Deutsch-Quote kontrovers

  • Lesedauer:9 Min. Lesezeit
  • Beitrags-Autor:

Das kommt auch nicht gerade oft vor, dass der Pressedienst des Deutschen Bundestages Kontroversen zu dokumentieren unternimmt. Gestern gab es die Diskussion über die Deutsch-Quote im Rundfunk. Es kamen Personen vom öffentlich-rechtlichen Rundfunk und vom privaten zu Wort, ebenso Vertreter der Musikwirtschaft (sprich der Phonographischen Wirtschaft) sowie auch ein Jurist und ein französischer Berichterstatter.

Meines Erachtens macht die Kontroverse deutlich, dass alles unklar ist. Dass es in Deutschland genügend Musik gibt, die es wert wäre, überhaupt und vor allem über die Rundfunkanstalten an das Publikum gebracht zu werden, scheint mir ganz evident. So ein Mann wie John Peel in England macht glänzend vor, die perspektivenreich die Musikkulturen sind. Nur: solche Leute müsste man in Deutschland verordnen (was natürlich nicht geht oder nur wenig) und nicht eine Quote, die ihrerseits eine rein mathematische Funktion hätte. Allerdings ist die Abwehr von Seiten des öffentlich-rechtlichen Rundfunks fadenscheinig. Ihr Argument, man würde „nicht im entferntesten die musikalischen Interessen der Hörer“ spiegeln – so sagte es Gernot Romann – ist hilflos und selbstherrlich. Dass die privaten Sender die Quote ablehnen, das ist deren Sache. Sie haben unter anderen Bedingungen zu arbeiten als der öffentlich-rechtliche Rundfunk. Komischerweise, und nicht angehört, sind bei der Suche und Sendung „besserer“ Musik die nichtkommerziellen privaten Sender weiter (und sie senden teilweise auch John Peels Programm!).

Jetzt zur Berichterstattung:

Ausschuss für Kultur und Medien (Anhörung)
QUOTE FÜR MUSIK AUS DEUTSCHLAND WIRD KONTROVERS DISKUTIERT

Berlin: (hib/BES) Über das Thema Musikquote in Deutschland beraten am Mittwochnachmittag in einer öffentlichen Anhörung der Ausschuss für Kultur und Medien und die Enquete-Kommission „Kultur in Deutschland“ mit Künstlern sowie Vertretern der Sender und der Musikbranche als Sachverständigen.

Auch der ehemalige französische Kulturminister Jacques Toubon wird über die Erfahrungen mit der Musikquote berichten. In seinem Land müssen die Radiosender schon seit 1995 zu 40 Prozent französische Musik spielen.

Im Vorfeld des Hearings, das um 15 Uhr begonnen hat, äußerten sich bereits die geladenen Experten in schriftlichen Stellungnahmen zu der von der Phonographischen Wirtschaft, von Musikern und Politikern geforderten Quote für deutschsprachige Sänger und Lieder im Hörfunk.

Dabei zeichnen sich klare Fronten ab: Während sich die Musikindustrie für die Quotierung einsetzt, sprechen sich die Sender vehement dagegen aus. Dabei sind sich die privaten und öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten einig.

Anlass für die Beratung in den Gremien des Bundestages ist eine seit längerem in der Öffentlichkeit geführte Diskussion über den niedrigen Anteil deutscher Musik in den Hörfunkprogrammen und die Krise der deutschen Musikindustrie.

Deutschsprachige Musik findet – abgesehen von den Sparten „Volksmusik“ und „Schlager“ – im Rundfunk kaum statt, so die Argumentation des Bundesverbandes der Phonographischen Wirtschaft. „Deutschsprachig sind allein die Nachrichten, die Verkehrsmeldungen und die Werbung, nicht aber die Musik.“ Ernüchternd seien in diesem Zusammenhang die Ergebnisse diverser Studien.

