer in Wien, wir waren in einer fremden Wohnung einquartiert und das für zwei Wochen?). Hochsommer war das. Ich habe dort auch Kühlung bekommen, wie im Auktionshaus nebenan, wo ich bei den Auktionen gerne dabeisaß. Zeiten …

Doblinger ist ja dieses Jahr erst an Wise Music Ltd übergegangen. Aber es war eben die Adresse für Musik(-Noten) im 1. Bezirk. Hoffentlich bleibt es das trotzdem noch.

Jazzradio Berlin verliert endgültig seine Lizenz auf UKW gegen pure FM. Das meldet die neue musikzeitung in ihrem Nachrichtenstream.

Daran gemessen sei es nicht zu beanstanden, dass diese dem auf elektronische Musik und insbesondere auch die Berliner Musik- und Clubszene ausgerichteten Sender den Vorzug gegeben habe in Erwartung eines größeren Beitrags zur programmlichen Vielfalt, hieß es vom Gericht. Der Beschluss ist unanfechtbar.

Das ist so eigenartig und absurd, weil nach meiner Kenntnis gerade im Bereich von Berliner Musik- und Clubszene das UKW-Band und das von DAB+ voll ist. Irre ich dabei? Dem Jazz dagegen, geht es bekanntermaßen im Radio gar nicht gut, auch in Berlin nicht. Allerdings gibt es ab 1. Januar jazz fm (Zitat: „Fühl den besten Jazz, Soul und Blues“), meldet die medienanstalt berlin/brandenburg.

Das Programm jazz fm wird eine Palette von Jazzstilen sowie redaktionelle Beiträge rund um das Thema Jazz anbieten. Auch Zielgruppen, die bisher nicht mit dem Genre in Berührung gekommen sind, sollen mit dem Programm angesprochen werden. Die übergangsweise dreimonatige Aufschaltung auf die Frequenz 106,8 MHz soll den Übergang für die Zielgruppe erleichtern, bevor das Programm dauerhaft auf die Frequenzen Berlin 91,0 MHz und Potsdam 90,7 MHz wechselt.

Warum aber deshalb ein Sender, der seit 30 Jahren auf Welle ist, dafür gehen muss, ist mir komplett schleierhaft.

Schön ist es dagegen, dass dann ByteFM auch in Berlin auf UKW zu empfangen ist. Wenn man UKW dagegen, wie offenbar in der Schweiz, als Verbreitungsmöglichkeit ausschließt, verengt sich der HörRaum ungut. Opfer davon ist auch die Sendung „Musik unserer Zeit“, die Ende des Jahres fortfällt.

Dafür macht die GEMA einen Schritt nach vorn. Wir gratulieren der Musikkneipe des Jahres: „Töpfla – Die Kultkneipe“ aus Höchstadt an der Aisch! Die GEMA so:

Ihr zeigt, was es heißt, Musik zu leben: laut, ehrlich und mitten im Leben. Bei euch trifft sich die Szene, hier entstehen Erinnerungen, hier pulsiert Kultur. Eure Leidenschaft für Live-Musik, euer unverwechselbarer Charme und die echte Kneipen-Atmosphäre haben euch an die Spitze gebracht.

Danke, dass ihr Musik sichtbar macht und Menschen zusammenbringt. 

Jetzt. Gefühlt Wochenende. Isses aber noch nicht …

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