Schnickschnack

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Nach der Arbeit ist irgendwie auch vor der Arbeit. Und manchmal ist, was eigenartig, nicht einmal bequem. Beim Löschen von hunderten alter Digitalkamera-Daten sind mir einige erschienen, die nicht unbedingt so richtig dolle sind, die aber eine Situation oder einen Ort reflektieren, den man durchaus aus dem Gedächtnis gestrichen hatte. Interessiert auch keinen. War auch nicht so wichtig. Was will der Dichter damit sagen. Gute Frage. „Kommunikation ist die Erzeugung schönen Scheins, mit dem…

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Gastfreundschaft

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<%ThickBox(1/klinik2.jpg|Waschbeton an Draht|Klinikum)%>

»Wir haben keine Frühstücksgäste, aber wir bedienen Sie selbstverständlich.« Bad Neustadt an der Saale ist ein kleines Örtchen, nicht einmal richtig idyllisch, jedoch inmitten der Rhön. Die kleine fränkische Saale schlängelt sich durchs Tal. An allen Ecken gibt es Kur- und Bäderärzte. Aber in dieser kalten Spätherbstzeit sind viele Ecken verwaist. Hoch oben, in einen Berg am Rande der Stadt hat ein Architektur-Stümper ein monströses Klinikungeheuer visioniert. Waschbeton, gekoppelt mit Münchner Olympia-Stadion-Dach und Fullerschem Kuppel-Gedöns.

<%ThickBox(1/klinik5.jpg|Kuppelkunst als Fullergedöns zur Heilung|Klinikum)%>

Abends etwas Essen zu gehen ist, denkt man, ist eigentlich kein Problem. Irgendwo wird sich was finden. Nachdem ein Grieche nur Dienstags geschlossen hatte, ging es weiter zu nächsten. Von außen nicht gerade anheimelnd, zeigte sich das Lokal von innen als Edelstein-Ausstellung – mit Essensanschluss gewissermaßen. Man kocht in diesem Lokal siebenbürgisch. Schnitzel, gefüllt mit Schafkäse oder Mici – was von außen aussieht wie Cevapcicci, aber ganz anders gewürzt ist und nicht so scharf gebraten wird. Mich erfüllt es immer wieder mit Erstaunen, dass es in Deutschland überhaupt noch Lokale gibt. Dieses war spärlich gefüllt mit zwei weiteren Gästen und einem undefinierbaren Gast in Kunst- oder Echtseidenblouson. Viel zu verdienen ist da nicht, die Preise sind sehr zivil. Ein Pils braucht hier noch sieben Minuten. Was müssen diese Wirte aushalten. Auch wenn gar nichts los ist, sind sie da. Und wenn dann ein Gast kommt, wird er vorzüglich bedient. In meiner näheren Umgebung in Regensburg oder Berlin dagegen wechseln die Pächter halbjährlich oder machen den Laden ganz dicht. Sicher reicht so wenig Kundschaft nicht aus, um derlei Betriebe vernünftig am Laufen zu halten. Aber man merkt es den Wirten nicht an. Sie behandeln einen freundlich, unaufgregt, sie jammern nicht und machen ihre Arbeit, auch wenn es sich nicht »lohnt«.

<%ThickBox(1/2006-12-obsidian.jpg|Schneeflöckchen-Obsidian, ein Geschenk nach dem Speisen|Klinikum)%>

Im Bad Neustadter Lokal durfte man statt Schnaps-Zugabe einen kleinen Edelstein wählen. Auf einer Untertasse präsentiert. Ich bekam und wählte ein Schneeflöcken-Obsidian. Einen Stein, wie der Wirt sagte, aus Utah. Ganz dunkel mit hellen Einschlüßen, die wie Schneeflöckchen aussehen. Meiner war nicht so fein und der Wirt bot mir ein besseres Exemplar an. Dazu durfte man in einem Heftchen etwas über die segensreichen Eigenschaften des Stein lesen. Es folgte eine ausführliche Führung durch seine Stein-Schätze in den Resträumen des Lokals. Mein Gastgeber kaufte mir noch ein weiteres, schön durchleuchtbares Exemplar mit Amethyst. Das wurde in einem Strohgefelcht verpackt. Ganz wunderhübsch. Auf diesen Schrecken dürstete mich dann doch nach einem Obstler. Und der ging, trotz mehrfacher Intervention, aufs Haus.

