Sorry Music

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Unbestätigten Gerüchten zufolge benennt sich die Musikabteilung von Sony Music nach “Sorry Music” um. Damit trage man der Tatsache Rechnung, dass man der Musik und dem Musikleben nichts gutes antue. Soviel dialektischen Ungehorsam hätte man zwar nie erwartet, aber der letzte A&R-Manager meinte sich an Biedermann und die Brandstifter erinnern zu müssen, wo Eisenberg sagt: Scherz ist die drittbeste Tarnung. Die zweitbeste: Sentimentalität. ... Aber die beste und sicherste Tarnung (finde ich) ist immer…

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Deutsche Welle als Thema des Bundestages [Info]

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“VERLÄSSLICHERE FINANZIELLE PLANUNGSGRUNDLAGE FÜR DIE DEUTSCHE WELLE SCHAFFEN”

Berlin: (hib/BES) Die Bundesregierung will dem deutschen Auslandssender Deutsche Welle “ein modernes Aufgabenprofil” geben und dafür das Deutsche-Welle-Gesetz ändern. Damit sollen die Voraussetzungen für eine bessere Darstellung Deutschlands im Ausland geschaffen werden, heißt es in einem Gesetzentwurf der Regierung (15/3278).

Die Deutsche Welle solle künftig zusätzlich zu ihrer weltweiten Informationsaufgabe Deutschland in seiner kulturellen Vielfalt präsentieren. Auf die Vorgabe materieller Regelungen werde dabei “weitgehend” verzichtet, um die Autonomie des Senders zu wahren.

Ein wesentliches Ziel der Novellierung sei unter anderem eine stärkere Kooperation der Deutschen Welle mit der ARD und dem ZDF sowie mit anderen Auslandssendern. Zudem würden mit der Neuregelung die gesetzlichen Voraussetzungen für die Nutzung des Internets als zusätzlichen Übertragungsweg für die Angebote des Auslandssenders geschaffen, so die Regierung weiter.
Die Deutsche Welle werde verpflichtet, in einem mehrjährigen Planungszeitraum ihre Aktivitäten und Angebote in Erfüllung der neuen Zielbestimmung darzustellen und national wie international transparent zu machen.

Der Sender sei frei darin, wie er diese Ziele erreicht. Allerdings sei er verpflichtet, seine Planungen gegenüber dem Bundestag, der Bundesregierung und der Öffentlichkeit plausibel darzustellen und zu begründen.

Die Novelle sieht auch eine Selbstevaluation der Deutschen Welle vor. Finanziell soll für den Auslandssender eine “verlässlichere” finanzielle Planungsgrundlage geschaffen werden, welche die Budgethoheit des Bundestages beachtet.

In seiner Stellungnahme schlägt der Bundesrat unter anderem vor, die Jugendschutzbestimmungen für das Angebot der Deutschen Welle denen der Landesrundfunkanstalten der ARD und des ZDF anzugleichen.
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An Fratzen ziehen

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Gerade wiedergekommen von einer Reise des Katholischen Bildungswerkes Mülheim an der Ruhr zu Arp-Schnitger-Orgeln in Hamburg und Umgebung. Ein erstes Bild: Der alte Spieltisch an St. Jacobi in Hamburg.

