Wer wissen will, wie die WELT funktioniert, muss nur einen der letzten Texte von Elmar K. lesen. Unter der irren Überschrift „Ein Grund zur Flucht aus Deutschland bleibt erhalten“ nimmt er sich die gescheiterte GEMA-Kulturreform vor. Ein Grund zur Flucht aus Deutschland sei es, wenn die Mitglieder der GEMA in einer demokratischen Entscheidung eine von Vorstand und Aufsichtsrat der GEMA in Gang gesetzte Reform der Kulturförderung nicht genehmigen. Demokratie ist also ein Grund zur Flucht aus Deutschland! Oder vielleicht darf man es sich ja wünschen, wenn sich zahlreiche Personen diesem Aufruf anschließen würden? Man darf ja noch träumen. Aber so tickt das Feuilleton-Hirn bei der WELT.
Der Ablauf der Argumentation führt zunächst in eine Datenwüste, die Elmar K. seinen Lesern (muss man hier nicht gendern) zumutet, die aber, wie immer bei Faktensammlungen, nicht das tiefe Geschäft der GEMA versteht.
Danach geht der Unsinn los. Die GEMA sei „gegründet als Instrument der Urheber gegen Verlage“ liest man da, verschweigend, dass die Verlage längst eine der drei Kurien der GEMA stellen. Das mache sie angeblich „so gut und gewissenhaft, wie man es eigentlich von jeder deutschen Behörde erwarten darf“. Die GEMA als deutsche Behörde zu framen, ist eigenartig. Denn sie macht es eher, was seiner späteren Argumentation entgegenstünde, wie ein Inkassounternehmen.
Und dann nimmt sein Wunderwerk der Absurdität Fahrt auf. Es handele sich nämlich um „eine Art Geburtsfehler der Gema“. Die GEMA „versteht sich nämlich nicht nur als Tech-Unternehmen. Sie hat sich auch einen Kulturauftrag gegeben.“ Die Behörde wird dann mal schnell zum Tech-Unternehmen. Und dummerweise mit Kulturauftrag. Der historische Schritt ist umgekehrt. Zuerst war der Kulturauftrag. Aber dazu müsste man sich mit der Geschichte der GEMA befasst haben. Das muss man beim Feuilleton der WELT natürlich nicht. Denn es geht ja nicht um Recherche oder Analyse, sondern um, wie Friedrich Merz das nennen würde, Dummbatz in nicht unerheblicher Menge. Dabei darf ein WELT-Hieb auf Theodor W. Adorno bei K. nicht fehlen. Inklusive Bestrafungsphantasien eines Autoritären:
Die um ihren Bestand und Lebensunterhalt in Krisenzeiten kämpfenden „E“-Fraktionäre fantasierten daraufhin mit einer derart altbackenen spät-adornitischen Emphase den Untergang der deutschen Hochkultur herbei, dass man ihnen allein deswegen schon die Ausschüttung verweigern wollte.
Kurz gesagt: Der Laden gehört für Elmar K. gründlich aufgeräumt. Wer dafür vorgesehen ist?
Dessen kann sich eigentlich nur einer annehmen. Herr Weimer, übernehmen Sie!