Derartig freundliche Bewirtung habe ich lange nicht mehr genossen. Und immer fühle ich doch diese Bedrohung über der Wirtschaft, wie lange das noch gut gehen kann. Gestern auf Bayern5aktuell versprach sich der Nachrichtensprecher und meldete, »dass 11 Millionen Deutsche von Arbeit, äh, Armut bedroht« seien.

Auch zum Frühstück eine ähnliche Situation. Dunkel von außen der Speiseraum. Aber auf Nachfrage war es kein Thema, ein kleines Frühstück herzurichten für die zwei späten Gäste. »Brötchen müssten wir erst noch besorgen.« Und wurden besorgt.
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Geschrei

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Ich höre immer nur „Geld“ – „Geld“ – „Geld“ — nur was „Geld“ bringt, lohnt sich. Ich könnte heulen. Der Bauch tut es schon.

Es ist ein Fehler, zu denken, dass eine (vernünftige?) Korrelation zwischen Arbeit und Erwerb besteht. Überhaupt ist es ein Fehler, (gesellschaftliche?) Arbeit in Korrelation zum Verdienst zu sehen. Aber es durchdringt viele Menschen bis zum Kollaps.

Denn wenn diejenigen, die die Hauptzeit ihres wachen Lebens mit „Unfrei-Übungen“ verbringen — und das sind nahezu alle Lohnarbeiter — und am Abend nur noch für „frei“ ins Haus gelieferte Amüsierprodukte Kraft haben; oder wenn diejenigen, die sogar von der Chance, unfrei zu arbeiten, ausgeschlossen sind — also die Arbeitslosen — wenn die keine Proletarierer sind, dann weiß ich nicht mehr, was das Wort überhaupt noch anzeigen soll.

Schrieb Günther Anders im zweien Band der „Antiquiertheit des Menschen“. Aber heute muss man sich anscheinend schon dafür zur Rechenschaft ziehen lassen, dass man überhaupt einer Arbeit nachgeht, wenn sie denn auch noch mit einem gewissen Vergnügen verbunden ist. Nein, Arbeit muss — protestantisch oder nicht — einen blockieren. Sie muss dem Nützlichen und Praktischen alleine dienen. Arbeit muss unfrei machen. Nur dann ist es gute, ehrliche, wirkliche — wengleich auch das-selbst-vernichtende — Arbeit. Solche Selbsterhaltung durch Unfreiheit, scheint mir aber kein Ziel eines andauernden Lebens zu sein.

Man erntet nur Unverständnis, wenn man nicht in erster Linie an Selbsterhaltung denkt. Lieber also schlecht gelebt aber dafür mit Mitteln, als anders? Und am besten, die andern sind immer Schuld?

Der Versuch von Selbstverwirklichung schon selbst gilt als elitäres (Pseudo-)Privileg, welches gekonnt die Realität zu parieren scheint. Man soll sich ja nur nichts gönnen, schon gar nicht erst, wenn man es nicht kann. So soll man es auch nicht dürfen. Ich bin froh darüber, dass es immer Menschen gegeben hat, die darauf gepfiffen haben.

Das will gar nicht verkennen, wie viel und häufig Menschen in Lagen kommen, die scheinbar oder offensichtlich mit solchem Spaße nichts anfangen können. Und so etwas kann jeden alle Zeit treffen, in eine Lage zu kommen, in der man weder noch vorne noch nach hinten weiß. Aber ist das ein Grund, jemanden anderen, dem es anders geht, der einem aber näher ist, dies vorzuwerfen. Kann man es jemandem vorwerfen, wenn er statt mehr Geld zu verdienen dies eben nicht tut, um Zeit zu haben für Dinge, mit denen man wenig oder kein Geld verdient?

Kann man. Aber Du oder ich?

Natürlich ist es ein ungeheures Privileg, nachts um eins Reger-Sonaten für Solo-Violine zu hören. Natürlich ist es ein Privileg, nach um eins Einträge in ein sinnloses „Blog“ zu machen. Natürlich ist es Quatsch, Kommentare zu kommentieren. Natürlich ist es ein Privileg, herumzusalbadern. Natürlich ist es genauso Quatsch, Freunde zu haben — weil die ja auch nicht Geld-Wert sind. Jedenfalls nicht deshalb. Natürlich ist es besser, dieses vorzuwerfen, eben weil jenes. Am Besten, es ginge allen schlechter, damit es allen besser schlechter ginge. Die Gleichheit wird immer nach unten gefordert, wenn man sie nach „oben“ fordert. Natürlich nicht nach ganz „oben“ sondern in der Nähe „oben“ oder nach „unten“ (je nachdem), denn „ganz oben“ ist zu weit.

