Und außerdem …

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… bin ich beleidigt und hätte da noch ein paar Fragen.

Warum ist es so, dass Naturkatastrophen (oder besser -ereignisse) (was muss das für ein Gott sein, der dies zulässt) zu mehr öffentlichem Herzschmerz führen als von Menschen erzeugte Katastrophen?

Wann endlich wird der genetische Fingerabdruck auch für politische und wirtschaftliche Entscheidungen eingeführt?

Wann endlich kommt der Installateur, der wenigstens meine Wohnung verwanzt? (Ich möchte schließlich, dass alle wissen, wie unschuldig und unbescholten ich mein Leben führe. — Dass meine digitalen Kontakte zur Außenwelt prima mithörbar sind, ist mir ja bekannt [TKÜV])

Die Kritische Masse bekennt ihr Versagen ein. Es gibt Massenvernichtungsmittel, allerdings fast überall. Das sind die Informationen, die Medien, die Organe gesellschaftlicher Aufklärung. Ich bitte um umgehende Vernichtung — und falls Herr Bush oder sonst einer, der ihm sagt was er machen soll, nicht mithören sollte, ersatzweise stelle ich den Antrag an Gott, einen Meteoriten mit 2 km Durchmesser möglichst mittig in den Atlantik zu befördern. Das All ist groß genug, ein unschuldiger und bescholtener Materieklumpen wird sich doch auftreiben lassen.
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Zynismus-Selbsterhaltungssystem

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In manchen Kreisen regt man sich über eine Sendung von SAT1 auf, die angeblich Planetopia heißen soll. Darin ging es um die angeblich „unterschätzte Macht“ von Weblogs. Kann man ja nachlesen dort. Der Schockwellenreiter ärgert sich, Spreeblick ärgert sich (aber nimmt es lustig) etc. pp.
Die gefährlichsten Unwahrheiten sind Wahrheiten, mäßig entstellt. [Lichtenberg]
Irgendwie scheint man verwundert darüber, wie im Fernsehen Beiträge erstellt werden, wie man Worte benutzt, wie man Sachen schneidet, wie etwas im Zusammenhang (anders) wirkt. Das ist eine so gänzlich neue Erfahrung, dass ein allgemeines Kopfschütteln einsetzt. Und andere, wie ich, die klugscheisserisch das sowieso immer schon wussten, sind nicht besser dran, wenn sie dies artikulieren. Denn, das ist wirklich keine besonders exklusive und neue Erfahrung.

Ob nun in Weblogs Wahrheiten drin stehen, ob das Fernsehen, die Zeitung, das Magazin die Wahrheit kundtut? Haha. Das tun sie alle. Denn die Wahrheit ist das, was sich manifestiert. Dies ist aber zu trennen von der „Wahrheit“ wie sie objektiv wäre. Diese wird komischerweise immer wieder gerne herbeigerufen, aber sie bleibt selbstverständlich auf der Strecke: prominentestes Beispiel, die Prawda.

Manchmal wünschte man den Nachrichtengläubigen einfach ein paar Minuten für eine Philosophievorlesung oder einen Minikurs in zweiwertiger Logik, sei es auch die Mengenlehre. Zumindest eine eingehende Auseinandersetzung mit dem Satz von der Identität: A = A. Bzw. der Logik des Nicht-Identischen. Selbst Freund Quirinus rechnet letztens merkwürdig 1 + 1 = 2, so wie es anscheinend Beckstein vorrechnet (oder ich habe die ganze Ironie komplett verpasst). Allein 2 = 2.
Update von Lichtenberg: Zweifle an allem mindestens einmal, und wäre es auch der Satz: zwei mal zwei ist vier.
Vielleicht ist auch richtig, dass der Umgang mit Computern und digitalen Daten an sich, jegliches Denken auf Konsequenzlogik oder bestenfalls Schleifen oder Bänder reduziert. Beim Letzterem hat man immerhin noch die Chance zur Einsicht in ein Paradoxon oder eine Aporie.

