Sybaris – Danza alla tedesca

  • Lesedauer:6 Min. Lesezeit
  • Beitrags-Autor:

Großvater Stöffel ißt den Brotaufstrich mit dem Löffel. Die krumme Liese kocht das Pferdefleisch in Margarine. Witwe Plem wäscht ihrem Großen, zweimal die Woch' die Unterhosen. Die Familie Schober heizte vor'ges Jahr schon im Oktober. Bei Dreher Fichte brennt oft noch nach neun Uhr das Lichte. Wenn man so was hört, sagt man unbesehn: Ein solches Volk muß untergehn, ein solches Volk muß untergehn.Unbesehn muss es untergehn. Wieso denn, fragte ich meinen marxistisch geschulten…

WeiterlesenSybaris – Danza alla tedesca

Anfang

  • Lesedauer:1 Min. Lesezeit
  • Beitrags-Autor:

Wehret den Anfängen versus Soviel Anfang war nie Nun wähle.

WeiterlesenAnfang

Per Gesetz

  • Lesedauer:1 Min. Lesezeit
  • Beitrags-Autor:

Jetzt haben wir den Salat, Regierung und Opposition bringen zusammen ein Gesetz auf den Weg. Dessen Inhalt: Es ist verboten, dumm zu sein. Zuwiderhandlung wird bestraft.

WeiterlesenPer Gesetz

Dieter Gorny ins Präsidium des Deutschen Musikrates gewählt

  • Lesedauer:8 Min. Lesezeit
  • Beitrags-Autor:

Was für eine Nachricht! Dieter Gorny tritt die Nachfolge Jens Michows an, der sich vor kurzem aus dem geschäftführenden Präsidium des Deutschen Musikrates verabschiedet hatte. Das bedauerte der Präsident des Deutschen Musikrats, Martin Maria Krüger, zwar sehr, Michow schien aber doch sehr enttäuscht, wie er dem MusikMarkt kundtat.
„Wenn man nichts mehr bewegen kann, sollte man aufhören. Ich bin nach reiflicher Überlegung zu der Überzeugung gelangt, dass sich meine Vorstellung von Verbands- und vor allem Teamarbeit nicht länger mit der Arbeitsweise meiner engsten Präsidiumskollegen vereinbaren lässt. … Leider ist es dem Präsidium bis heute nicht gelungen, das versprochene DMR-Engagement im Bereich der Rock- und Popmusik auch nur ansatzweise zu realisieren, schließlich war dies unser zentrales Anliegen und Wahlversprechen“, zitiert ihn der Musikmarkt.
Also ist natürlich Platz da für einen neuen Präsidiumskollegen, dessen Vorstellung von Verbands- und Teamarbeit besser mit den Präsidiumskollegen zu vereinbaren ist. Und den fand man dann auch: Dieter Gorny — das Urgestein des Deutschen Musikrates? Und so kommt der Deutsche Musikrat aus den Schlagzeilen nicht heraus.

Wir erinnern uns: Vor vier Jahren sollten die neuen Präsidiumsmitglieder gewählt werden. Die neue musikzeitung stellte den Kandidaten ein paar kleine Fragen, wie zum Beispiel diese (+ Antwort Gorny):
Ihre Beweggründe, sich zur Wahl des Präsidiums des Deutschen Musikrates zu stellen?
Musik und Kultur brauchen Engagement. (Quelle)

Knackig, nicht wahr. Sein nachhaltiges Interesse an einer Wahl zeigte er bereits damals durch Abwesenheit während der damaligen Mitgliederversammlung. Die damalige Generalsekretärin Marlene Wartenberg äußerte sich dazu wie folgt:
Aus politischen Grünen bedaure ich, dass die Mitglieder des Deutschen Musikrates durch ihre Wahl in der Generalversammlung dieses Signal gesetzt haben. (Quelle)
Alle lieben Dieter Gorny, nur nicht die alle Mitglieder des Deutschen Musikrates, sonst hätten sie ihn ja gewählt. „Dämlicher Souverän“ war der nmz-Cluster überschrieben. Hatten wir sowas nicht vor wenigen Tagen auch? Nein, das wäre ungerecht, schließlich ist Gorny jetzt demokratisch gewählt worden, nämlich vom sog. erweiterten Präsidium des Deutschen Musikrates.

Mit etwas Verwunderung ist allerdings zur Kenntnis zu nehmen, dass ein Kommentar im Kulturinformationszentrum des Deutschen Kulturrates und der ConBrio Verlagsgesellschaft im Laufe des heutigen Tages gelöscht worden ist. Warum eigentlich? Obwohl: Eigentlich ist das ganz klar.

