To whom it may concern III

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Der misantropische Kierkegaard mal wieder. Hier ganz sympathisch: Meine Zeit teile ich folgendermaßen ein: die halbe Zeit schlafe ich, die andere halbe träume ich. Wenn ich schlafe, träume ich nie, das wäre zu schade; denn Schlafen ist die höchste Genialität. Wer einmal jemanden kannte, der unter Schlaflosigkeit zu leiden hatte, der wird das verstehen können. Ich sagte mir danach. Man kann mir alles nehmen, aber nicht meinen Schlaf. Und wenn man noch so sehr…

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Kommentar-Spam

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In der letzten Zeit hatte die Kritische [Kretische] Masse [Masche] mit Kommentar-Spam ganz schon was zu tun. Irgendwer wollte so Medikamenten-Zeugs verticken. Im Prinzip reichte es zwar aus, Kommentare nur noch dann direkt zuzulassen, wenn die Beiträge nicht älter als x Tage sind. Das kann Nucleus mit einem Plugin erreichen. Aber jeden Tag drei bis 15 Kommentare abzulehnen, das macht auch keinen großen Spaß. Parallel gabs dann eine Zugangsbeschränkung über eine sogenannte .htaccess-Datei. Nun aber scheint die sogar zu funktionieren. Elegant ist das zwar nicht, aber immerhin. Wer die Datei gerne übernehmen will, die eine Ergänzung (Zeile 5 und 6, 16 bis 20) zu einer schon vorhandenen ist, der mag sie sich hier herunterladen als Text-Datei. Die gehört ins Stammverzeichnis und muss dann .htaccess genannt werden. Aber ich übernehme keine Verantwortung für etwaige Probleme. Es kann sein, dass da schon eine ist und wichtige Informationen enthält. Für nucleus ist sie momentan jedenfalls in Ordnung.

Die Kommentar-Fuzzis sind ja schon merkwürdig. Einen Sinn hatte ihr Vorhaben die ganze Zeit nicht mehr gehabt. Auch waren die so zeitlich komisch organisiert. Einmal fett gespammt, dann einige Tage Pause. Dann kamen sie wieder als texas- und phentamine-Zeugs. Seit das nicht geht, kommt der Referrer wieder von 12.163.72.13 — aber das klappt nun auch nicht mehr. Hoffentlich nicht zu früh gefreut.
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To whom it may concern II

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Auch das hatte Kierkegaard recht fein herausgearbeitet und pointiert. Das Wesen der Kritik mal anders:
Der beste Beweis, der sich für die Jämmerlichkeit des Daseins führen läßt, ist der, den man aus der Betrachtung seiner Herrlichkeit herleitet.
Der geneigte Leser der „Kritische Masse“ mag sich da langsam fragen. „Mein lieber Hufi, was ist denn nur mit dir los. Warum tust du dir diesen Dänen an? Diesen waschechten Jammerlappen aus Smörreland und Selbstmordistan?“ [Ich glaube, die Dänen haben sich da sehr verbessert, heute bringt man sich eher im Baltikum selbst um die Ecke.]
Nun Jungs und Mädels, die Antwort ist recht einfach. Der Däne spinnt — also genauer: Dieser Däne spinnt, wie es nur ein literarisch fühliger Mensch tun kann. Der Autor, nun eben der Sören Kierkegaard, der war ja selbst nicht so übellaunig, sondern vor allem gallig. Das Genre des Aphorismus, das er in den Diapsalmata (so habe ich mir diese griechische Fitzelei am Seitenkopf transliteriert) ausprobiert ist ja voll von Hasenschlägen und kürzesten Verkehrungen. Man ist nachher nicht schlauer, auch wenn einem am Anfang alles spontan klar ist. Anfangs sagt man sich: „Naja, klar doch, stimmt — schön gesagt.“ Und kramt man dann herinnen herum, dann werden diese Aphorismen sowohl zu Supernovae wie zu schwarzen Löchern. Plumps, sagte ich da nur. Eben war da doch noch ein Sinn. Und nu?

