Was ist Kreativität? – Aufstieg eines Begriffs

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Auf dem Plan stehen zahllose psychologische Helfer, den den Prozess der Kreativität in der Form des bloßen Problemlösens (von welchen Problemen auch immer) sehen und entsprechende Techniken der Lebensbewältigung anbieten, die man, so gut es geht, zu formalisieren weiß. Der Bildungsforscher Hartmut von Hentig sieht im Begriff der Kreativität und seiner Verwendung ein ‘Heilswort’ der gegenwärtigen Epoche: "Es steckt noch voller Versprechungen. Jeder weiß es zu nutzen, keiner mag es entbehren, keiner kritisiert es. Es ist gleichermaßen beliebt bei Technikern und Umweltschützern, Wirtschaftsführern und Pädagogen, den schwarzen, roten, grünen und blaugelben Parteien" (Hentig, S. 10).
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1961 – György Ligeti: Atmosphères für großes Orchester

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Sensationen in der LuftUlrich Dibelius, ein wachsamer Begleiter der neuen Musik seit den 50er Jahren erinnert sich an die erste Aufführung von György Ligetis Atmosphères: „Die Uraufführung ... bei den Donaueschinger Musiktagen trug alle Anzeichen des Sensationellen. Denn diesem Grad von ,Destruktion' nach zehn Jahren fleißiger Konstruktion [Dibelius meint damit alle Formen seriellen Komponierens, eines systematischen Umgangs mit Tondauern, Tonhöhe, Tonlagen, Lautstärken usw.] hatte bisher noch keiner zu verwirklichen gewagt.“ Destruktion ist hier uneingeschränkt…

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Geld-Wert

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Abgänge, Fusionen, Auflösungen: Die Politik hat die Kultur im Griff, im Schwitzkasten sozusagen. Zahlenmeister regieren in der Kulturpolitik. Komisch, dass einem das erst seit kurzer Zeit auffällt. Ist die Erosion des Kulturlandes Deutschland wirklich so dramatisch. Nein, sie ist es nicht, es ist viel schlimmer. Es ist doch schon sehr merkwürdig, dass man sich bis in die 60er und 70er Jahre hinein, nie wirklich Gedanken um die Finanzierung von Kultur machen musste, mehr noch: man musste sich überhaupt keine Gedanken machen. Jetzt, da es ums Geld geht, steht kultureller Populismus ganz weit oben, denn es geht um Geld und darum, wo es herkommen soll. Man merkt es in weiten Teilen der neuen-Musik-Szene, die auf musikalische Knaller aus ist; man merkt es an den letzten und kommenden Rundfunkreformen, die allein auf Quoten schielen; man merkt es fast überall. Es geht um Geldwerte, ob in der Tonträgerindustrie (Wirtschaftsverband), ob bei der Gema (Musik hat ihren Wert), ob im Rundfunk (Einschalten statt Zuhören). Geld stiftet allerdings keine Kultur und die nur über Geld vermittelte Kultur ist eine kaum noch verschleierte Form der Barbarei. Auf dem Weg der Hochkultur vom Elfenbeinturm zur Kreditkarte gab es keine Umwege. So rächen sich jetzt die Fehler der Vergangenheit mit den Fehlern der Gegenwart: Aber andere Pfade sind weiterhin aktiv: Da könnte man von den unabhängigen Strömungen der Popkultur immer noch lernen. Doch wer Kultur immer nur in einem Verwertungszusammenhang sieht, der entwertet sie unweigerlich.

Es geht um Geldwerte, ob in der Tonträgerindustrie (Wirtschaftsverband), ob bei der Gema (Musik hat ihren Wert), ob im Rundfunk (Einschalten statt Zuhören). Geld stiftet allerdings keine Kultur und die nur über Geld vermittelte Kultur ist eine kaum noch verschleierte Form der Barbarei. Auf dem Weg der Hochkultur vom Elfenbeinturm zur Kreditkarte gab es keine Umwege. So rächen sich jetzt die Fehler der Vergangenheit mit den Fehlern der Gegenwart: Aber andere Pfade sind weiterhin aktiv: Da könnte man von den unabhängigen Strömungen der Popkultur immer noch lernen. Doch wer Kultur immer nur in einem Verwertungszusammenhang sieht, der entwertet sie unweigerlich.