So liege der Anteil von deutschsprachigen Neuheiten in den öffentlich-rechtlichen Sendern bei 1,2 Prozent. Insgesamt machten deutschsprachige Titel nur 18,9 Prozent des Programms aus, bei den privaten Sendern sogar nur 5,1 Prozent. Die Quotierung könnte die Vielfalt der Musikkultur stärken und deutschsprachigen Musiktiteln eine Plattform verschaffen, gehört zu werden.

Gernot Romann, Vorsitzender der ARD-Hörfunkkommission und NDR-Hörfunkdirektor, argumentiert in seinem Statement hingegen mit Entschiedenheit gegen die Quote: „Qualität und Vielfalt lassen sich nicht durch festgeschriebene Quoten erzwingen.“ Dies würde „unweigerlich“ zu einer oktroyierten Ausgewogenheit führen, die nicht im entferntesten die musikalischen Interessen der Hörer spiegele.

Primäre Aufgabe der Programme sei es, den Ansprüchen der Hörerinnen und Hörer gerecht zu werden, nicht denen eines Wirtschaftszweiges, so Romann weiter. Auch bei der Frage der Nachwuchsförderung könne die Antwort nur lauten: „Keine Quote!“

Gegen die Einführung einer Quote ist auch das ZDF, das sich in seiner Stellungnahme ausschließlich auf das eigene Fernsehprogramm bezieht. Ohnehin existiere das Problem einer Unterbewertung deutschsprachiger oder in Deutschland produzierter Musik im ZDF nicht: ZDF-Programmformate mit deutscher Schlager- und Volksmusik seien nach wie vor sehr beliebt und bedürften weder der politischen Hilfe noch gesetzgeberischer Unterstützung. Neben rein rechtlichen Bedenken sei auch zu befürchten, dass die Quotenregelung zu kreativen Ideen bei der Umgehung des Gesetzes führen würde.

Die privaten Sender sehen gar ihre Existenz bedroht, sollte die Quote gesetzlich geregelt werden. Als Wirtschaftsunternehmen müssten sie sich aus dem Markt finanzieren und seien deshalb anders als die öffentlich-rechtlichen Anstalten dazu gezwungen, wettbewerbs- und gewinnorientiert zu arbeiten.

Der Verband Privater Rundfunk und Telekommunikation e.V. (VPRT), der rund 150 private Unternehmen aus Fernseh-, Hörfunk-, Multimedia- und Telekommunikationsbranche vertritt, lehnt daher die Einführung einer gesetzlichen Quote grundsätzlich ab.

Dies würde einen massiven staatlichen Eingriff in die Rundfunkfreiheit der privaten Rundfunkanbieter bedeuten und die wettbewerbsfinanzierten Unternehmen dazu zwingen, unwirtschaftlich und am Konsumenten vorbei zu arbeiten. Die Quote sei auch nicht geeignet, Nachwuchsmusiker zu fördern. Erfolg zu „quotieren“ sei nicht die Aufgabe der Politik, heißt es in einer Stellungnahme dazu.

Für eine freiwillige Selbstverpflichtung spricht sich Professor Udo Dahmen, Künstlerischer Direktor und Geschäftsführer der Popakademie Baden-Württemberg GmbH, aus. Dabei sollte auf einen entsprechenden Anteil an deutschsprachigen Produktionen, Produktionen aus Deutschland und Neuheiten geachtet werden.

Eine freiwillige Selbstverpflichtung sei vorzuziehen, da eine gesetzlich vorgeschriebene Quote „auch immer einen Eingriff in die verfassungsmäßige Rundfunkfreiheit“ bedeute.

