Kalenderblatt: Dezember
Aus dem monatlichen Kalenderblatt der Kultur-Kritik Dezember: weiter: Wäscheklammern klammern sich fest.
Aus dem monatlichen Kalenderblatt der Kultur-Kritik Dezember: weiter: Wäscheklammern klammern sich fest.
Am 20.11.2003 übertrug Bayern4Klassik die 17. Ausgabe der Sendung contrapunkt – einer Gemeinschaftssendung von MDR KULTUR und Bayern4Klassik. Thema war Kirchenmusik – Zwischen Andacht und Ohnmacht. Eine spannende Sendung, die leider immer noch aufzeigte, wie schwer wiegend die Wunden der Vergangenheit in die Gegenwart hineinreichen.
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Ist es Chanson oder ist es nicht? Jein. Für mich hat der Chanson immer den Ruch von französischer Schnoddrigkeit. Irgendwie klingt er automatisch nachgemacht. In eine Zeit transportiert, die eigentlich unrettbar vorbei ist. Corinne Douarres CD „Virages” gehört eben da nicht hinein, sondern ist neue, aktuelle Musik, die gleichwohl Anklänge zulässt. Das ist spannend, schön und ganz vielfältig hier. Auf ihrer Website fasst sie es als “nouvelle vague dieses Genres” zusammen. Das trifft es…
HiFi-Stereo (!), gelb (!!) mit 3D-Poster und -Brille (!!!). Schräge musikalische Ursuppelei für Platten-Spieler; voll abtauchenswert – Kunst.„,”Eine ganz merkwürdige Platte, die manchmal an der Grenze zur Stille sich bewegt. Das sind ganz feine musikalische Äderchen, die wie im Track “Consciousness” auf der B-Seite eine so angehm weiten Atemzug haben. Das vibriert auf einer weiten Fühlungsamplitude. Schnurren, scharren und dabei noch Rhythmus geben. Eine fantastische Wirkung und ein ganz unwildes Erfühlen von Freiheiten in Phrasen und Klang.
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Eine zweite Reise bei Meta Racords. Das new art saxophone quartet ist im Unterengadin unterwegs, nicht wirklich aber mental. Klaus Pfister (ss), René Straub (as), Daniel Chmelik (ts) und Erich Strehler (bs) sind da unterwegs mit “Hörbildern” wie es Pfister nennt. Man ist geneigt, bei vier Saxophonen kann man nichts falsch machen, die klingen einfach sowieso immer gut. Und hier ist es nicht anders.
Herausgekommen ist ein musikalisches Vielerlei, das sich zwischen der quartettlogischen Patternwirtschaft und experimentellen Klangerzeugnissen ausbreitet: mal süffig, mal feingliedrig, also immer differenziert. Dahinter stehen zwar beinahe programmatische Anmutungen großer bildlicher Tragkraft wie “Lai blau – 2700 m Höhe, ein See aus blauem Glas” – doch das schadet in mehrfacher Hinsicht nicht. Wer in den Bergen war, kenn ähnliche Bilder und Gefühle, die sie auslösen. Sie haben etwas Unerreichbares, was nicht so richtig durch rationalisierten Klang einholbar ist [ich persönlich würde da am ehesten noch an Webernsche Musik denken].
Und es schadet auch nicht, weil man dieses meines Erachtens notwenige Misslingen nicht als solches hört. Die Musik bleibt frisch und eigen. Sie ist weit genug auch entfernt von der rauhen Bläue es Julius Hemphill mit seinen Saxophonisten, die in Berlin auf dem Jazzfest anno 1992 oder 1993 die Musik zum Kochen brachten.
new art saxophone quartet: Guarda!
Meta Records, meta 20
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Meta Records machen Meta Records. Das trifft auf diese CD noch stärker zu als auf andere aus dem gleichen Hause. „Go Lep-Lai-Lai” wird im Untertitel “a musical journey” genannt. Etwas, was immer häufiger auf den Schreibtischen der CD Rezensenten landet. Man kann dies wohl mit Grund eine Mode nennen. Gleichwohl: Diese Reise mit dem Mikrofon durch Thailand ist anders. Während im ersten Stück noch so richtig das blühende Leben präsentiert wird, mit Hupen und…
Mardi Gras.bb haben schon ein paar hübsche saftige Platten zusammengebracht. Die neue mit dem reizenden Cover verspricht laut Titel “Hitze”. Doch das will dieses Mal nicht so recht klappen.