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Buch ohne Kopf

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Buch ohne Kopf. Jonas hatte Bücher bestellt. Die Bücher sollten angekommen sein, ein Telefonat hatte dies bestätigt. Also ging er alsbald in die Buchhandlung, holte die Bücher ab und bestellte sogleich ein neues. Wie zum Abschied bemerkte Jonas noch, daß hoffentlich nicht mehr all zu viele Bücher in diesem, ihn interessierenden Bereich erscheinen mögen. Das war das Stichwort für den Buchhändler. Die Bücherflut, so meinte er, lasse sich gar nicht mehr bewältigen. Der Buchhändler hieß Schmieder und war so Mitte Fünfzig. Immer sorgfältig angezogen, mit Jacket und Krawatte. Nie sonderlich streng in der Art von Anzügen, die man aus dem Fernsehen kennt, von diesen sich ewig gleichenden Versicherungsvertretern. Eher bürgerlich, gut bürgerlich. Derart, wie man sich einen liberalen Menschen vorstellt. Schmieders Liberalität hatte ihre Grenzen. Noch vor einem halben Jahr war er Inhaber einer eigenen Buchhandlung, die den Namen seines Vorgängers trug. Irgendwelche Schwierigkeiten hat es wohl gegeben. Denn keine seiner Mitarbeiter durfte so viel Komeptenz und Engagement entwickeln wie er. Das ist unter Umständen tödlich. In einer kleinen Universitätsstadt kommt es darauf an, das Sortiment so gut abzustimmen, daß Interessenkollisionen mit anderen Buchhandlungen nach Möglichkeit ausgeschaltet bleiben. So hatte sich Schmieder auf Fachhochschüler spezialisiert. Aber daneben, so habe ich mir sagen lassen, wollte ein Mitarbeiter eine gute Science-Fiction-Abteilung einrichten. Schmieder sabotierte diese Idee. So kam es, daß einige wenige Personen bei Schmieder Bücher kauften, allein deshalb, weil seine äußerliche Liberalität und Freundlichkeit gern gesehen war. Übrigens, Schmieder führte als einzige Buchhandlung – neben einer linken – jene blauen Bände offen im Regal, die die Welt verändern sollten. Wie dem auch sei, Schmieder ging pleite.

Jetzt arbeitete Schmieder in einer Zweigstelle einer anderen Buchhandlung; der größten Buchhandlung am Orte. Hier war Schmieder natürlich nicht mehr Chef. Im Gegenteil, er betreute die Kasse und verrichtete auch sonst alle anfallenden Botengänge, Inventurarbeiten und was dergleichen mehr ist. Das Sortiment jedenfalls betreut er nicht mehr. Jonas mochte Schmieder. Vielleicht lag es daran, daß Schmieder als erster seinen Namen behalten konnte und Jonas war häufig Kunde. Die Frage nach seinem Namen irritierte ihn. Langsam hätten sie ihn doch wissen können. Schmieder also konnte es.

Das Gespräch mit Schmieder bestätigte Jonas in seiner Einschätzung der Person. Schmieder erzählte, früher, in den 50er Jahren, da kannte er noch alle Bücher, die er verkaufte. Alle Reihen waren übersichtlich kurz. Schmieder las damals noch viel. Heute hat er es aufgeben. Er fand sich nicht mehr zurecht. Er sagte das alles mit Traurigkeit in der Stimme. Er resignierte vor der Flut der Bücher. Aber mit der Unübersichtlichkeit der Bücher wurde zugleich auch seine Welt unübersichtlich. Die Welt und das Ich, ganz typisch für die Empfindungen vieler seiner Zeitgenossen, durchfurchte ein Graben, der unüberwindlich schien. Jonas sagte ihm noch, er solle bloß nicht Kracauer lesen, er würde sonst in noch viel tiefere Depressionen verfallen. Zeichen der Entfremdung von Bewußtsein und Welt.

Schmieder war herzlos geworden. Er meinte, daß er sich darüber freuen werde, wenn andere Buchhändler später eben seine Erfahrung machen werden. Er werde nicht an einem Herzinfarkt sondern an einem Lachinfarkt sterben. Das hielt Jonas für nicht fair. Jonas entgegnete ihm, daß seine Erfahrung gar nicht so einmalig und neu sei. Mit der Aufklärung, mit dem Tode Gottes, wäre das Leben der Menschen sehr viel schwieriger geworden. Die geschlossene Gemeinschaft, die ihren Halt von Traditionen empfangen hätte – man könne sich das heute noch an primitiven Gesellschaften vor Augen führen – ist hinüber. Der Weg zurück ist nicht möglich und wäre ohnehin eine Form der Regression. Also, daß das Moment der Freiheit direkt zum Problem würde für die Menschen, das muß man akzeptieren. Nur so können sie den Begriff von Freiheit überhaupt haben, sich selber reflektieren. Nur so können sie sich erheben über sich selbst, könne sich selbst in Frage stellen. Wenn damit zwar zugleich unheimliche Unterdrückunsgmechanismen in Gang gesetzt würden, sei es gegen sich selbst, gegen andere oder gegenüber der Natur, so ist das die Kehrseite der Medaille. Das ist der große Schaden. Die Entfremdung des Buchhändlers von seinen Büchern ist gewiß – in diesem spezifischen Sinn – ein nicht zu unterschätzendes Problem. Aber Jonas sagte auch, daß all das, was er, Schmieder, gelesen habe, nicht umsonst war. Schmieder konnte das nicht überzeugen. Er faßte das in folgende Paradoxie: Je mehr er lesen würde, desto weniger wüßte er. Jonas spürte an diesem Gedanken eine eigentümliche Wirkung. Sicherlich unterstützt durch das Schluchzen in der Stimme Schmieders. Jonas wußte nicht, ob er kurz vor einem Weinzusammenbruch war oder ob er schlicht etwas verschnupft war. Schmieder bewegte sich ohnehin sehr ruckhaft, wenn er sprach; klar, immer mit freundlichem Gesicht, er war ja Verkäufer, aber doch irgendwie verbittert. Es gab einfach hier keine Lösung.