An sich sind alle Menschen klug, aber wenn es um (ein) Menschenleben geht, kennt die Dummheit keine Grenzen und kein Maß. Darum, das möchte ich bitten, Schluss mit dem Gefasel über Unveräußerliches. Die Welt kennt nur noch den Ausnahmezustand, der ist jetzt nämlich status quo.

Das ist eine Welt, die sich von ihrem eigenen Zynismus ernährt; der Selbsterhaltungssatz der Gegenwart. Ihre Zukunft ist ein Zerfallen durch Progression: eine immer ausgefeiltere und Kräfte aufsaugende Form der Selbstdomestizierung. Leider muss ich das konstatieren. Während ich früher die „Dialektik der Aufklärung“ wegen ihres geschichtsphilosophischen Charakters als beinahe zu mechanisch materialistisch und telosbezogen ablehnte („es muss doch den freien Willen geben, sonst könne man nicht erkennen, dass es ihn nicht gibt“), neige ich immer klarer zur Zustimmung der Thesen jener Autoren. Es gäbe nur einen Fortschritt, den von der Steinschleuder zur H-Bombe.
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Die Zeit der Aufklärung rollt rückwärts

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Ver.di, die vereinte Dienstleistungsgewerkschaft, geht der Stoff um Lidl nicht aus. Naja, irgendwie muss ja etwas dran sein, wenn die Billigheimer so billig sind. Ich bekenne mich da zum Saboteur dieser Geschäfte, seien es Aldi, Lidl, Netto, Plus (okay, da habe ich neulich Batterien gekauft — weil der Laden ziemlich unmittelbar unter der Wohnung meiner Mutter war — die aber brav teuer waren) oder Kik.
Reaktionen auf das „Schwarz-Buch Lidl“ reißen nicht ab

Mehr als 7.000 Rückmeldungen haben die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di) nach der Veröffentlichung des „Schwarz-Buchs Lidl“ erreicht. In Anrufen, Briefen und Mails bestätigen diese Reaktionen die Vorwürfe, die ver.di gegen die Arbeitsbedingungen bei Lidl erhebt. Zudem haben sich mehr als 5.000 Besucher im „Schwarz-Buch-Weblog“ auf der ver.di-Internetseite an der Diskussion um die Zustände bei diesem Discounter beteiligt.

„Bei der abendlichen Reinigung wurden gelegentlich Geldscheine in die Gänge gelegt, um zu sehen, ob das Personal das Geld auch abgab. Morgens befand sich öfter zu viel Wechselgeld in der Kasse, um zu kontrollieren, ob dies nach dem Zählen von der Kassiererin nicht unterschlagen wurde“, schreibt beispielsweise eine ehemalige Lidl-Mitarbeiterin in einer Mail an die ver.di-Bundesverwaltung.

Rund zwei Drittel der Zuschriften und Anrufe stammen von ehemaligen und derzeitigen Beschäftigten bei Lidl/Kaufland. Sie ergänzen die Informationen, die ver.di bereits zuvor über Lidl vorgelegen hatten. Viele weisen darauf hin, dass es auch in anderen Ketten wie Aldi, Kik, Plus, Norma oder Netto ähnliche Missstände gibt.

Zahlreiche Rückmeldungen kommen auch aus dem Ausland. Beschäftigte, Gewerkschaften, ehemalige Lidl-Führungs-kräfte und Journalisten beschreiben ähnliche Missstände in den dortigen Filialen der Kette.

Eine Reaktion des Lidl/Kaufland-Konzerns, die sich direkt an ver.di wendet, gibt es bislang nicht.

Quelle: Newsletter von ver.di

Dieses Land wandelt sich. Man möchte es bezeichnen als Wandel in die misstrauische Gesellschaft. Selbst Politiker nehmen gerne mal einen Geldschein auf, der im Gang liegt. [Siehe auch den wahren Dicki.] Da passt es natürlich prima, wenn der Oberbundesonkel von einer Mitnahmementalität spricht. Der Dumme dabei ist der dumme. Das Dumme und das Fatale an dieser Entwicklung ist die Art und Weise ein Anwendung der puren Abschreckung durch Präventivmaßnahmen.

