Hochbetonik (Detmerode)

  • Lesedauer:1 Min. Lesezeit
  • Beitrags-Autor:

Kaltmamsell mag Hochbetonik. Das hatten prima im Stadtteil Detmerode der Fussballstadt (blöde Heimverlierer gestern) gerne gebaut. Gemischte Bauweise, mal hoch mal breit. Dazwischen viel grün. Das Foddo stammt aus der Reihe meiner ersten Bilder mit der Zorki. Transportprobleme sieht man an den Streifen auf dem Foddo. Aber zurück. Der Detmeroder (etwa 16.000 Einwohner) Volksmund nannte diesen Doppelhochbetonzahnkomplex „Don Camillo und Pepone“ — vielleicht wohnten gerade viele italienische Gastarbeiter dortdrin. Normal sterbliche wagten sich da…

WeiterlesenHochbetonik (Detmerode)

Farbe des Tages II

  • Lesedauer:4 Min. Lesezeit
  • Beitrags-Autor:

Grau. Neueheimatgrau. Semmel kommentierte bereits.

!~~1/20041127-igs-schule.jpg|Huflaikhan vor seiner späteren Schule~~!

Dies Bildnis wunderbar zeigt den jungen Huflaikhan in Tarnkleidung nach seiner Schlacht gegen die spätere Schulbehausung in der Autoherstellungsstadt Wolfsburg um das Jahr 1970. Etwas unscharf foddegrafierte ihn sein Herr Papa. Warum man im Sonntagsanzug damals die Schlachten schlug, warum man überhaupt sich damals zum Foddegrafieren dorthin begab? Das wird wohl ein Rätsel der Kindeserziehung für immer bleiben. Vielleicht dachte sich aber auch der Herr Papa: „Wenn du nicht brav bist, dann werden wird dich später auf diese Schule schicken.“ Offenbar war ich nicht brav.

Huflaikhan posiert jedenfalls in der Haltung des Herrschers, der gerade seinen Tiger erlegt hat. Der Tiger bestand aus abwaschbarem Beton mit grafisch hochkünstlerisch unterteilten Fenstern. Mann, war man damals bauklug. Die Schulklassenräume befanden sich alle mit Fenstern gen Nord. Mit Hitzefrei war es da schwierig. Gleichzeitig versprach der Blick nach Norden die Aussicht auf das so genannte Freibad West; das machte die Schule für die Wasserhüpfer und Anbaggerer im Sommer auch nicht gerade einfacher.

Im Übrigens, Meister Semmel, wie war das noch mit der Neuen Heimat — gab es da nicht sogar die Konkurrenz mit ähnlichem Namen: Neuland. Neuland, die bauten in unserem Stadtteil Detmerode (Nachbarn nannten es Dreckmerode) die ersten Hochlandwohnungsebenen. „Wo wohnst Du?“ „In der Neuland-Burg!“.

Für den kleinen Huffi war Detmerode jedenfalls die Neue Heimat nach drei entbehrungsreichen Jahren in den Emsländer Sumpfgebieten, wo man noch gepflegt, einfach so, auf die Straßen kacken konnte. Es gäbe höchstens nur noch eine Deutung: Dass sich bei Huflaikhan die Oberschenkel erst im Alter von vier Jahren gebildet haben. Die Chronik des Dorfes Tinnen bei Haren schweigt sich da aus. Was nicht wundert, zumal, wie man mir später sagte, das ganze Gebiet dort damals auf Grund von Inzucht ziemlich degeniert gewesen sein muss. Da tat mongolisches Blut ganz gut.

!~~1/20041127-hufi-kackt.jpg|So kackt man uff de Straß~~!

Update:
Es kann aber auch anders gewesen sein. Herr Papa: „Jung, hock’ dich mal hin, sonst passte nicht aufs Foddo.“

Und die Anoraks waren damals spitzenmäßig hübsch gemustert. Selbst die Emsländer Braunbären, Füchse und Wölfe wagten sich dann nicht an solche Menschen heran. Mit den Mücken war das anders. Die waren wie Huflaikhan farbenblind.
(mehr …)

WeiterlesenFarbe des Tages II

Klassische neue Musik – unbeherrschbar

  • Lesedauer:2 Min. Lesezeit
  • Beitrags-Autor:

Semmel fragt in einem Kommentar nach dem Begriff der „neuen Musik“. E-Musik (klassisch) oder Hiphop (?)? In der so genannten E-Musik freilich geht es nicht deshalb immer schon um Geblase und Gestreiche. Es kommen dagegen immer häufiger auch „modernste“ Apparaturen zum Einsatz. Bei der Veranstaltung 2001 der projektgruppe neue musik (ich berichtete) standen Maschinen im Vordergrund (Machinations - Imaginations: Musik erfinden mit maschinischen Verfahren). Beispiel 1: Nicolas Anatol Baginsky: Aglaopheme (1999/200) für Slide-Guitarren-Roboter Zu…

WeiterlesenKlassische neue Musik – unbeherrschbar

Der fiese Gast

  • Lesedauer:5 Min. Lesezeit
  • Beitrags-Autor:

Fast monatlich bekomme ich einen Nachtgast, also so einen, der eine Nacht bleibt; eben einen, der ein Bett für eine Nacht in der ihm fremden Stadt benötigt. Dieser Gast war nun da. Ich kann den zwar überhaupst nicht leiden, weil er schmutzt und einen in einer Tour beleidigt, weil er 1860er-Fan ist, weil er dick und kurz ist und mit Bart. Mit einem Wort: Weil er mich an mich erinnert, wenn ich einmal so alt bin als wie er.