Jonas verabschiedete sich endgültig mit den Worten, er müsse jetzt noch etwas arbeiten. Schmieder schickte ihn auf den Weg mit den hoffnungsvollen Worten, vielleicht könne man sich nächstes Mal über etwas anderes unterhalten.

Ein weiterer Auschnitt aus dem total misslungenen Roman: Angriff auf die Urteilskraft, Steinbach 1990, etwa Seite 44. – erster Ausschnitt
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taktlos 78: Zukunftsmusik

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Musik: Xenakis, La legende d'eer [ab 7' etwa]

Autor: Wenn eine technische Angelegenheit so beschaffen ist, dass sie zwar im Hier und Jetzt denkbar, aber noch nicht umsetzbar ist, hört man häufig den Satz: „Das ist noch Zukunftsmusik.“ Man kann sich also etwas im Groben vorstellen, aber wie sich diese Sache im Detail entwickeln wird, das weiß man nicht.

Zukunftsmusik im rein musikalischen Sinn ist dagegen etwas anderes. Es gibt zwar nur wenige, dafür aber recht eindruckvolle Beschreibungen davon, wie „Musik“ in der Zukunft praktiziert wird. In Jewgenij Samjatins 1920 geschriebenen Roman „Wir“ taucht die Musik einer zukünftigen Welt als maschinell erzeugte auf. Ein Musikometer erledigt alles.

Zitator: „Man dreht einfach an diesem Knopf und kann bis zu drei Sonaten in der Stunde komponieren. Welche Mühe machte das Ihren Vorfahren! Sie konnten nur dann schaffen, wenn sie sich in einen krankhaften Zustand, in ‘Begeisterung’ versetzten, was nichts anderes ist als eine Form der Epilepsie.“
Autor: Die Musik dieser Welt ist total rational erfasst und weil sie komplett vom Subjektiven getrennt ist, ist sie gut und richtig – die „alte“ Musik dagegen wird in dieser Gesellschaft als Krankheit empfunden: Sie krankt am Menschen. Dieser Roman malt eine vollkommen rationale und durchgeregelte Welt aus. Und totalitär sind in ihr Gesellschaft wie Musik.

Musik: Xenakis, Persepolis-Remix, Ryokji Ikeda: Per se [Track 2 von Anfang – hart rein – aber wie raus?]

Autor: Zu einer anderen Vorstellung von Zukunftsmusik gelangte Franz Werfel 1945 in seinem Roman „Stern der Ungeborenen“. Zwar gibt es in seiner Vision noch Musikinstrumente, nur haben sie nicht länger Tonverursacher wie Saiten oder Mundstücke. Werfel imaginiert eine Musik ohne Schall und nennt sie „astromentale“ Musik.

Zitator: „Das Geheimnis der astromentalen Musik lag nicht in einer bloßen Suggestion mit Umgehung des materiellen Klanges, sondern in der Entbindung des inneren, aktiven, musikalischen Lebens, das der Zuhörer selbst in sich trug. Es war ein gewaltiger Schritt vorwärts auf dem Wege der Verinnerlichung und Vergeistigung, dessen ich Zeuge werden durfte.“
Musik: Reinhold Friedl, Epitaff, ab 1.46 [Track 5] sowohl vorher unterlegen wie nachher unterlegen.

