Das Weltgeheimnis

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Ein Junkie erklärt nichts. Nein, das tut er nicht. Aber er mag um Rücksicht bitten dafür, dass er gerne in alten Büchern herumliest und sich immer wieder aufs neue angeregt fühlt. Durch Typographie, durch Gestaltung, durch Texte, durch die Zeit selbst. Denn auch die Vergangenheit kann ein (vielleicht auch heilsamer) Spiegel sein.

So entdeckt, ein namenloses Bekenntnis zum Kitsch in „Europa 1925“, einem Buch von dem Tucholsky sagte, dem Setzer müssten die Ausrufungszeichen wohl ausgegangen sein und der das Werk „unlesbar“ fand.
„Möchtest du in Prenzels Haut stecken, Maximilian?“
„Gewiß, Lothar, denn Prenzel ist Geist.“
„Aber Geist ist Kitsch.“
„Aber ich bekenne mich zum Kitsch.“
„Und dieses Bekenntnis zeugte von Geist?“
„Von tiefstem Geist.“
„Aber Geist ist Kitsch. So zeugt dein Bekenntnis doch von Kitsch.“
„Gewiß. Kitsch bekennt sich zum Kitsch. Das ist das Weltgeheimnis.“


Auch aus dem Brockenhaus (Handbuch des Kunstwissens) der Begriff Skulptur:
Nimm einiges, setze in Raum und behaupte. Fehlt hierzu der Mut, gehe vertrauend in die Sammlung der Abgüsse und sprich von geschichtlicher Kontinuität
Oder den Begriff „Für Portraits“
nimm keck WC Brille als Rahmen. Fast jedes Gesicht paßt hierein. Man wird deine Vision des Seelischen allgemein loben.
Und jetzt muss ich erst mal was essen.
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Kallmünz

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Ausflug durchs Tal der Naab ins Mittelgebirge. Da liegt es schön an der Naab, das Kallmünz. Da ist eine Metzgerei noch eine Metzgerei. Überhaupt ist hier um Regensburg noch einiges einfach solide und streng freundlich, so im Verkehr mit Menschen und mit prämierten Würsten wie Chilli-Peitschen von der Metzgerei Schmitt.

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Lebensläufe

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Versperrter Weg nach Osten Frage: Warum gehen Sie nicht in den Osten? Antwort: Die halten sich nicht an Verjährungsfristen. Aus: A. Kluge: Lebensläufe, Frankfurt/Main, 1986, S. 24.

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Was moralisch ist, das ist moralisch

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Im Jahre 1918 bezog der sowjetische Pädagoge Makarenko mit einer Gruppe von acht jugendlichen Verbrechern eine abgelegene ehemals zaristische Baracke, in der es nichts gab als eine Axt, mit der sie sich gegenseitig totschlagen konnten. Sie haben sich nicht totgeschlagen, weil sie sich gegenseitig brauchten. Zit. nach: Kluge, Lebensläufe, Frankfurt/Main 1986, S. 154.

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Was man weiß, das weiß man eben

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Zumindest solange, bis man es vergisst, oder besser weiß. Noch weiß man unter Bezug auf einen Antrag der Regierungskoalition, dass das Folterverbot auch im Falle des internationalen Terrorismus besteht: Die CDU/CSU machte deutlich, sie teile die Auffassung der Koalition weitgehend. Die Äußerungen im Koalitionsantrag seien auch nicht korrekt. Die gesamte deutsche Rechtswissenschaft habe eindeutig die Folter abgelehnt. Einen anderen Eindruck zu erwecken, sei falsch und werde der Situation nicht gerecht. Da hat die CDU/CSU…

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Lila Pause

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… wenn ich durch die Gegend brause, stehe ich doch wo ich bin. Die Welt kennt kein Zuhause, sie kennt auch kein Zurück. Die Ödnis im Gezwirn, sie ist die gleiche wie im Hirn. Einmal Infra-Ikea in bei Regensburg, hinter Hiendl hat es sich versteckt. Die Farben dort sind farbig.

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Wittgenstein, noch einmal

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Blättern in einem Buch bereitet Vergnügen, gerade dann, wenn man es nicht lesen mag. Plötzlich springen einen Sätze an, aus dem Zusammenhang gerissen, die für sich stehen und manchmal ratlos machen. Diesen Zustand empfinde ich als wohltuend: 381. Wie erkenne ich, daß diese Farbe rot ist? — Eine Antwort wäre: »Ich habe Deutsch gelernt.« Oder: 255. Der Philosoph behandelt eine Frage; wie eine Krankheit. Oder: 203. Die Sprache ist ein Labyrinth von Wegen. Du…

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Einundwirzig

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Ähem, einundvierzig. Das wäre besser. So wird jeder Tag besser, von Monat zu Monat, von Jahr zu Jahr, von Jahrzehnt zu Jahrzehnt, …

Ein „weiß ich nicht“ wird zur Gewissheit, zur absurden vielleicht (Sound-MP3 — unter Verwendung von diesem und jenem und ihr, mit Dank für jenes).

»Das Innere ist uns verborgen.« — Die Zukunft ist uns verborgen. — Aber denkt der Astronom so, wenn er eine Sonnenfinsternis berechnet?
fragt Wittgenstein in seinen „Philosophischen Untersuchungen“ auf Seite 358. Tja, eigentlich eine merkwürdige Fragestellung. Man käme doch voraus, aber die Sonnenfinsternis ist zweifellos etwas anderes als das Innere. An anderer Stelle (S. 335):
Bedenke auch dies: Rot und Grün kann ich nur sehen, aber nicht hören, — die Traurigkeit aber, soweit ich sie sehen kann, kann ich sie auch hören.
Das Manko der Ungenauigkeit wird zur Vervielfachung der Wahrnehmungsmöglichkeit. Wenngleich auch um den Preis der Verborgenheit — die gleichwohl selbst so verborgen bleibt wie offensichtlich ist.
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Merke drum

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Rechtgläubige zweifeln an einer Stunde nicht … Eine lange Passage in den Gesprächen Eislers mit Bunge geht um diesen Satz aus Hölderlins Gedicht, wobei Eisler „Rechtgläubige“ durch „Wissende“ ersetzt. „Gang aufs Land“ beginnt mit dem Ausruf: „Komm! ins Offene, Freund! zwar glänzt ein weniges heute Nur herunter und eng schließet der Himmel uns ein.“ Na denn: Trüb ist's heut, es schlummern die Gäng und Gassen und fast will Mir es scheinen, es sei, als…

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