„Musik unserer Zeit“ vor dem Aus?

An zwei Tagen in der Woche läuft im Schweizerischen Rundfunk die Sendung „Musik unserer Zeit“.

Musik unserer Zeit bringt die Gegenwart und Zukunft ins Haus mit zeitgenössischer klassischer Musik, mit elektronischen, experimentellen und improvisierten Klängen.

Wir porträtieren Komponistinnen und Interpreten, spüren Trends auf, zeigen was aktuelle Musik alles sein kann und diskutieren am runden Tisch über aktuelle Neuerscheinungen.

Mittwoch, 20.00 Uhr, Samstag, 21.00 Uhr (Z), auf Radio SRF 2 Kultur.

Seit gestern kursiert eine Meldung „aus erster Hand“, die wissen will, dass es bald vorbei sei mit mindestens dieser Sendung. Gerade habe ich für die neue musikzeitung (nmz) eine Anfrage gestellt, ob das aus allererster Hand bestätigt werden kann – oder was vielleicht sonst geplant ist. Stattdessen, an Stelle von …

In diesem Zusammenhang muss und will ich auf den aktuellen Leitartikel von Rainer Nonnenmann in der nmz hinweisen, der auch das Phänomen der schwindenden Sendeplätze für aktuelle Kunstmusik thematisiert: Überangebot und Fachkräftemangel – Akademien der Praxis und Theorie neuer Musik

„… Das gesellschaftliche Interesse an Kunst und Kultur nimmt ab und immer weniger Menschen verfolgen diskursive Auseinandersetzungen über Machart, Ausrichtung, Wert und Deutung von Kunst und Musik. Weil sich gegenwärtig auch die meisten Musikschaffenden aufs Musikmachen konzentrieren statt öffentlich darüber nachzudenken, ist die Szene der neuen Musik weniger diskussionsfreudig als noch in den 2010er Jahren. Und die Berufsaussichten im Musikjournalismus sind düster angesichts wegfallender Redaktionen von Fachzeitschriften, Tageszeitungen und ARD-Kulturradios sowie entsprechend schwindenden Arbeits- und Verdienstmöglichkeiten. …“

Also nicht nur ARD, sondern auch SRF. Ausgedünnt wurde beim ORF in Österreich auch die nämliche Strecke (Zeitton), die bis vor wenigen Jahren wochentäglich eine Stunde vor Mitternacht gesendet wurde. Im Deutschlandfunk steht das “Forum Neuer Musik” vor dem Ende.

Es ist aber fast überall ähnlich mittlerweile. Auch im Bayerischen Rundfunk kommen nurmehr Morsezeichen in Sachen zeitgenössischer Musik. Wie es beim WDR wohl weitergeht mit Anselm Cybinski zeigt sich dann ab morgen. Übermorgen um 11:11 wird ihm gleich die Krawatte gekürzt, das dürfte gesichert sein.

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der huflaikhan

Betreiber der Kritischen Masse seit 1995. Seit 2023 Wiederaufnahme. Promotion mit einer Arbeit über Adornos kompositorische und theoretische Auseinandersetzung mit der Zwölftontechnik. Arbeit für den Bayerischen und den Mitteldeutschen Rundfunk als freier Autor und Regisseur – zumindest bis Ende 2015. Online-Redaktion für neue musikzeitung, Jazzzeitung und Oper & Tanz. Unglücklich, aber fast taub.