Aber manchmal sinds auch nur Lebensweisheiten, hübsch ausgedacht, wie der nächste Aphorismus:
Die meisten Menschen hasten so sehr dem Genusse nach, daß sie an ihm vorüberhasten. Es geht ihnen wie jenem Zwerg, der eine entführte Prizessin in seinem Schloß bewachte. Eines Tages hielt er ein Mittagsschläfchen. Als er nach einer Stunde erwachte, war sie fort. Geschwind zieht er seine Siebenmeilenstiefel an; mit einem Schritt ist er weit an ihr vorüber.
Klingt ja alles zunächst plausibel. Aber wer von uns ist denn ein Zwerg, der eine Prinzessin bewacht (die er selbst entführt hat?; wer anders entführt hat?). Und: Was hat das mit dem Genuss zu tun. Braucht der Kierkegaard die Siebenmeilenstiefel doch nur zum Beleg seiner These vom Genuss nachhasten. Wo ist denn der Genuss an einer entführten Prinzessin? Sie zu bewachen und nicht zu pennen, gerade als Zwerg?

Kierkegaard ist dann aber wieder so schlau und sagt ja nicht: „alle“ Menschen sondern nur „die meisten“ Menschen. Tscha. Ich war nicht gemeint, soviel ist doch klar. Prima zum Zurückzug. Aber, so höre die Leser blöken: „Hufi, warum denn dann?“

Das will ich wohl sagen. Ich beziehe mich dabei auf die Einleitung Theodor W. Adornos zu Heinz Krügers „Über den Aphorismus als philosophische Form“ [München 1988] Adorno schreibt dort, selbst ganz aphoristisch den Pfeil führend:
Der Aphorismus verwendet Sprache und Wissensprinzipien nicht so, wie sie sich von sich aus meinen: er macht sie uneigentlich und sich selber fremd. Er ist das entfaltete Nichtwissen, das die äußerste Reflexion des Wissens voraussetzt. … Er zielt auf die Negation abschlußhaften Denkens; er terminiert nicht im Urteil, sondern ist die konkrete Gestalt, in der die Bewegung des Begriffs sich darstellt, der des Systems sich entschlug. (S. 8)
Das versteht jetzt zwar auch keiner, nicht mal ich, aber ein paar Teile leuchten sofort ein. Der „gute“ Aphorismus macht nicht „peng“ oder „puff“ und weg isser, sondern er ist wie ein leises Gift, welches sich durch die Gedanken bohrt und affiziert.

Krüger hat natürlich auch dazu etwas zu sagen, und das ist gar nicht mal schlecht. Ich hatte es mir nicht gemerkt. Aber die etymologische Wurzel soll auf Hippokrates zurückgehen, der wohl medizinische Lehrsätze so nannte (»aphorismoi«), die gegen die Tempelmedizin standen und wohl auch mit seinem Lehrer Gorgias zu tun haben. Im 12. Jahrhundert greift dies ein Joannes de Mediolano seine ärztlichen Vorschriften im Form metrischer »aphorismis« zusammen. Die begannen mit dem weltbekannten: „Vita brevis, ars longa …“ (was ich immer dachte, von Baudelaire stammt). Aber klar, konnte eigentlich nicht sein.

Schön endet Krügers Abhandlung mit einem Aphorismus des Meisters Nietzsche aus der „Früöhlichen Wissenschaft“, der wunderschön ist und lange anhält:
Meine Gedanken, sagte der Wanderer zu seinem Schatten, sollen mir anzeigen, wo ich stehe: aber sie sollen mir nicht verraten, wohin ich gehe. Ich liebe die Ungewissheit um die Zukunft und will nicht an der Ungeduld und dem Vorwegkosten verheißener Dinge zugrunde gehen.
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Nutzungswert

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Die pauschalen Vergütungen auf Geräten und Leermedien befinden sich auf dem Stand von 1985. Die Bundesregierung hat bereits in zwei Vergütungsberichten festgestellt, dass sie nicht mehr angemessen, das heißt zu niedrig, sind, ohne hieran jedoch etwas zu ändern. Wenn schon der Gesetzgeber die Privatkopie erlaubt, also die Rechte des Urhebers durch Ausnahmen eingeschränkt werden, fordern die Rechteinhaber wenigstens eine angemessene pauschale Vergütung. Deren Höhe wird vornehmlich durch den Nutzungswert der urheberrechtlich geschützten Werke und…