<%image(20041124-okkarina.jpg|140|100|Ökke)%>

Aber: Witzig isser schon. So packte er gestern aus dem Gegruschte meines Schreibtisches das einzige Musikinstrument (siehe Abbildung rechts) und spielte darauf wie ein Volldepp etwa so etwas (mp3 – 100 Kb). Danach dann trocken: „Strauss: Alpensinfonie.“

Allerdings hat er es sich gestern abend komplett verscherzt. Vom nächtlichen Ausflug zurück, fragte mich, ob er einen Apfel haben könne. Ich willigte ein. Fehler, großer Fehler, hätte Mao gesagt. Er nahm sich nicht den doofen großen Grünen, sondern den kleinen roten leckeren aus Berlin. Der Hund, das Sackgesicht (siehe Foddo gleich rechts). Darauf konnte ich die ganze Nacht kein Auge zutun. Und auch morgens, als er mich zu wecken beabsichtigte, schrie ich ihn sofort wild an, dass er das größte Arschloch von der Welt sei und dass er absolut bei mir verschissen habe. Ausgerechnet den kleinen leckeren Apfel aus Berlin, dieser Trampelarsch. Er hat natürlich toll geschlafen. Dieser, dieser, dieser … ich mags nicht sagen.

<%image(20041124-fiesergast2.jpg|180|135|Der fiese Gast)%>

Das ärgerte mich alles umso mehr, als ich ihn gestern abend noch wenigstbietend abgeben wollte. Aber keiner der drei weiteren Personen der näheren Bekanntschaft mochte ihn mir abnehmen. Der eine drohte damit, er müsse sich dann die Nacht dessen komplette Jazzplattensammlung anhören, der andere wollte das seiner Familie nicht antun, bei der nächsten hätte es einen Eifersuchtsanfall gegeben. Also musste ich ihn ja wieder mitnehmen, den bayerischen Blödhampel.

Morgens wollte er dann auch noch ein heißes italienisches Nationalgetränk. Habe ich gemacht, trotzdem. Dann noch ein kurzes Gespräch über die Uhrzeit an meinem Backofen. 11:01. Sommerzeit! Meinte er doch glatt: „Nur gut, dass Winterzeit ist, sonst wäre ich jetzt eine Stunde zu spät.“ Er fragte noch nach dem Wort der Bayern mit drei Buchstaben. Ich gab zurück: „Dep“, „dof“, „Trl“, „Bet“ — er beharrte auf „fei“ und ich solle doch mal schnell im Internet nachschauen. Da habe ich ihn rausgeworfen, samt seinen dreckigen Klamotten. Und nun habe ich die Schädlingsbekämpfung im Haus. Grrrrr. Und dann eben die Geschichte mit dem Apfel, er hätte doch auch Brühwürfel oder Bananen haben können oder Zwiebeln.

Und jetzt überlege ich, ob ich mir die Internetadresse „kritische-bayern.de“ reservieren lassen soll. Mit Abschiebeanträgen für den Seehoferhorst, den Stoiberhund, den Becksteinverrecktsein, die Straussmaus oder Gloskloß sowie den fiesen Gast, die alte Ratte.

Hier der fiese Gast in freier Wildbahn. Links ein Komponist, dann der fiese Gast, dann eine Journalistin und etwas abseits ein brillanter Xenakis-Pianist.

<%image(20041124-fieser-gast.jpg|500|326|Fieser Gast in bunt)%>
(mehr …)

WeiterlesenDer fiese Gast

Rezensionsexemplar der anderen Art

  • Lesedauer:1 Min. Lesezeit
  • Beitrags-Autor:

Gestern in der CaféBar kam es wieder einmal zu einer konspirativen Übergabe von Rezensionsexemplar seitens des Jazzzeitungsredaktion — mit dabei eine nackte 700MB-CD mit einem kleinen Aufkleber: Musikfutter für CD-Player; unbedingt vorher Getränke bereitstellen und sich Zeit nehmen! Kopieren erlaubt. Musikfutter für CD-Player von CreaSharing.de Kopieren und Weitergabe ist gerne erlaubt. Nun höre ich da gerade ins erste Stückerl hinein: hmmm. Auf deren Netzseite steht dann: „Filesharing ist out, Creasharing ist in!“ hmmmm. Die…

WeiterlesenRezensionsexemplar der anderen Art

Künstlersozialkasse in Gefahr?