Auf rechtliche Probleme weist Jörg Gundel, Privatdozent an der FU Berlin, hin. Dies betreffe zum einen die Programmfreiheit, die national und EU-weit geschützt ist. Die Quote für Musik aus Deutschland könne zudem auch als Diskriminierung ausländischer Künstler bewertet werden. Möglich wäre dagegen eine Quote nach dem französischen Vorbild, die auf die Verwendung der Landessprache abstelle.
(mehr …)

WeiterlesenDeutsch-Quote kontrovers

1963 – Paul Nizan, Canto

  • Lesedauer:1 Min. Lesezeit
  • Beitrags-Autor:

Grimmig hält ein Rotlicht die Autos in Schranken. Die Pflastersteine rütteln. Die Brücke ist breit und hell der Stein in der Sonne. Ein Tiefwasser treibt durch die Bogen, dem die Bäume ihre Blätter spenden. Das Rotlicht zittert, die angehaltene Meute dröhnt; es schüttern die Steine. Paul Nizan, Canto, Frankfurt/M. 1993, S. 211.

Weiterlesen1963 – Paul Nizan, Canto

Anhörung zur Quote für Musik in Deutschland

  • Lesedauer:2 Min. Lesezeit
  • Beitrags-Autor:

Die alte Diskussion, jetzt Gegenstand der Enquete-Kommission „Kultur in Deutschland“. Die Veranstaltung ist öffentlich.

Berlin: (hib/BES) – Ausschuss für Kultur und Medien. Das Thema „Eine Quote für Musik in Deutschland?“ ist Gegenstand einer gemeinsamen öffentlichen Anhörung des Ausschusses für Kultur und Medien und der Enquete-Kommission „Kultur in Deutschland“.

Das Hearing beginnt am Mittwoch, dem 29. September, um 15 Uhr im Anhörungssaal des Marie-Elisabeth-Lüders-Hauses in Berlin und wird voraussichtlich bis 18 Uhr dauern. Als Sachverständige sind geladen: Gernot Romann, Vorsitzender der ARD-Hörfunkkommission und NDR-Hörfunkdirektor, Hans-Jürgen Kratz, Vizepräsident des Fachbereichs Hörfunk im Verband Privater Rundfunk und Telekommunikation, Jacques Toubon, ehemaliger französischer Kulturminister, Professor Udo Dahmen, Künstlerischer Direktor und Geschäftsführer der Popakademie Baden-Württemberg GmbH, Jörg Gundel, Privatdozent an der FU Berlin sowie die Künstler Inga Humpe und Jim Rakete.
Mein Kommentar: Ja, wir brauchen eine Quote, aber nicht so eine, sondern eine für Musik selbst. Denn, ob deutsch (was immer das ist), ob außerdeutsch, Musik ist mehr als Gedudel, doch das ist eben der Standard. Außerdem, die Deutsch-Quote gibt es doch längst: auf Mallorca.
(mehr …)

WeiterlesenAnhörung zur Quote für Musik in Deutschland

Phonoline hat die Hosen voll

  • Lesedauer:1 Min. Lesezeit
  • Beitrags-Autor:

Es ist ja gut, dass es noch Menschen gibt, die sich ein bisschen auskennen. Zum Abgesang von Phonoline, dem Download-Dingens, hat Janko Röttgers aus der Ferne recherchiert. In seinem Weblog „Mix, Burn & R.I.P“ veröffentlichte er ebenfalls die schrägen Pressemeldungen von IFPI-Deutschland und der Telekom.

WeiterlesenPhonoline hat die Hosen voll

taktlos # 81 – Töteralismus

  • Lesedauer:1 Min. Lesezeit
  • Beitrags-Autor:

Töteralismus„Zwick-Mühle? Kulturelle Bildung in der Zerreiß-Probe zwischen Bund und Ländern“
29. September 2004 / 21:30 bis 22:30 Uhr
Bayern2Radio
Live aus der Archenhold-Sternwarte, Berlin-Treptow
Moderation: Theo Geißler

(mehr …)

Weiterlesentaktlos # 81 – Töteralismus

Felder

  • Lesedauer:1 Min. Lesezeit
  • Beitrags-Autor:

Sinnloses Gebilde. Hommage á BRD. Noch sinnloser.