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Stuhlgang II

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Ach, um noch einmal ernst zu werden oder zu sein. Etwas überrachend heute der Blick in die Schublade meines CD-Abspielers. Eine CD war da drin, die ich unmöglich da hinein habe tun können. Musik-CDs werden bei mir doch schon einigermaßen sorgfältig gewählt und ich weiß auch was ich dann tue. Aber heute war es merkwürdig. Beim Einlegen einer gewünschten Tonträger-CD sprang aus dem Player ein heraus, die ich unmöglich hinein tat in den letzten…

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To whom it may concern

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Ach, die Tür des Glücks, sie geht nicht nach innen auf, so daß man, indem man auf sie losstürmt, sie aufdrücken kann; sondern sie geht nach außen auf, und es bleibt einem daher nichts zu tun. Das sagte der olle Kierkegaard in Entweder-Oder. Das Glück lässt sich nicht herausfordern, es ereilt einen oder eben auch nicht — wäre es sonst denn Glück? Und was noch zu erwähnen wäre: Wenn man des Nachts von einem…

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Lieber Herr Romann,

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Und noch einmal zum Mitrechnen. Genauso gut könnten Sie, Herr Romann, ja sogar sagen, dass monatlich dann 30 × 240.000 Hörer NDR Kultur hören, also ± 7.200.000 Hörer. Und man könnte auch anders ermitteln, mit Methoden der Hochrechnung, denn anders läuft es doch bei Ihnen auch nicht. Wirklich gezählte Hörer „deutschlandweit“ hatten Sie nämlich nur laut Media-Analyse 2004/2 nur ± 241 Hörer (das ist die absolute Zahl). Dagegen sind es beim GANZEN Werk 853…

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Hörthört!

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Online-Dienste funktionieren aber nicht nur durch den Markt. Ebenso wie beim Rundfunk besteht bei einer überwiegend privatwirtschaftlichen Finanzierung die Gefahr, dass andere als Masseninteressen vernachlässigt werden, die Programmplanung stark an den Interessen der Werbewirtschaft orientiert ist und es schließlich zu einer unausgewogenen Berichterstattung kommt. Mit einem Satz: Es besteht die Gefahr, dass kommunikationsfremde Faktoren den publizistischen Prozess der Aufklärung beeinflussen.
Und was die Frau Ministerin vergaß zu sagen, dass dieser Prozeß leider auch den öffentlich-rechtlichen Rundfunk ereilt hat.
Und hier muss der öffentlich-rechtliche Rundfunk seinen Beitrag leisten können. Rundfunkanstalten entwickeln sich immer mehr zu Kommunikationsunternehmen. Zwar sind die öffentlich-rechtlichen Anbieter nicht die alleinigen Lordsiegelbewahrer für verlässliche und vielfältige Informationen, aber sie müssen die Möglichkeit der Teilhabe an den neuen Verbreitungswegen haben. Nur so können sie ihren Kultur- und Bildungsauftrag erfüllen.

Oh wie nett: Die armen öffentlich-rechtlichen Dingensdongens „müssen die Möglichkeit der Teilhabe“ haben. „Nur so können sie ihren Kultur- und Bildungsauftrag erfüllen.“ Die Worte will ich hören, doch fehlet mir der Verstand sie zuzuordnen. Ein hochministerielles Mitleid mit dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Jaja, Recht hat sie unsere Frau Staatsministerin, jaja. Herr Romann, hören sie gut zu: Es liegt daran, dass NDR Kultur keine Möglichkeit zur Teilhabe hat, dass ihre Welle den Kultur- und Bildungsauftrag nicht erfüllen kann. Es geht ihnen so schlecht, dass sie nach Quoten schielen müssen. Jaja. Wir brauchen dringend ein Live-Aid für den NDR, den armen. Ich erwarte sehnlichst ihre Weihnachtspost für Spenden, Herr Romann, denn ich will helfen.
Zitate aus: Entwicklungsmöglichkeiten des öffentlich-rechtlichen Rundfunks in Europa im digitalen Zeitalter
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