Marcello Viotti ist tot

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Marcello Viotti starb am Mittwochabend um 18.34 Uhr im Alter von 50 Jahren nach tagelangem Koma in einem Münchner Krankenhaus. Viotti leitete von 1998 bis 2004 mit großem Erfolg das Münchner Rundfunkorchester. Quelle: Bayerischer Rundfunk „Marcello Viotti (50) war vom 1. September 1998 bis Ende 2004 künstlerischer Leiter des Münchner Rundfunkorchesters, das er in dieser Zeit durch sein temperamentvolles und detailgenaues Musizieren sowie differenzierte Programmauswahl zu einem hochkarätigen Klangkörper formte,“ schreibt der Bayerische Rundfunk…

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Eine Stunde voller Qualen

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Damit müssen sich die Hörer von NDR Kultur abfinden. Pedantisch genau und die Hintergründe analysierend, kann man so eine Stunde am 11.2.2005 von 9 bis 10 Uhr protokolliert nachlesen; bei der Initiative „Das GANZE Werk“.

Ein Beispiel:

Von Robert Schumann kommen wir jetzt zu Anne Schumann. Sie ist die Solo-Geigerin im Konzert D-dur op. 3 Nr. 6 Francesco Onofrio Manfredini. [O-Ton NDR Kultur]
Oder:
„Es ist überhaupt unmöglich in der Musik Beethovens, nicht die Musik eines Betrunkenen zu erblicken. Nichts davon wird bleiben.“ So hat es ein Konzertkritiker einmal geschrieben in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Ja, und ich sag nur: Alle Fakten sprechen gegen diese Einschätzung. Wir haben den 11.2.2005 und hörten eben den dritten Satz der Sinfonie Nr. 3 Es-Dur, der Eroica, von Ludwig van Beethoven, und das in einer Aufnahme mit dem NDR-Sinfonieorchester und Günter Wand am Pult.„ [O-Ton, NDR Kultur]

Theodor Clostermann von der Initiative “Das GANZE Werk„ kommentierte das süffisant so:
Verwirrend, nichts sagend, unnötig… Und:
Der Moderator hätte mal lieber den Mund gehalten! Der 1. und der 2. Satz und beinahe auch der 4. Satz der Eroica scheinen bei NDR Kultur tagsüber nicht zu existieren. Nach den Programmfahnen seit Mitte Mai 2004 gab es an diesem Freitag zum 16. Mal einen Ausschnitt aus der Eroica. Es war jedes Mal der 3. Satz, das Scherzo, zu hören, am 7. Juli 2004 gnädigerweise außerdem noch der 4. Satz. Bei NDR Kultur gibt es nur zwei Interpretationen: die gesendete mit dem NDR-Sinfonieorchester unter Günter Wand (12x) und eine mit den Berliner Philharmonikern unter Claudio Abbado (4x). Die Daten: 17.05.04, 27.05.04, 22.06.04, 07.07.04, 23.08.04, 05.10.04, 29.10.04, 31.10.04, 26.11.04 (2x), 04.12.04, 06.12.04, 08.12.04, 06.01.05, 19.01.05 und jetzt am 11.02.05. Am 26.11.04 wurde der 3. Satz vormittags in der einen und nachmittags in der anderen Interpretation gesendet. Zur Erinnerung: “Nichts davon wird bleiben.” – Ja, und ich sag nur: Alle Fakten sprechen gegen diese Einschätzung. Armer NDR Kultur…
Klasse!
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Alban Berg: Sonate für Klavier op. 1

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Gerade, Alban Berg, Sonate für Klavier op.1. Ungeheuerlich. Es interessiert ja keinen, aber trotzdem sei es gesagt. Ich war damals ein kleiner Hupfer, vielleicht 17 oder 18 Jahre alt. Die Musikbibliothek der Stadt Wolfsburg suchte ich auf, nachzuschauen, was die haben von Alban Berg und anderen. Das war eine wirklich kostbare Sache da in Wolfsburg. Es gab eine Schallplatte mit dem Stück drauf und die Noten auch, die noch in dieser Jugendstil-Titelblatt-Ästhetik verfasst waren…

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Kommende Katastrophen

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Dies Pianissimo darf man nicht nehmen, wie es klingt, nicht bloß als Reflex der zartesten Regung der Seele, die es auch ist. Oft, gerade in Weberns Orchesterstücken, aber auch in einzelnen Wendungen der auf diese folgenden Stücke für Geige und Klavier op. 7 und für Cello und Klavier op. 11 ist dies dreifache Pianissimo, das Allerleiseste, der drohende Schatten eines unendlich entfernten und unendlich mächtigen Lärms: so klang, im Jahre 1916, auf einer Waldchaussee…