  • Lesedauer:6 Min. Lesezeit
  • Beitrags-Autor:

Rainald Schückens macht sich Sorgen um die Künstlersozialkasse. Denn gestern tagte die Enquete-Kommission „Kultur in Deutschland“ zu diesem Thema. Noch ist unklar, was dabei herauskommen wird. Meine Empfehlung: Die Artikel zur Künstlersozialversicherung in der neuen musikzeitung und speziell eine zwar schon etwas ältere Umfrage von 2000 zur Novellierung der Künstlersozialversicherung.

Zur aktuellen Lage ließ gestern nachmittag der Deutsche Kulturrat verlauten:

Anhörung der Enquete-Kommission „Kultur in Deutschland“ zur Künstlersozialkasse zeigt dringenden Handlungsbedarf
Deutscher Kulturrat fordert Bundesregierung zum Handeln auf

Berlin, den 22.11.2004. Der Deutsche Kulturrat, der Spitzenverband der Bundeskulturverbände, fühlt sich durch die heute stattgefundene öffentliche Anhörung der Enquete-Kommission des Deutschen Bundestags „Kultur in Deutschland“ zur Künstlersozialversicherung in seiner Auffassung bestätigt, dass es zur Künstlersozialkasse keine Alternative gibt.

Alle befragten Künstler- und Verwerterverbände haben sich für den Erhalt der Künstlersozialkasse ausgesprochen. Ebenfalls fühlt sich der Deutsche Kulturrat in seiner Auffassung bestätigt, dass bei der Erfassung der Verwerter, die eine Abgabe an die Künstlersozialkasse zu zahlen haben, besonders außerhalb des klassischen Kultur- und Medienbereiches, erhebliche Lücken bestehen. Selbst die Vertreter der angehörten Kulturwirtschaftsverbände sahen diese erheblichen Lücken.

Die Verwerter von künstlerischen und publizistischen Leistungen, also z.B. Galerien, Verlage und Theater, aber auch alle Unternehmen außerhalb des Kulturbereichs, die künstlerische oder publizistische Leistungen in Anspruch nehmen, müssen 30% der Beiträge zur Künstlersozialversicherung als Verwerterabgabe tragen. Die Versicherten, d.h. die Künstler und Publizisten, zahlen 50% in die Künstlersozialkasse und der Bund die restlichen 20%.

Der Geschäftsführer des Deutschen Kulturrates, Olaf Zimmermann, erklärte nach der Anhörung: „Die Bundesregierung ist nach den eindeutigen Aussagen in der heutigen Anhörung aufgefordert, umgehend Maßnahmen einzuleiten, damit die Lücken bei der Erfassung der künstlersozialabgabepflichtigen Unternehmen geschlossen werden können. Damit könnte erreicht werden, dass die Verwerterabgabe, die zum 01.01.2005 auf 5,8% ansteigen wird, in den nächsten Jahren wieder sinken könnte. Darüber hinaus müssen mittelfristig Modelle zur Stärkung der Künstlersozialversicherung entwickelt werden. Der Deutschen Kulturrat wird voraussichtlich noch in diesem Jahr dazu Vorschläge vorlegen.“

Der Deutsche Bühnenverein pressemeldete sogleich dagegen:
Bühnenverein ist gegen Erhöhung der Künstlersozialabgabe
[23.11.2004 | Köln]

Die für das Jahr 2005 von der Bundesregierung beschlossene Erhöhung der Künstlersozialabgabe stößt bei den abgabepflichtigen Unternehmen und beim Bühnenverein auf heftige Kritik. Die Künstlersozialabgabe soll von 4,3 auf 5,8 Prozent der Entgelte für freiberuflich erstellte künstlerische oder publizistische Werke erhöht werden. Noch 1999 betrug der – damals noch getrennte – Hebesatz für die darstellende Kunst 1 Prozent und für den Bereich Musik 1,6 Prozent. Die Erhöhungen der letzten Jahre entsprechen also einer Steigerung von 350 bis 500 Prozent.

Der Bühnenverein fordert insbesondere von der zuständigen Bundesministerin für Gesundheit und Soziale Sicherung, zu den für die einzelnen Bereiche getrennten Hebesätzen zurückzukehren. Besonders kritisch beurteilt der Bühnenverein zusammen mit anderen Abgabepflichtigen die Forderung des Deutschen Kulturrats, die Künstlersozialkasse zu verselbstständigen. Eine solche Verselbstständigung wäre mit weiteren Kostensteigerungen verbunden, die nicht zu bezahlen und daher auch nicht zu verantworten sind.
Tut sich da doch ein Loch auf zwischen Arbeitgebern und Künstlern? Hat es damit die Bundesregierung wieder geschafft, ein Problem von sich zu weisen und sich damit geschickt aus der Verantwortung zu ziehen. Taktisch gesehen wäre das wie immer ein toller Streich. Wenn zwei sich streiten, dann freut sich nämlich bekanntlich der Dritte.

Update: Auch die Dienstleitungsgesellschaft ver.di beschäftigt sich mit der Künstlersozialkasse und fordert deren Ausbau und die Steigerung des Einkommens der über sie Versicherten. Das fände ich natürlich auch gut 🙂
(mehr …)

WeiterlesenKünstlersozialkasse in Gefahr?