Sondershausen, (nmz). Als Nachfolger für den resignierten Jens Michow hat das Präsidium des Deutschen Musikrates bei seiner Sitzung in Sondershausen den ehemaligen Musikpädagogen und ehemaligen VIVA-Boss Dieter Gorny für zunächst ein Jahr in den Fünfer-Kreis der Vereins-Geschäftsführung berufen. Nicht gerade ein zukunftsweisendes Signal. Michow ist mittlerweile mit „seinem“ Verband, dem IDKV – einer Veranstalter-Vereinigung offensichtlich beleidigt aus dem Musikrat ausgetreten.

In einer nach zuverlässigen Angaben heiß umkämpften, sehr knappen Entscheidung fiel die Wahl auf den wirtschaftlich angeblich kompetenteren Kandidaten. Betrachtet man Gornys jüngste Karriere-Knicke, könnte man auch von einer Verlegenheitslösung sprechen. Klassik-Komm. versenkt, Pop-Komm grade mal an Berlin verscheuert, VIVA an den Konkurrenten MTV verloren. Auch im Musikrat selbst hat Gorny in den vergangenen Jahren kaum durch Aktivität geglänzt — während der Konkurs-Krise allenfalls durch Abwesenheit. Ein Fall von welkem Name-Dropping? Offensichtlich wollte man aber nach der Einbeziehung Hans Bäßlers in die „Fünferbande“, wie das geschäftsführende Präsidium von Insidern mittlerweile zärtlich-spöttisch genannt wird, eine stärkere Einflußnahme professioneller Pädagogen verhindern.

Der Vorgang macht deutlich, dass die als Schaffung einer „Task-Force“ in der Notsituation der Insolvenz gedachte, seinerzeit brauchbare Zweiteilung des Präsidiums als dauerhafte Lösung wenig taugt. Zumal einige der geschäftsführenden Präsidialen ihr Amt mittlerweile sehr stark an ihre reale oder vermeintliche Persönlichkeit geknüpft sehen. Schon bei der nächsten Generalversammlung Ende Oktober sollte der Souverän, also die Mitgliedsverbände, sehr ernsthaft über eine Satzungsänderung nachdenken. Sinnvoller als ein Zweiklassen-Vorstand mit fünf Oberhäuptern und zwölf bis 14 Beisprechern scheint doch ein auf neun bis elf Köpfe verkleinertes Gesamtpräsidium, in dem sich die weitgefächerte Kompetenz der Mitgliedsverbände angemessen widerspiegelt.
Quelle: Autor: Webwatch — Wurde mittlerweile im Kulturinformationszentrum gelöscht.

Update: Und außerdem, Gorny ist mal so reingerutscht, die Satzung des Musikrates sieht es so vor:
„Scheidet ein Mitglied des Geschäftsführenden Präsidiums vor Ablauf seines Mandats aus, kann das Präsidium ein Ersatzmitglied für die restliche Amtszeit bestellen.“
Im Oktober, während der nächsten Mitgliederversammlung des Deutschen Musikrates, sind die Mitglieder wieder der Souverän:
“Die Mitgliederversammlung hat folgende Aufgaben:
a. Wahl des Präsidenten auf die Dauer von vier Jahren
b. Wahl der Mitglieder des Geschäftsführenden Präsidiums auf die Dauer von vier Jahren
c. Wahl der weiteren Mitglieder des Präsidiums auf die Dauer von vier Jahren

Liebe Mitglieder des Deutschen Musikrates, nehmt eure Sache ernst und wählt, wen ihr wollt!
(mehr …)

WeiterlesenDieter Gorny ins Präsidium des Deutschen Musikrates gewählt

Nur ein bisschen Druck

  • Lesedauer:7 Min. Lesezeit
  • Beitrags-Autor:

