Schon wieder hat er es getan. Der Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien, Wolfram Weimer, will die Medienwelt neu regulieren, und macht Vorschläge dazu. Gänzlich ungefragt und ohne Not! Er stellt zur Disposition, so ein Bericht, das ZDF zum Privatfernsehen umzumodeln und die Anzahl der Anstalten der ARD zu reduzieren. Der WDR soll vom Saarländischen Rundfunk übernommen werden, Radio Bremen übernimmt den Bayerischen Rundfunk. Nein? Nein, umgekehrt vielleicht. Was für eine Chance finanzieller Natur aber, wenn man es genau in dieser Richtung machte. Aber das endgültige Ziel ist natürlich eine einheitliche Zentralanstalt des öffentlichen Rechts, die mit ein paar Fensterchen für Regionales bestückt würde.
Die Gedanken sind keine umwerfenden Neuheiten. Gerade die Intendanten der ARD, also die, die eine Schluckabsicht äußern, stimmen damit in Teilen überein. Das ist bedauerlich und von der Sache einer föderalen Medienkultur aus gesehen auch widersinnig. Doch manche wittern darin Effektivitätssteigerungen – allerdings, ohne zu sagen, dass sie mit Qualitätsverlusten verbunden wären. Man schaut sich den Unfug in der Systemgastronomie ab, was kein gutes Vorbild ist. Aber alles das wissen Kulturinteressierte natürlich, nur die daran Desinteressierten können Vergnügen am Eindampfen haben.
Aber darum soll es gar nicht mal gehen: Weimer macht Weimer-Sachen. Was schwer zu verstehen ist: Warum macht er dies und warum gerade jetzt? Wie zuvor erwähnt: Es besteht doch kein Zugzwang! Ist es vielleicht wirklich nur Narzissmus eines Medienschaffenden, der beweisen will, dass neben dem Kanzler auch er Schlagzeilen erzeugen kann? Ist es die Hörigkeit vielleicht auf einige Medienmogule, die wie Mathias Döpfner mit Springerstiefeln auf die Zerstörung unliebsamer freier Konkurrenz aus sind? Die sich damit jede Vereinfachung der Vielfalt wünschen können. Man sieht ja auch jetzt schon, welchen Unsinn ein mächtig durch die eigenen Instanzen waltender Intendant wie Kai Gniffke in Gang zu setzen versteht.
Die Bewegung gegen den öffentlich-rechtlichen Rundfunk kommt dabei, wie man sieht, aus der Politik, die da gar nichts verloren hat. Sie kommt zu allem Überfluss auch aus den Rundfunkräten, die die Öffentlichkeit vertreten sollen, nach Regeln einer intransparent geregelten Besetzungscouch. Sie nicken ab, von unten, was von oben aus der Politik diktiert wird.
Aber auch im Deutschlandfunk scheint es rund zu gehen: Neben der allgemeinen Programmzerstörung trifft es einige Formate auch aus dem Musikbereich, wie die musica reanimata, die einfach ins Nichts migriert wird. Was ist also zu erwarten, wenn die programmatischen Hohlbirnen so weiteragieren? Gab es an beliebiger Stelle in den vergangenen 30 Jahren im öffentlich-rechtlichen Rundfunk eine musikalisch-kulturelle Initiative, die nach vorn gegangen ist, die etwas entwickelt hat? Die Antwort ist: Nein. Das gibt es nicht. Die Ideenlosigkeit ist unüberseh- und unüberhörbar. Wenn, dann findet sie statt im Mikrowiderstand einzelner Redakteur:innen oder Mitarbeiter:innen.
Der Rest wird als „Reform“ gelabelt, was sich in Wirklichkeit als ein fortschreitender Abbauprozess darstellt. Das Problem ist nicht allein Deutschland vorbehalten. In der Schweiz löst man eine ganze Radiowelle auf, in Österreich schreitet die Reduktion des Programms in den Bereichen Jazz und andere interessante Musik ebenso voran. Was eines Tages nicht mehr angeboten wird, wird später auch nicht mehr nachgefragt werden. Womit die Rechnung der Intendant:innen und der Politiker:innen aufgeht. Medial gesehen kommt irgendwann dann – im übertragenen Sinne – das mediale Gas aus der Springer/Bertelsmann-Fabrik, vielleicht durch KI verbilligt und verunsinnt. Medienkonzentrationsprozesse sind noch nie gut gegangen.
Die Weimer-Falle ist aber damit noch nicht erklärt: Durch seinen überflüssigen, seinem Amt nicht zustehenden Kommentar zu einer Neustrukturierung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks, lenkt er natürlich davon ab, dass es in der Frage der Regulierung der Plattform-Ökonomie auf der Stelle tritt. Da bewegt sich null! Eigentlich ist seine politische Technik ziemlich trivial: Er redet viel und er bewegt zugleich nichts. Und was er tatsächlich bewegt, geht rückwärts. Das hat er von Trump gelernt: „Flood the zone with shit.“
Die Rechtsextremisten und Autoritären haben das gleiche Ziel. Eine Vereinfachung in jeder Richtung, um dem Kanal die finale Endbräune zu verleihen. Fin de partie – Endspiel. Wenn es bei Samuel Beckett heißt, es gäbe keine Natur mehr, so gibt es im Wunschkonzert letzten Endes auch keine Medien mehr. Denn Einheitsmedien, sind keine Medien, sondern Propagandaorgane.