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Paralleluniversum

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Wenn ich das Telefonat von eben recht verstanden habe, dann gibt es es. Aber dann, so verstehe ich es auch, dann ist es, das andere, das bessere. Ja, doch, so ist es. Im Gegenzug finde ich mich damit ab, dass die Welt abgrundtief schlecht ist. Das will zugestanden sein. Heute, im Zug, las ich die ersten Seiten von Arne Dahls „Misterioso“. Zum Krimi kann ich nicht viel sagen, aber eine Passage, gleich vorne, Seite…

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Wer will schon gern einen zweiten Korb

  • Lesedauer:8 Min. Lesezeit
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Die erneute Novellierung des Urheberrechts reagiert auf technische Entwicklungen

Im Laufe der letzten Jahre hat das Urheberrecht einige Änderungen durchlaufen müssen. Das ist zunächst ein gewöhnlicher gesetzgeberischer Vorgang. Viele Gesetze erfahren mit der Zeit Änderungen. Die häufigsten Änderungen erfahren dabei wohl die Steuergesetze. Beim Urheberrecht wurden und werden allerdings zweite größere Schritte der Novellierung gemacht. Der so genannte „1. Korb“ der Änderungen trat 2004 in Kraft. Er hat sich mit dringenden Änderungen befasst, die im Zuge der Harmonisierung des Urheberrechts innerhalb der Europäischen Union nötig wurden. Diese Änderungen beruhen auf der so genannten EU-Richtlinie zum Urheberrecht.

Der „2. Korb“ beschäftigt sich dagegen mit Änderungen, die unabhängig von der EU-Richtlinie sind. Mit diesem Korb sollten vor allem Fragen zu den technischen Veränderungen in unserem Umgang mit urheberrechtlich geschützten Werken gelöst werden. An der Diskussion um die Veränderungen des Urheberrechts sind dabei vor allem die betroffenen Verbände (von den Autoren bis zur Filmwirtschaft, von Bibliotheken bis zu freien Bürgerorganisationen) beteiligt gewesen. Grundlage der Auseinandersetzung ist dabei ein so genannter Referentenentwurf des Bundesministeriums für Justiz (BMJ). Die wesentlichen Themen des „2. Korbes“ betreffen Fragen der Zulässigkeit von Privatkopien, die Bestimmung der Höhe von Pauschalvergütungen und Nutzungsmöglichkeiten elektronischer Lesesäle in öffentlichen Einrichtungen (wie Bibliotheken). Das BMJ schlägt nach Würdigung der Stellungnahmen zum Referentenentwurf folgende Änderungen vor (Stand: 12. Januar 2005):

Themenfeld Privatkopie

a) Private Kopien nicht kopiergeschützter Werke bleiben grundsätzlich im bisherigen Umfang erlaubt. Damit hält auch der aktuelle Entwurf an zwei Grundentscheidungen des „1. Korbs“ fest: Die Privatkopie eines urheberrechtlich geschützten Werks ist auch in digitaler Form zulässig. Es ist verboten, Kopierschutz zu umgehen.

b) Seit dem „1. Korb“ sind der Privatkopie durch technische Schutzmaßnahmen Grenzen gesetzt. Es gilt: „Kopierschutz-Knacken ist verboten!“ Diese Regelung ist durch die EU-Richtlinie zwingend vorgegeben. Es soll keine Durchsetzung der Privatkopie gegen Kopierschutz geben. Denn: Die Rechtsinhaber können sich durch technische Maßnahmen selbst schützen, und der Gesetzgeber darf ihnen diesen Selbstschutz nicht aus der Hand schlagen. Es gibt kein „Recht auf Privatkopie“ zu Lasten des Rechtsinhabers. Privatkopie und pauschale Vergütung auf Geräte und Speichermedien gehören untrennbar zusammen.

Pauschalvergütungen

a) Pauschalvergütung als gerechter Ausgleich für die Privatkopie. Soweit privat kopiert werden darf, gebietet die Verfassung eine Kompensation der Kreativen für ihre Einnahmeausfälle. Dies betrifft also zum Beispiel CD- und DVD-Rohlinge, eventuell Festplatten und was an anderen Speichermedien denkbar ist. Soweit nicht mehr privat kopiert werden kann, weil etwa Kopierschutz sowie Digital-Rights-Management-Systeme (DRM) eingesetzt werden, gibt es keine pauschale Vergütung. Der Verbraucher wird nicht doppelt belastet.

