Es wird einfach zu wenig Politik auf der Ebene des Bundes gemacht. Wir haben aktuell das Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW), das Bündnis Wolfgang Kubicki (BWK), das Bündnis Heidi Reichinnek (BHR), das Bündnis Weidel Chrupalla (BWC), das Bündnis Bas Klingbeil (BBK), das Bündnis Friedrich Merz (BFM), das Bündnis Markus Söder (BMS) und dann eben noch die einzige Partei in der Landschaft: die GRÜNEN/Bündnis 90.
Man versammelt sich eher hinter Personen, statt hinter Positionen. Die Medien spiegeln und befördern das. Dabei stimmt das mit den Personen ja auch nicht so ganz, solange es unterstellt, dass diese für sich sprächen – das tun sie nicht. Sie tun es aber nicht, weil sie sich an politischen Programmen orientieren, sondern weil sie als Sprachrohre machtvoller Ideologien agieren.
Das alles wäre nur halb so schlimm, wenn sie auf eine Wähler:innenschaft träfen, die das unter einem Lachanfall beiseitewischen würde. In der Rezension von Robert Misiks Essay „Erziehung zur Grausamkeit“ schreibt Peter Kern auf Textor Online mit Blick vor allem in Richtung Bündnis Weidel Chrupalla:
Es ist der Verdienst des Textes, dass er verdeutlicht, warum rationale Argumentation kein Mittel abgibt, um den von Hassreden Vergifteten beizukommen. Die Demagogen betreiben, was man einmal umgekehrte Psychoanalyse nannte. Sie verstärken die destruktiven Triebkräfte, statt sie durch Bewusstmachen zu beschwichtigen. Herr Chrupalla im Sommerinterview: Seine Wahrnehmung eines durchschnittlichen mitteleuropäischen Sommers hält keiner Realitätsprüfung stand, was aber seine Wähler nicht abschrecken dürfte. Das Herumtrappeln auf der Wahrheit, „sie auf den Kopf zu stellen, die Regeln der Logik zu mißachten, sie zu zerstören, demütigen, zerstückeln, – gerade das zieht an“, schrieb einmal Max Horkheimer. Was der Logik angetan werde, blühe bald den ausgegrenzten Menschen; das sei das heimliche Versprechen. Mit dem Stichwort Remigration klingt es an.
(…) Die Geschäftemacher in Sachen Hass sprechen das Unbewusste der Verführbaren an. Da genügt es nicht, mit der Überzeugungskraft des vernünftigen Arguments gegenzuhalten. Alice Weidels Forderung nach einem Zurück zur guten alten Mark ist nach Maßgabe volkswirtschaftlicher Vernunft purer Unsinn, ebenso das Zurück zum deutschen Diesel. Aber auf Zustimmung trifft nicht das Argument, sondern der Gestus des rebellischen Nonkonformismus, mit dem das Pseudoargument vorgetragen wird.
Nur, wie kommt man da an die noch ran, die diesem Unsinn und Hass nachlaufen? Wahrscheinlich eben auch nur mit Personen, die aber vernünftige Politik vertreten. Die Talente in der Richtung sind rar gesät. Die andere Hoffnung, dass man aus Erfahrung lerne, funktioniert leider nicht gut, denn dazu bedürfte es der Fähigkeit, überhaupt Erfahrungen machen zu können, was derartig psychologisch zugerichteten Menschen kaum möglich ist.
Durch Schaden wird man klug,
Sagen die klugen Leute.
Schaden litt ich genug,
Doch bin ich ein Tor noch heute.
Rückert, Gedichte. Pantheon, Erstdruck 1843. Fünftes Bruchstück. Zahme Xenien. Vierzeilen
Was also bleibt einem da noch zu hoffen. Dass es einen Weg aus der Situation herausegben müsse, weil es ja auch einen hineingegeben hat? Ich bin da skeptisch.