<%image(20040921-fuehmann.jpg|96|72|Franz Fühmann - Mitte)%>

Er gehört zu den besten Autoren, die in der DDR gelebt haben. Franz Fühmann, ein guter Mann. Als Jugendlicher war er ganz der Nazi-Propaganda auf den Leim gegangen, umerzogen in sowjetischen Lagern mauserte er sich zum Verteidiger des Sozialismus. Ab den 60er Jahren wurde er freier und freier — er setzte sich mit beispielsweise mit Trakl auseinander und bekam dafür den Geschwister-Scholl-Preis. Am Ende war er engagiertes Mitglied der Friedensbewegung der DDR. Er starb 1984, die Stasi-Akte über ihn wurde weit später geschlossen. Fühmann gehört ganz sicher zu den integersten Personen, die der Schriftstellerberuf hevorgebracht hat.Er hat nie verleugnet, wofür er einmal stand, er hat es nie entschuldigt. Er hat sich nie von seiner Biographie distanziert. Ja, solche Menschen gab es in der DDR. Ja, und wahr ist es, dass ich mich schämen muss, es überhaupt zu erwähnen und einen Maßstab heranzuziehen, denen westdeutsche Schriftsteller sich nie „so“ stellen mussten. Denn, dass einer im „Reich des Bösen“ nicht selber böse wurde, dass mag sich auch heute kaum jemand vorstellen können oder wollen. Im Westen herrschte ja immer die Ariel-Reinheit der Kunst oder der perfekte Persilschein. Wir, die entnazifizierten, wir konnten uns duch unsere Tätigkeit nie beschmutzen. Aber die anderen, drüben, die hatten sowieso, so und so Dreck am Stecken. Jaja, so einfach ist das.

Also, jener Franz Fühmann schrieb zwischen 1982 und 1984 ein Stück mit Musik, Alkestis, dessen präziser Titel lautet:

Alkestis. Stück mit Musik in einem ersten Akt, einem zweiten Akt, zwei dritten Akten und einem Vorspiel.

Dazu = Deliziös-verklärte Varianten zur Hintergrundforschung mythologisch bedingter Träume bzw. Landschaften im Weltbild antiker Dramen oder so = Fünf Ostraka-Palimpseste aus dem Kramladen der Antike (in Aquatintamanier) von Heiner Ulrich, Hinstorff Verlag Rostock 1989.
Warum ich das erwähne. Dieses Stück ist leider nicht Bestandteil seiner Ausgabe der Gesammelten Schriften geworden. Aber dieses Werk kennt bestimmte Stellen, die so einfach wie schlagend sind. Die Projektion auf die DDR der Zeit liegt nahe, aber ebenso wirft sie ein Licht auf die Gegenwart. In der Rotfassung (es gibt auch eine Schwarzfassung, das Publikum hätte per Scherbengericht zu entscheiden, welche Fassung gespielt wird) des Dritten Aktes beinhaltet den folgenden Passus.
Zeremonienmeister:
Als der Cäsar der Skythen die Provinz Kimmerien erobert hatte und dort Wahlen ausschrieb, fragte man ihn, wieviel Stimmen seine Partei, die »Partei zum Wohl des Freien Volkes von Kimmerien«, wohl erwarten dürfe, und da gab er die berühmtgewordene Antwort: Bei wirklich freien Wahlen zwei, drei Prozent, aber mit ein gaaaanz klein bißchen Druck achtundneunzigkommasieben …
Ebenda, S. 72 f.

Und zuvor sang der Stadtkommandant:
Wenn etwas nicht geht,
wie es gehen muß,
man hat alles versucht,
doch es gab nur Verdruß,
dann bleibt noch ein Mittel zu Schluß:
Ein kleines bißchen Druck,
und schon geht es mit Ruck-Zuck,
wie es gehen muß
zum guten Schluß!
Ein kleines bißchen Druck,
und es geht mit Ruck-Zuck!
Hau ruck!
a.a.O.

Erschienen ist Alkestis in der DDR, 1989 — nicht in der BRD! Was ich nähers bedeutsam finde, ich bin ja ein Kind des Zonenrandgebietes und hatte daher Zugriff aufs DDR-Fernsehen, es sind kaum 15 Jahre vergangen, dass das Staatsgebiet von DDR und BRD wieder vereinigt sind, ist, dass man heute wieder geneigt ist, historische Erfahrungen und politische Entwicklungen über einen Kamm zu scheren. Die DDR, das war „böse“ und zwar nur „böse“, Stasi, Sie wissen schon und so, freie Wahlen (haha) und SED, das sein NSDAP mit anderen Mitteln gewesen. Wenn man dann aus westlicher Sicht einmal eintaucht in die Geschichte der DDR, sich mit den einzelnen Biographien beschäftigt, mit den Verschiebungen, mit den Traurigkeiten und Freuden, mit den Verzweifelungen, dann durchbricht man den eisernen Block und die Mauern der Vorurteile. Die BRD war ja auch ebenso Franz-Josef Strauß wie Rio Reiser, war Nazi-Richter (ist kein einziger jemals zur Rechenschaft gezogen worden) wie Gustav Heinemann, war Rot-Weiss-Essen-Fan wie Bayreuth-Besucher, war Rudi Dutschke wie Kiesinger.
„Der Amerikaner, der Columbus zuerst entdeckte, machte eine böse Entdeckung.“
Georg Christoph Lichtenberg

(mehr …)

WeiterlesenNur ein bisschen Druck