Martin Hufner
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Keine Gnade für Berlin

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    Sprecher: Das waren noch Zeiten. Bonn war Bonn und Bonn war die Hauptstadt der Bundesrepublik Deutschland. Niemand hätte von diesem ausgewachsenen Provinznest am Rhein erwartet, ein kulturelles Zentrum zu sein. Die Bonner Subkultur artikulierte sich durch das Trinken von Kölsch nebst karnevalistischem Treiben. Ein paar Museen packte man drauf, das wars auch schon. Musik: ????Sprecher:     In Berlin ist das nun alles ganz anders. Diese neue Hauptstadt, einst westdeutsche Insel und damit kulturell…

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Älterwerden mit Musik

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Sprecher 1: Wo man heute auch hinsieht oder hinhört: Die Jugend und die kaufkräftigen 20 bis 30-jährigen stehen im Mittelpunkt unseres Fit-Forever-Kulturlebens, auch in der Musik: RTL-Popstars, Konzerte für Kinder, Studien über die möglichen Effekte einer frühen musikalischen Förderung von Kindern und Jugendlichen. Bisweilen springt man musikalisch sogar bis in die Gebärmutter hinein.
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Deutschstunde

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Schon lange Zeit kämpft der Leiter der Interessengemeinschaft unabhängiger Musikverlage, Michael Kudritzki, für deutsche Musik. Dass es die gibt, ist ja eh klar, nur wird sie im Rahmen unserer öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten zu selten gespielt: Der „Auslandsanteil“ betrage nach Kudritzki angeblich bei den Öffentlich-Rechtlichen über 70, bei den Privaten gar 95 Prozent. Schlimm genug, dass sich sogar deutsche Musikverlage mit ausländischen Komponisten schmücken. Alarm! Also Quote her, damit Deutschland wenigstens zur Hälfte wieder den deutschen…

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Biedermeier – Konzerte für Kinder

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„Konzerte für Kinder“ nennt sich eine Initiative der Jeunesses Musicales Deutschland. Dieser Initiative geht es um bessere Konzerte für Kinder. Das ist schön, das ist nett. Denn in der Tat ist allzumal das deutsche Konzertleben gekennzeichnet durch alte eingeschworene Rituale einer verglimmenden bürgerlichen Musikkultur. Dass eine derartige Musiktradition für das junge Publikum größtenteils uninteressant ist, darüber dürfte Einigkeit bestehen.

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Böse Onkels und die Leitkultur

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Die Welt ist rund. Da ist es ein unerträglicher Anachronismus, plötzlich von einer Tradition zu reden, die man sich im Gewirr der universalen Netze einfach erfindet: deutsche Leitkultur schallt es da aus den politischen Provinzhirnen. Und dabei ist man sich ja nicht einmal im Klaren, wie es denn um unsere Kulturlandschaft bestellt ist. Da gibt es zum Beispiel sogenannte „national befreite Zonen“, Versuche „deutsche Musik“ im Radio über die Quote zu „emanzipieren“. Kann eine…

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In den Welten und vor allem dazwischen

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Der Zitherspieler Robert Zollitsch kennt keine Berührungsängste Als ich Robert Zollitsch das erste Mal traf, war es auf dem internationalen Folk- und Tanzfestival in Rudolstadt, da gehörte er für mich wie so viele aus dieser Branche in die Ecke des naiven Exoten. Und dann spielte er auch noch Zither, ein Instrument, welches durch Benutzung in zahlreicher volkstümelnder Musik ohnehin problematisch war. Dieses schiefe Bild wurde unmittelbar korrigiert, als ich ihn spielen hörte. Da war…

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