Lässige Posaune
Am Tag der offenen Tür. Band im Regen. Frühes Ende.
Am Tag der offenen Tür. Band im Regen. Frühes Ende.
Der goldene September bringt ein altes Fotoarchiv zurück. Die erste Digitalkamera, eine Casio, machte gar nicht schlechte Aufnahmen, im Gegensatz zu dem Aufnehmenden. 1/8-Sekunde bei Blende 2.0 - da kann so manche Kamera von heute noch einpacken. Mit 1.600 Mark war sie nicht wirklich billig, aber besser als die des Konditors. Zu sehen Jens Thomas anläßlich der Geburtstagsfeier der Jazzzeitung anno 2001.
Wie die Plattenfirma act bekanntgab, ist der Pianist Esbjörn Svensson am 14. Juni bei einem Tauchunfall tödlich verunglückt. Vor gut fünf Jahren hatte ich einmal vergnügt eine CD besprochen. Die aktuelle, erst am 26. September erscheinende, die mithin letzte, liegt im Player. In der aktuellen Jazzzeitung werden Noten (songbook vol. I) von e.s.t. rezensiert.
Watching smoke rise,cloud in my eyes I see your face, forming out of the blue Sad and lonely all on my own With smoke dreams of you In reverie, sweet memory Takes me again to the days that we knew We were happy, now Im alone With smoke dreams of you In the twilight gloom, of my silent room I light a cigarette, First the glow is warm and the ashes fall Just like…
Das sind Energiestöße, wie man sie lange nicht mehr gehört hat. Drei Klangmeister an den Saxophonen und Klarinetten. Energiestöße, reine Tonaktivität, kaum gebändigt durch Organisationsströme. Peter Brötzmann, Mats Gustafsson und Ken Vandermark veranstalten hier ein Klang-, Ton-, Geräuschgewitter, das donnert, knistert, schäumt, strömt, dunkelt, erhellt. Immer wieder ist es von höchster Erstaunlichkeit, wie hier Krach in musikalisch kinetische Energie umgewandelt wird – und umgekehrt. „Straight Into The Light“, gleich die erste Nummer der knapp…
„Punkt“ sind Jan Bang und Erik Honoré, verstärkt durch Sidsel Endresen, David Sylvian, Nils Petter Molvær, Arve Henriksen, Audun Kleive, Eivind Aarset und Origami Ios. „Punkt“ produziert mit allen Mitteln der elektronischen Daten- und Musikverarbeitung. Herausgekommen ist dabei eine Art abgesägte Clubbing-Moderne: Punkt! Musik, die sich an durchaus gängigen Stilmitteln der so zu nennenden Popelektronik anlehnt, diese gleichwohl durchmischt mit einer rhythmischen Anspruchsleistung, wie sie sich im besten Jazz orten lässt.
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Es war heiß. Ganz Regensburg tönte. Und es gab das famose radio.string quartet aus Wien mit Mahavishnu gewissermaßen reloaded.Aber danach stand nichts unter einem guten Stern. Kaum hier, gleich wieder weg. Es ist furchtbar. Eigentlich müsste ich mir einen hinter die Binde kippen. Sofort. Aber es hülfe nichts. Bald wieder.
Liegt bei mir seit Wochen rum. Nett gemacht das Rezensionsexmplar, handbeschriftet und vom Cover eine nette Schwarz/Weiß-Fotokopie. Dazu dann einige ebenso eilig mitgelieferten Waschzettel, die natürlich auch das „legendäre“ Konzert, vier Tage nach dem 9.11.2001 in Boston, zum Gegenstand haben. Und die Musik ist furchtbar, wenn man sie von Anfang an hört. Der 75-jährige Sonny Rollins kommt nicht ins Spiel, klingt wie ein fader alter Mann, der alles vergessen hat, was er mal musizierte.…
Knackig.
Der Bassist und Musikpolitiker Charlie Haden meldet sich erneut mit Musik zurück, deren Ort im Heute liegt, deren Idee lange in seine Biographie zurückweist. „Not in our name“ heißt die Platte mit dem Liberation Music Orchestra, welches nun in komplett neuer Mixtur antritt. Arrangiert für das Ensemble hat die Musik die gute alte Carla Bley. Als musikalische Grundsubstanz liegen zugrunde alte Klassiker der amerikanisch patriotischen Musik wie „This is not america“ von Pat Metheny oder „Amazing Graze“ oder „America the beautiful“ (ein Medley), oder das „Goin’ Home“ (Versatz aus Dvoraks sogenannter Sinfonie aus der Neuen Welt) oder auch Samuel Barbers „Adagio“. Eine recht sonderbare aber nachvollziehbare Mischung. So ganz richtig gut ist die Platte leider nicht. Von Carla Bley kennt man eine durchaus aufregendere Art und Weise des Arrangierens. Dennoch erhalten die Stücke in dieser Platte einen eigenartig unsentimentalen Ton, was ja bei Amazing Grace oder dem Adagio Barbers nicht ganz einfach ist, will man nicht nur zerstörerisch an die Sache gehen oder nur emphatisch — amerikanisch-unamerikanisch.
„Ich wollte dadurch klarmachen, daß man, bloß weil man nicht mit allem einverstanden ist, was diese Regierung unternimmt, noch lange nicht unpatriotisch ist.“
wird Haden im JazzEcho zitiert. Die Amerikaner haben sozusagen eine lange und durchgehende „Wir-sind-Deutschland(Amis)“-Kampagne quasi als Staatsreligion.
Etwas überracht bin ich insofern, als Hadens „Not in our name“ nur sekundär mit der gleichnamigen Initiative in den USA zu tun hat. Im JazzEcho steht dagegen:
„Bei Spaziergängen in Italien und Spanien fielen mir auf den Balkonen zahlreicher Apartmenthäuser diese Spruchbänder auf, auf denen in Englisch geschrieben stand: ‘Not In Our Name!’“, erinnert sich Haden. „Das war das erste Mal, daß ich diesem Slogan begegnete, und es beeindruckte mich, daß die Leute, die in diesen Apartments wohnten, ihre Meinung so kundtaten.“
Manchmal funktioniert Kommunikation unterirdisch. Ein erstes Bild kann man sich machen auf der Vorhörseite des „JazzEcho“. Zum Vorhören: JazzEcho. Aber immerhin gut, dass es so etwas auch im Jazz gibt — und gerade im Jazz.