b) Das Verfahren der Berechnung der Pauschalvergütungen soll einfacher und besser geregelt werden. Das neue System zur Festlegung der Vergütungen für Geräte und Speichermedien kann flexibler auf technische Entwicklungen reagieren und wird rascher klären können, wer wie viel für was zu zahlen hat. Gegenwärtig gibt es nämlich häufig jahrelangen Streit darüber, ob ein neuer Gerätetyp zur Vervielfältigung bestimmt ist. Das ist nachteilig für die Urheber, die auf ihr Geld warten müssen, und nachteilig für die Gerätehersteller. Sie haben keine Rechtssicherheit und müssen wegen der grundsätzlich bestehenden Vergütungspflicht hohe, gewinnmindernde Rückstellungen vornehmen. Die Höhe der Vergütung soll deswegen nach dem tatsächlichen Ausmaß der Nutzung bestimmt werden. Künftig soll es darauf ankommen, in welchem Maß die Geräte und Speichermedien als Typen tatsächlich zur Vervielfältigung genutzt werden. Das ist mit Marktforschungsumfragen zu ermitteln.

c) Verfahrensstreitigkeiten zwischen Urhebern und Verwertern oder Geräteherstellern sollen beschleunigt werden. Bestehen unterschiedliche Auffassungen über die Angemessenheit des Vergütungsbetrages, sieht der Entwurf ein rasches Verfahren zur Einigung vor. Das Verfahren vor der Schiedsstelle soll in der Regel maximal ein Jahr dauern. Wenn die Beteiligten den Einigungsvorschlag nicht akzeptieren, entscheidet das Oberlandesgericht als einzige Tatsacheninstanz. Daneben wird den Beteiligten ein neues Verfahren zur freiwilligen Schlichtung eröffnet.

Somit sollen Schwierigkeiten wie beim heute noch zu schlichtenden Streit zwischen den deutschen Phonoverbänden und der GEMA beispielsweise im Sinne aller vereinfacht werden.
Sonstige Änderungen

Öffentlichen Bibliotheken und – neu im Regierungsentwurf – auch Museen und Archiven soll es erlaubt werden, ihre Bestände auch an elektronischen Leseplätzen zu zeigen. Damit behalten diese Einrichtungen Anschluss an die neuen Medien, und die Medienkompetenz der Bevölkerung wird gefördert. Das dient dem Wissenschaftsstandort Deutschland.

Ferner wird den Bibliotheken der elektronische Versand von Kopien aus Zeitungen und Zeitschriften sowie kleiner Teile von Büchern als graphische Datei erlaubt. Trotz Kritik aus dem Wissenschaftsbereich soll es dabei bleiben, dass die Schranke nur greift, soweit die Verlage kein eigenes elektronisches Angebot machen. Ein unbegrenzter elektronischer Kopienversand würde die wirtschaftliche Grundlage des Verlagsgeschäfts massiv beeinträchtigen.
Weitere Änderungen betreffen Fragen des Filmrechts und der Einräumung unbekannter Nutzungsrechte seitens der Urheber.

Quelle: nmz 2005/02
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Die Technik ist schneller und schöner

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Noch ein bisschen Nacharbeit. Taktlos aus dem ZKMax, über die Umstände habe ich schon berichtet. Nun mein zarter Vorwurf — in der Funktion des Maschinenstürmers.

Musik: Charles Coleman: Restless, Anfang [Track 6]

Autor: Es ist dies das letzte Zeichen der verödenden Kunstszene: Man richtet für die so genannte Avantgarde kleine kommunal geförderte Biotope ein. Kunst aus dem Reagenzglas, Kunst im Reagenzglas, Kunst für das Reagenzglas. Solche Biotope sind momentan total hip und das weithin unbekannte ZKMax in München ist ein solches. Dort tummeln sich also die Kunst-Künstler der Zukunft für die Herstellung von Medienkunst aus dem Niemandsland. Das nennt man dann Avantgarde.

Nun ist nichts Schlimmes daran, kleine Biotope für die schwindende Zahl derjenigen Künstler anzubieten, die sich dem Wagnis des Ungewissen annähern. Denn das ist eine wunderbare Möglichkeit, Kunst eonfach stillzustellen, sozusagen als Förderung einer gesellschaftlichen Abseitsstellung. Diese Kunst spielt so weit im gesellschaftlichen Jenseits wie es nur geht und geht daher auch nicht nur symbolisch unter die Erde. Der Avantgardist nennt das dann „subkutan“.