Autor: Immerhin, bei Werfel wie Samjatin machte man sich noch Gedanken über die Tonwelt zukünftiger Musik und war dabei ziemlich pessimistisch. Hört man heute in die Runde, bewegen sich die Gedanken über Zukunftsmusik in den Dimensionen von Technik, Wirtschaft und Recht. Wie verkauft man Musik in Zukunft? Was wird aus der Musikindustrie? Wem gehört die Musik? Es geht heute vorrangig um Musik als zukünftigem Geschäftsmodell. Zeitgleich hat sich eine unfassbare Technik- und Wirtschaftsgläubigkeit durchgesetzt. Musik spielt in diesen Koordinaten eine so große Rolle wie in der Fleischindustrie die Konserve. Was Werfel und Samjatin nur ahnen konnten, scheint, zumindest nach Maßgabe der Technik, längst realisiert. Es ist vielleicht nur noch ein halber Schritt zu einer durch Industrie und Staat vollständig gegängelten Musik. Und wahrscheinlich hat unsere Zukunftsmusik nichts mehr mit Musik im eigentlichen emphatischen Sinne zu tun: Die zunehmende Anreicherung von Schall in unserer Umgebung hat die Musik längst verdrängt.

Musik: Steve Reich: Four Organs [Track 5] von Anfang an.

Der Beitrag wurde für taktlos, das musikmagazin des bayerischen rundfunks und der neuen musikzeitung verfasst und lässt sich auch als Real-Audio anhören.
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Zeitprobleme

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– O Schmerz! O weher Schmerz! Die Zeit verschlingt das Leben, Und dieser düstre Feind, der nagt an Herz und Mark, Wird durch das Blut, das wir vergießen, groß und stark. (Charles Baudelaire)

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Dünnfunk

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Nun ist auch die letzte Rundfunkanstalt in Deutschland durch. Das Programm ist glatt gebügelt nach allen Erfordernissen alternder Besserwisser. Jetzt also der Hessische Rundfunk. Auf der Welle HR1 sind die politische Sendung zum Tagesgeschehen „Der Tag” und das musikalisch anspruchsvolle „Schwarz-Weiߔ weggeopfert. Wir erinnern uns an Theo Geißlers Leitartikel, vor knapp einem Jahr zurück. Geißler zitiert den Hörfunkdirektor des Hessischen Rundfunks Heinz Sommer mit der törichten Weisheit: „Der Radiohörer hört Radio – nicht Kultur … in allererster Linie Radio und nicht Inhalte” – und ein Leser will Texte und keine Literatur. Heute nennt Sommer im Einklang mit seinem Intendanten Helmut Reitze das feinsinnig das Prinzip „Durchhörbarkeit”. Durchhörbar wird es werden, weil das neue Programm so dünn ist, mit Musik durchgesuppt wie mittlerweile leider bei zahlreichen anderen öffentlich-rechtlichen Funkern ebenfalls. Woher rührt eigentlich die phasenverschobene Wahrnehmung der Funkmeister der Nation?

Angeblich erfüllen die Herrschaften nur einen sozusagen basisdemokratischen Auftrag, nämlich mehr Hörer zu erreichen, so wie Politiker mehr Wähler. Das Mittel der ersten Wahl ist natürlich Brot und Spiele, oder wie im Hörfunk seichte Musik (ja, aus Schwarz-Weiß wird wohl die HR1-Lounge) und Gelaber. Neu war allerdings, dass in Hessen eine Initiative „Rette dein Radio” mobil machte, unter ihnen Heiner Goebbels, Gert Scobel, Cora Stephan und die Gruppe Badesalz. Der Initiative wirft man aus der HR-Chefetage vor, das Radio zwanghaft in „Hochkultur” und „Dudelfunk” einzuteilen. „Diese Spaltung der Belegschaft wird nicht gelingen,” meinen Reitze und Sommer. Nein, denn sie ist schon vollstreckt nicht nur beim Hessischen Rundfunk sondern quer durch Deutschland. Theo Geißler startete seinen Artikel mit einem Text Bert Brechts: „Ein Mann, der etwas zu sagen hat und keine Zuhörer findet, ist schlimm dran. Noch schlimmer sind Zuhörer dran, die keinen finden, der ihnen was zu sagen hat”. Doch wer redet heute eigentlich noch von Zuhörern. In den Augen der Entscheider sind es nur Durchhörer. Klappe halten, das graue Teil zwischen den Ohren auf Durchzug stellen und Gebühren zahlen, dafür ist das Quoten-Futter gut.

Cluster sind eine Rubrik in der neuen musikzeitung, hier nmz 6/2004, Seite 10.
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