Präventiv sind auch Musikkonsumenten zunächst welche, die die Musikindustrie aufs Kreuz legen wollen, die sich dumm und dämlich an ihren CDs und Soundfiles kopieren. Um es denen schwer zu machen, macht man es eben alles schwer. Das ist doch nur gerecht.

Wohin das führt? Brecht hat es ausgezeichnet in seinen Versen „Abbau des Schiffes Oskawa durch die Mannschaft“ aus dem Jahr 1922 dargelegt. Dieser ganze Staat funktioniert nach der Abschaffung der SPD als sozialwirtschaftlicher Kraft und nach dem kompletten Versagen der GRÜNEN als sozialpolitischer Organisation nach dem Motto, alles und jeder ist korupt. Leider treten diese Fälle immer wieder auf. Ihre Wirkung ist sozialpolitisch selbstzerstörerisch. Abhör- und Beobachtungsmaßnahmen sind schnell die Folge.

Adorno hat dies einmal am Beispiel der Zwölftontechnik in seiner „Philosophie der neuen Musik“ sozusagen fachfremd als Negativ-Maxime formuliert:
Keine Regel erweist sich repressiver denn die selbstgestellte.

Quelle: Adorno, Philosophie der neuen Musik, Frankfurt/M. 1978, S. 69
Einübung in Gehorsam und Unterwerfung, zugleich das Rad das sich immer schneller dreht. Gegen die Rechte des aufgeklärten Bürgertums. Es ist gerade so, als ob die Zeit der Aufklärung rückwärts rollt und dabei immer mehr Fahrt aufnimmt.

Ein letzter Hinweis. In den „Blättern für deutsche und internationale Politik“ hat jüngst Hauke Brunkhorst diese Selbstverwundung am Beispiel des Falles Daschner dargestellt (als pdf).
Folter vor Recht? Das Elend des repressiven Liberalismus
Zusammenfassung: Aufgrund des Folter-Prozesses gegen den früheren Vizepräsidenten der Frankfurter Polizei, Wolfgang Daschner, schlägt die Debatte um die Legitimität von Folter neue Wellen. Hauke BRUNKHORST, Professor für Soziologie, analysiert die Entwicklungstendenzen zu einem repressiven Feindstrafrecht und insistiert auf der Notwendigkeit der kategorialen Unterscheidung von Recht und Moral.

„Wer den Krieg gewinnt, bestimmt, was die Norm ist.“ Na, so gehts ja nicht, aber so ists.
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Zierkürbisse – € 0,70

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Letztes Jahr, im Dorfe Graß, südlich der Stadt Regensburg, gleichwohl dazugehörig, auf dem Weg zum Verlagsgebäude, an einem biodingens Bauernhof vorbei, an der Straße, zum Mitnehmen, wie andernorts eine Zeitung im Container, Kürbisse, leicht infragelb, die um eine private Übernahme betteln.

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Im Postfach – deutsch

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Kurioses aus dem fernen Ausland: Wir, europische Personen findend, die Bankleitungen davon Senden/erhalten knen unsere Verkufe, von unseren Kunden von Deutschland. STEUERN von internationalen bertragungen in Russland nicht zu bezahlen. Wir erhlt das Prozent des Angebots 10 % vom Betrag und bezahlt alle Schulgelder, um Kapital zurck zu senden. Betrag von 1000 Euro pro Tag. Diese ganze Ttigkeit ist in Europa gesetzlich. Fllen Sie diese Form: [Adresse gelöscht] (bevor die Fllung Yahoo installiert! Bote…

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taktlos #85: Komponisten

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Sind sie Klempner oder Künstler, was machen sie überhaupt, welchen Sinn hat das eigentlich. Darüber gibt taktlos in der 85. Ausgabe durchaus ein paar Antworten. Die gute Pepa hat gestern dankenswerterweise darauf hingewiesen. Zu Gast waren Manfred Trojahn (siehe Foddo), Georg Hajdu und Jörn Arnecke, der jüngste im Bunde.

