22. Februar 2024 Die Masse lebt

Die sozialen Medien / Störungen der KI / Der Spaß und die Leidenschaft

Es wäre auf der Welt vielleicht schon gleich friedlicher, wenn alle diese „sozialen Medien“ verlassen würden. Heute nur Scherereien gehabt deshalb. Mimosen und Honks und Trolls. Betreibt Eure eigene sozialen Medien. Schreibt in eigene Blogs, nutzt von mir aus diese Medien hier zum Austausch, aber nicht zum (Umsich-)Schlagen. Ach, macht doch was ihr wollt …

… ihr macht doch sowieso, was ihr wollt. Und das ist auch ein bisschen gut so, als Sachen zu machen, die andere wollen (und damit meine ich vor allem die Betreiber dieser Plattformen).


Zur Sache: Gestern wieder eine Diskussion zum Thema „… und KI“ verfolgt mit recht klugen Beiträgen zur Situation im Musikjournalismus. Erschreckend dann aber doch, wie blindvertrauend man ist gegenüber den Ergebnissen von KI-Äußerungen, die sich dann teilweise durch andere KIs kontrollieren lassen und bei Problemen wieder die Menschen herangezogen werden, um die Probleme auszubügeln. Aber kein Wort dazu, woher die Daten dieser KIs stammen, auf welchen Wissensschatz diese überhaupt zugreift. Denn die KI verarbeitet nur, was sie kennt. Darin ist sie der Wikipedia ähnlich oder anderen Lexika. Das mag viel sein mittlerweile, aber nicht die Masse macht die Klasse. Quantität schlägt nicht um in Qualität.

Abschweifend dazu: Ist eigentlich schon einmal auch das gegenteilige Phänomen aufgefallen, dass das Wissen mit der Zeit nicht nur zunimmt, sondern umgekehrt auch weniger wird. Die ganze Musikgeschichte ist voll von zunehmenden Lücken, auch wenn sie an anderer Stelle weiter gefüllt werden. Oder probieren Sie mal etwas zur Geschichte von „Sybaris“ in Erfahrung zu bringen. Komischerweise sind die Lexikon-Artikel umfangreicher, je weiter man in der Zeit zurückgeht. Also jedenfalls war das meine Erfahrung, als ich entsprechende Artikel dazu in der Präsenzbibliothek der Uni Gießen suchte – Grund: Was bedeutet es, wie ein Sybarit zu leben.

Erschreckend, wie sie dann jemand darüber freut, dass die KI gerne kreative Formulierungen findet. Auch das kennt man einerseits aus der Entwicklungsgeschichte bei Kindern oder bei den Veränderungen infolge von Demenz. Lustige Versprecher und Wortfindungen. Ebenso wie deren Störungen.

Was die KI eigentlich gut kann, ist das, was sie weiß, auszudrücken. Ein bisschen absurd das. Nehmen man mal ein Kreuzworträtsel. Woran Menschen etwas knabbern, aber mit der Zeit dann immer besser lösen können, weil sie die Mechanismus von Formulierungen immer besser verstehen. Aus einer Herausforderung wird eine Routine. Die KI auf Kreuzworträtsel angesetzt kann das aber viel besser und schneller. Nur kann ich mir kaum Menschen vorstellen, die sich Kreuzworträtsel besorgen, die sie dann mit eine KI lösen wollen würden. Obwohl die das doch besser und schneller kann.

Es gibt meiner Meinung nach also etwas, weswegen wir uns einer Sache oder einem Problem hingeben. Zum Beispiel, weil wir Spaß daran haben zu rätseln, zu knobbeln, zu recherchieren, nachzudenken, zu komponieren. Wenn man dann hört, dass viele dieser Dinge doch eine KI übernehmen könnte, verlieren wir möglichweise über kurz oder lang das Interesse an diesen Dingen. Interesseloses Wohlgefallen aber wäre etwas anderes.

KI ist gut bei der Mustererkennung! Aber selbst da: Sicher hätte zum Beispiel ein entsprechend gefütterter Computer anno 1990 zum Beispiel wohl mehr Reihenverwicklungen in den Kompositionen Adornos finden können. Umgekehrt war es aber unabhängig von der Kenntnis oder Erkenntnis ein Erlebnis beglückender Art, dies selber entdeckt zu haben und das, trotz der vielen Fehler, die in der Edition der Kompositionen damals steckten. Roboter sind gut beim Umgang mit Gefahrenstoffen oder bei Dingen, die exakt auf die gleiche Weise gemacht werden sollen (oder müssen). Aber kann man seine Leidenschaften sich ersetzen lassen, die Freude und das Glück? Kommt es am Ende nicht dahin, dass die Interesselosigkeit mit dem Maße der Bequemlichkeit sich dahinsteigert, dass man am Ende als graue Existenzen und Hülsen ohne Früchte dastehen.

Wahrscheinlich ist es aber längst schon so und die Exkalationen, die man in den sozialen Medien beobachten kann sind Resultat der Entleerung dieser Welt von Emotionen, die man sich selbst verschaffen könnte. Also müsste man – jedenfalls in der Welt, die von wirtschaftlicher Prosperität geprägt ist – sich seiner selbst- oder mitverschuldeten Bequemlichkeit entledigen. Oder ist das zu unterkomplex?


Und sonst so?


  • Croco setzt kleine Pfeile und erinnert an schon sehr alte Blogs, denen sie zum Geburtstag gratuliert.
  • Eine neue nmz für den Februar steht online.
  • Eine neue Musik-Streaming-Plattform „rokk“ steht bereit. Angeblich „fair“. So ganz kann ich nach erstem Anschauen nicht erkennen, was daran so „anders“ ist. Zumal im Bereich der klassischen Musik so etwas mit Idagio seit ein paar Jahren am Start ist. Angeblich eben auch „fairer“ als die Platzhirsche.
  • Ralf-Thomas Lindner kommentiert den „Spiele-Deine-Ukulele-Tag“ mit einem Ausflug die politische Gründungsidee des 1. Bremer Ukulele-Orchesters.

 

 

 

 

 

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