Das erste Stück ist noch extrem süffig und in der Rhythmus-Programmierung zusammen mit dem realen Klang satt. Ja, this ist heat, durchaus. Doch schon bei den nächsten Nummern ist irgendwie Sand im Getriebe dieser Soundmaschine, ja, das klingt bisweilen etwas eckig.
Die Grundierung stimmt immer noch, aber meines Erachtens ist die Abmischung im Zusammenhang mit den anderen Instrumenten beinahe grob, so dass sich die Off-Beats der Gesangslinien nicht deutlich genug dagegen legen können.
Die Titel versprechen weiterhin Hitze wie “S-E-X-X-Y” [T. 6] und gewiss ist da auch eine musikalische Schwüle mitdrin, vor allem in den Breaks, doch irgendwie zünden die Songs nicht so recht. Fast alle Stücke fangen exzellent an und alle haben Mittendrin ganz fantastische Subtilitäten. Doch Detail und die musikalische Suppe mischen sich nicht so recht zusammen. Die Bläsersets können sich dabei so sharp halten wie sie mögen. Schade, wirklich schade.
Mardi Gras.bb: Heat
Hazelwood
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Jetzt liegt die Scheibe schon einige Tage, Wochen bei mir herum und irgendwie fehlen mir die Worte. Von Anfang an hat mir die Musik gefallen. Die Songs sind alle einzigartig und gehen spielerisch mit vorhandenen musikalischen Genres um.
Da denkt man mal, man befinde sich in der Country-Musik, einer wohlweislich dänischen [Track 1: bring it], denn die Musiker stammen aus Dänemark. Danach kommt ein hochkomplexer aber softgrooviger Song [Track 2: the beat], der nach bester Liedherstellung klingt. Das wirkt ebenso stilsicher wie auf eine freundlich bestimmte Weise anspruchslos.
Kopfstimmig und posaunig dann No. 3 “the last song”. Und so geht es weiter und weiter. Eine wunderbare Platte, die zum aufgedrehten Zurücklehnen animiert. Für den Freund feinster Songideen ebenso interessant wie für den Partymacher.
the broken beat: /the weather beats the rhythm/
Hazelwood: HAZ 025
PS: Wenn mans nicht wüsste, käme man nicht darauf, dass es dänische Musiker sind. Die Musik klingt im vorteilshaften Sinne so schlampert, so hinterrotzig … jawohl.
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Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen. Im Gespräch mit der Pressesprecherin [Pressereferentin] des Deutschen Musikrates (Susanne Fließ) äußert der Präsident dieses Unternehmens:
Es [das alte Musikforum] war sehr niveauvoll, aber wer liest heute eine Zeitschrift, bestehend aus einer Ansammlung kluger Artikel, wirklich von vorne bis hinten durch?
Ich weiß, der Umkehrschluss liegt nahe, ist aber rein logisch nicht gestattet. Dennoch offenbart diese Aussage ein bedauerliches Absinken des Niveaus des Betrachters.
Dank schuldet Krüger auch seinem Ausführer Michow gerne: Allein was Jens Michow im Bereich der Öffentlichkeitsarbeit mit dem völlig neu geschaffenen Organ „DMR intern” und dem umgestalteten “Musikforum” auf die Bein gestellt hat, ist enorm. Vor allem enorm uneigennützig. Man kann die Zeitschrift in der Tat von hinten nach vorne durchlesen und ist erstaunt, was für ein langweiliges Produkt dabei herausgekommen ist, welches eigentlich mindestens den Namen “DMR noch interner” verdient hätte.
Apropos Insolvenz des Deutschen Musikrates. Noch am 21.8.2003 versicherte Jens Michow, nach Stellungnahme gefragt per Mail: Die bisherigen Rückantworten zeigen deutlich, dass der in Abstimmung mit dem Finanzamt erarbeitete Satzungsänderungsantrag des Präsidiums von den Mitgliedern angenommen wurde, sodass nunmerh kurzfristig die Anmeldung der neuen Satzung des DMR e.V. beim Vereinsregister der Stadt Bonn erfolgen kann. Danach steht der endgültigen Beendigung des Insolvenzverfahrens spätestens zum 1. Oktober 2003 nicht mehr im Wege.
Die Zeit vergeht, nichts steht. Und das ist schon wirklich enorm!
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