Manfred Trojahn

Na, nee, das ist nicht zum Nasenrümpfen. Im Gegenteil, Trojahn bezeichnete das Studium der Komposition als Weg zum freien Fall. Man wird nicht wissen, was daraus wird. Der Arbeitsmarkt jedenfalls wird nicht auf einen mit offenen Armen warten. Ich selbst habe auch einen kleinen Beitrag verfasst, der dieses mal gar nicht so lustig werden wollte, nur etwas merkwürdig — auch zum Anhören als RealAudio.
Musik: Klarenz Barlow: Im Januar am Nil

Zitator: Komponisten sind schöpferisch tätige Musiker, die Musikstücke verschiedenster Art produzieren, indem sie diese aus einzelnen Tönen zusammensetzen – daher auch Tonsetzer genannt – und in Notenmanuskripten festhalten.

Autor: So fasst es die Datenbank für Ausbildungs- und Tätigkeitsbeschreibungen der Agentur für Arbeit zusammen. Folgt man ihrer Statistik, gibt es in Deutschland etwa 21.000 sozialversicherungspflichtig beschäftigte Komponisten, die mit ihrer Arbeit Geld verdienen und vermutlich weitere 20.000 Komponisten, die so zum Spaß Musik machen. Deutschland ist damit ein echtes Komponistenland. Auf 2.000 Bürger dieses Landes kommt demnach etwa ein Komponist. Wenn es so viele Komponisten gibt, dann muss man wohl konstatieren, dass es sich beim Komponieren um eine gesellschaftlich anerkannte und lohnende Tätigkeit handelt.

Zitator: Die Werke großer Komponisten prägen entscheidend unser kulturelles Selbstverständnis. Bedeutende Kompositionen sind immer Ergebnis eines Ringens des Komponisten mit dem Material und dem eigenen Ausdruckswillen.

Autor: Wenn also ihr Sohn oder ihre Tochter einmal sagen sollte, er oder sie habe den Berufswunsch „Komponist“, dann ist das kein Grund für Traurigkeit sondern zur Freude. Ein guter Komponist ist ein guter Diener der Gesellschaft.

Musik: Beethoven, Sinfonie Nr. 2, erster Satz, Anfang

Sprecher: Gleichwohl sind auf der anderen Seite die Zahlen für Komponisten der sogenannten E-Musik bedrückend. Der Komponistenreport für Österreich sagt beispielsweise aus, dass nur ganze vier Prozent aller Komponisten zu einhundert Prozent vom Komponieren leben können. Nur zwei bis drei Komponisten in Österreich kommen auf Tantiemeneinnahmen im Monat von etwa 600 Euro. Insofern kann man durchaus sagen, Komponist im Bereich der E-Musik zu sein, ist alles andere denn lohnend. Die Konkurrenz ist groß, die Einkünfte sind ungewiss. Die Arbeitslosenquote von Komponisten allerdings liegt mit circa 10 Prozent im allgemeinen Durchschnitt und ist seit einigen Jahren leicht rückläufig. Außerdem gilt unvermindert der Ratschlag der Bundesagentur für Arbeit:

Zitator: Nicht jeder Komponist muss ein musikalisches Genie sein. Neben der so genannten ernsten Musik bietet die Unterhaltungsmusik kompositorische Möglichkeiten. Ein neues Betätigungsfeld ist die elektronische Komposition. Großen Raum nimmt mittlerweile auch die Medienmusik ein.

Musik: Was anderes
Die drei Gäste waren ganz prima wie auch der Moderator. Georg Hajdu kannte ich bisher kaum, er war aber überaus sympathisch. Auch interessant aber ist, wie wenig man sich untereinander (unter Komponisten) kannte. Plötzlich tun sich dann Interessenüberschneidungen auf. Und auch das ist das schöne von taktlos, es verknüpfen sich Leute, die sonst nicht so einfach zueinanderkämen. Ein weiteres interessantes Phänomen: Dass die Generationen irgendwie doch anders ticken; und zwar nicht unerheblich. Ob es sich um das Verhältnis zwischen Lehrer und Schüler oder um das Verständnis von Oper dreht. Ein schöner Abend. Dankbar fällt man ins Bett.

Bett im Hotel Regent

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