Ein ehernes Gesetz der Selbstzerstörung in modernen Zeiten vieles Leids — ein Mitstrudel. Da Ausbrechen, aber wie? Mit leckerem finnischen Nationalgetränk? Oder mit Bläh und Blah. Die Zeiten verzerren die Züge. Natürlich auch die eigenen. Besser, man gibt es nicht zu.
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Erzeugung von Misstrauen

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Im Gästehaus der Rhönklinik in Bad Neustadt untergebracht, erkundigt man sich selbstverständlich auch über etwas wie die Hausordnung. Eigentlich gehe auch ich von der Anwesenheit ganz gewöhnlicher Menschen sogar an diesem Ort aus. Doch das Misstrauen wird geschürt, wenn man lesen muss, dass das Wertfach im Zimmer nicht versichert sei. Dabei ist das sogar schon eine Art Tresor. Gegen ein Pfand von 10 Euro kann man aber ein Wertfach mieten, welches bis zu 500 Euro versichert ist. Da wird einem ja mulmig. Und mittlerweile gehe davon aus, dass die Probleme womöglich gar nicht von den Gästen des Hauses herrühren sondern von den Mitarbeitern – nicht der Putzkolonne sondern den Ärzten. Erfahrung lehrt die Eintragung des Hinweises an die Gäste. Aber vermutlich muss man das machen, damit im Falle eines Falles alles geklärt ist. Wie auch immer. So unschuldig, wie man sich die Umgebung wünscht, ist sie dann offenbar nicht. Und dann wird man misstrauisch.

»Als Einrichtung des Gesundheitswesens bitten wir Sie darüber hinaus, Alkohol nicht missbräuchlich zu zu genießen. Rauchen in den Zimmern und auf den Balkonen ist nicht gestattet.« (Das geht nur in der Cafeteria! – aber natürlich auch nicht missbräuchlich!)
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Einsamer Ort

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Hier das Örtchen im sechsten Stock eines Gästehauses eines erstaunlichen Klinikums. Die Aktionäre pieseln sicher woanders. Und ich muss noch viel lernen.

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Gesundheitssystem – (-1)

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Es kann nicht klappen, weil es nicht klappen kann. Eigentlich müsste man das ganze gesundheitspolitische System mal in allen Details zunächst darstellen, damit man sehen kann, was ich vermute, dass keine noch so intelligente Steuerung seitens der Politik funktionieren kann. Aber auch schon die Selbststeuerungssysteme innerhalb des ganzen Funktionsrahmens sind defekt.

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Kalenderblatt Dezember 2006

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Noch wird da gearbeitet. Eine absterbende Kunst und Arbeit. Die Fabrik ist verkauft, der neue Ofen wird schon gebaut. 900 Stück in 8 Stunden oder in einer? Das ist die Frage, die sich dem neuen Besitzer stellt. Bald vorbei und Menschen arbeitslos, hochqualifizierte zumal. IKEA-Lifestyle. Nichts hat mehr Wert.

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In der Mitte der Wirtschaft

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Nachtrag zum vorhergehenden Beitrag. Wie tief die Dummheit und die Dreistigkeit geht, zeigt die von Google eingeblendete Werbung bei der Suche nach „rechtes Gedankengut in Bayern.“ Es folgt ein Screenshot! — keine Werbung: Man könnte es ja glatt für komisch nehmen. Aber es ist dies der schon längst automatisierte Terror. Machen wir halt den Preisvergleich. Ich fasse es nicht.

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Bayern vorn

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Relativ klein blieb die Reaktion der Öffentlichkeit auf eine Studie der Friedrich-Ebert-Stiftung mit dem Titel „Vom Rand zur Mitte“: Präsentation einer bundesweiten Repräsentativbefragung zu rechtsextremen Einstellungen in der deutschen Bevölkerung (hier als pdf). Weder ging das groß durch die Zeitungen noch war es offenbar ein Thema für Alpha-, Beta- und Omega-Blogger. (Muss es auch nicht, die haben genug mit der Selbstorganisation der Alpha-. Beta-, Omega- und Web2.0-Welt an der Backe). Dennoch zeigt diese Studie,…

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