WeiterlesenFelder

Phonoline wechselt die Hosen – oder was?

  • Lesedauer:2 Min. Lesezeit
  • Beitrags-Autor:

Eine etwas unverständliche Pressemitteilung flatterte heute von der Deutschen Landesgruppe der IFPI e.V. / Bundesverband der Phonographischen Wirtschaft e.V. ins Postfach. Danach soll Phonoline (die Musikdownload-Plattform) von T-Com zu T-Online wandern und wohl ins Downloadportal „Musicload“ integriert werden — oder umgekehrt oder noch anders. Das Handelsblatt schreibt deutlicher: „Ein Sprecher von T-Online sagte am Montag in Darmstadt, Phonoline gebe seine Geschäfte auf.“ Ich muss zugeben, ich kenne mich da nicht mehr aus.

P R E S S E M I T T E I L U N G – Berlin, 27.09.2004

PhonoLine-Handelspartner können ihre Geschäftsmodelle mit neuem Technikpartner T-Online fortsetzen

Deutsche Telekom konzentriert das Musik-Download-Geschäft bei T-Online

Die Deutsche Telekom konzentriert ihre Online-Aktivitäten zukünftig bei T-Online. Das betrifft auch die technische Plattform „PhonoLine“. Es ist aber gewährleistet, dass alle PhonoLine-Shoppartner mit ihren Downloadangeboten ein Wechselangebot zu T-Online erhalten. Darauf verständigten sich die Deutsche Telekom und Vertreter der Musikwirtschaft in den vergangenen Tagen.

PhonoLine ist in Kooperation mit T-Com als Technikpartner erarbeitet worden. Nach einer konzerninternen Entscheidung der Deutschen Telekom AG wird das Geschäft mit Musikdownloads bei T-Online gebündelt.

Alleine im August verzeichnete PhonoLine mehr als 160.000 Downloads und war damit nach Apple sowie neben Musicload und aol eine der vier großen Plattformen in Deutschland.

„T-Online verfügt mit seinem eigenen Downloadangebot Musicload bereits über umfangreiche Erfahrungen im Bereich des Musikvertriebs im Internet“, erklärt Gerd Gebhardt, Vorsitzender der deutschen Phonoverbände. „Deswegen sind wir froh darüber, zusätzliche Kompetenzen gewinnen zu können. Der Musikmarkt im Internet ist auch dank PhonoLine stark im Aufwind. Diese Tendenz wollen wir erfolgreich fördern.“

Einer der Schwerpunkte von T-Online für die Weiterentwicklung von Musicload wird die Content Aggregation sein. „Wir kooperieren bereits mit vielen Labels erfolgreich und wollen das Angebot für die User deutlich ausweiten. Eins unserer Ziele ist es, bis zum Jahresende 500.000 Songs über Musicload anzubieten“, so Burkhard Grassmann, Vorstand Medien T-Online.(mehr …)

WeiterlesenPhonoline wechselt die Hosen – oder was?

2004 – Blizaktuell – Schach-Pogo

  • Lesedauer:1 Min. Lesezeit
  • Beitrags-Autor:

Piraten in Regensburg — auch Backe: Regensburg. — Zwei unbekannte Täter „enterten“ gestern einen Luxusdampfer, der am Marc-Aurel-Ufer in Regensburg festgemacht hatte. Sie klauten eine Golfausrüstung und zwei Figuren vom Bord-Schach. Folglich musste die geplante Bordschach-WM abgesagt werden. Schlägerei — auch in Regensburg — Eskalation auf bairisch: Regensburg. — Weil er geschubst wurde, geriet ein Disko-Besucher in Rage. Vor dem Lokal forderte er die Schubser heraus. Die Türsteher mischten mit Schlagstöcken und Pfefferspray mit.…

Weiterlesen2004 – Blizaktuell – Schach-Pogo