Musik: Josef Anton Riedl: Track 8 [Anfang]

Sprecher: Andererseits ist es hochnotpeinlich, wenn man seine Hoffnung auf Zukunft nur noch in Schaltkreise, Computer und Animationen setzt wie in diesen Medienkompetenz-Centern. Gewiss, das ist der nach außenhin taugliche Teil, da unsere Gesellschaft wie in einer Gebetsmühle, den Looping-Affen machend, nun einmal technikgläubig ist. Weil ferner die Technik immer weiter ist als derjenige, der sie benutzt, kommt auch immer etwas heraus, was keiner zuvor weiß – und was, ehrlich gesagt, auch keiner braucht. Damit ist solche Kunst automatisch legitimiert: Sie ist eine postquamperfekt deformierte Avantgarde. Die zirkelkreisübungmachende Avantgarde ist so unterirdisch weltfern wie die Gesellschaft an dieser störungsfreien Avantgarde desinteressiert. Alles in allem also eine gelungene Koexistenz von Nichts.

Nebenbei: Diese institutionalisierte Kulturferne von Kultur wie im ZKMax ist zudem ein feineres Vorzeigeobjekt als wirklich kulturelle Arbeit in einer kunstfeindlich gestimmten Gesellschaft. Unter der Erde, in mit neon- und laserlicht verdunkelten Grüften, lässt es sich einfach besser munkeln als beim Erhalt von Musikunterricht oder Musikschulen. Das ZKMax: Eine Zukunftsmaschine für Niemand! – mit dem Segen des Kulturreferats.

Musik: Charles Coleman: Restless, ab 37“ (Klavier) [Track 6]

Nachzuhören als Real-Audio bei taktlos 86
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ug – 32 :)

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Noch ein Geburtstag. Jetzt aber bin ich in der Ferne. Also ein großer Tusch! Feiere schön und lass dich feiern. Wahrscheinlich machst du für deine Freunde einen ziemlichen leckeren Happs. Ja, bestimmt. PS: Auch hier muss wohl ein Sinnspruch rein, nicht wahr. Also dann, nehmen wir einfach etwas von Alexander Kluge, aus der „Kunst, Unterschiede zu machen“: Der Mensch neigt dazu, Vertrauen zu produzieren. Das ist eine Mitgift, eine Fähigkeit. Lieber irren wir uns,…

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Unworte

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Die Gesellschaft für Deutsche Sprache hat den Begriff „Humankapital“ zum Unwort des Jahres 2004 gewählt. Das Unwort für das 20. Jahrhundert lautete „Menschenmaterial“. Beiden gemeinsam ist der Kern der Humanität oder der Menschlichkeit, beiden gemeinsam ist ebenfalls, dass eben dies zur verfügbaren Masse tituliert wird. Beide Worte sind Unworte, aber beide sind viel genauer noch tief schneidende Zeichen der Bewegungsrichtung der modernen Welt. Beide Worte stimmen noch mehr, als dass sie Unworte wären. Erstaunlich ist vielmehr, dass sie so offen benutzt werden ohne einen Moment der Abscheu dabei zu erzeugen.

Gerade der Bereich der Kultur lebt von diesem Humankapital, aber recht eigentlich nämlich von Menschen mit besonderen Fähigkeiten. Mit Fähigkeiten, die diese Gesellschaft einmal für förderlich hielt. Dazu gehörte auch im Wesentlichen eine bestimmte Form des Unbequemen und Subversiven. Kultur gedeiht nicht in Erstarrung sondern in Bewegung, in Auseinandersetzung und auf gleicher Höhe der an ihr Teilhabenden. Der nationalsozialistische Autor Hanns Johst schrieb in seinem Drama „Schlageter“ 1933: „Wenn ich das Wort ,Kultur’ höre, dann greife ich zu meiner Pistole.“ Damit hat er den Begriff der Kultur sehr richtig verstanden, nämlich als aufrührend und kritisch.

Der gegenwärtige Umgang mit diesem Begriff terminiert aber in seiner Ab- und Umwertung: Man entwendet den Begriff und bestimmt ihn neu. Werden „Kulturarbeiter“ nur als Humankapital aufgefasst, ist auch der Begriff der Kultur unmittelbar tangiert. Die große aktuelle Popindustrie hat die Arbeit mit Humankapital und Menschenmaterial längst zur Basis; die in ihr wirkenden Menschen werden ausgetauscht nach Belieben. Die Kultursender sind haufenweise zu Kulturvertreibern geworden, denn ihnen ist der hörende oder der quermusizierende Mensch nur im Weg. Sie benötigen Menschenmaterial, pures Zahlenfutter, fungibel und eigentlich überflüssig, außer zum Abzählen. Aus dem Begriff Kultur als Zeichen einer aufgeklärten Gesellschaft wird damit schleichend und perfide ein (Kultur-)Unwort.

Quelle: nmz 2005/02
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