Autorenschaft und Vertrauen im Journalismus

Man bekommt eine Newsletter-Mail am Sonntag, gekenzeichnet mit Personenbild und gescannter Unterschrift. Das baut Bindung auf. Da spricht jemand zu einem. Jedenfalls geht es mir so.

So auch heute von Tagesspiegel Checkpoinst und Bezirke Tagesspiegel.

Bis auf die Ansprache handelt – Guten Morgen vs. Liebe Nachbarinnen, liebe Nachbarn – handelt e sich um die gleichen Text, inhaltlich. Umbruch und Auszeichnungen durch Fettungen mal ausgenommen.

Haben beide Autor:innen hier zufällig den gleichen Text verfasst?

Es ist wohl eher so, dass da eine Redaktion im Hintergrund den Text geschrieben hat und die Autor:innen ihren guten Namen dafür hergegeben haben. Aber was soll dann diese Personalisierung durch Unterschrft und Bild? Was bedeutet das für andere Texte in diesen Medien, die namentlich gekennzeichnet sind?

Ich will das nicht überbewerten. Aber es ist trotzdem einfach eine Irreführung. Und das beschädigt nun einmal das Vertrauen in Journalismus insgesamt. Es wäre zudem vollkommen unnötig, weil man ohne Sorgen und Verluste so einen Text auch als einen aus einer anderen Abteilung kennzeichnen könnte. Es ist einfach dumm.

Gewiss, es gibt auch andere Dinge, die wichtiger sind als diese Beschwerde von mir hier. Andererseits darf auch im Kleinen nicht vergessen, dass Standards einzuhalten sind. Wer den journalistischen Pfennig nicht ehrt, …

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der huflaikhan

Betreiber der Kritischen Masse seit 1995. Seit 2023 Wiederaufnahme. Promotion mit einer Arbeit über Adornos kompositorische und theoretische Auseinandersetzung mit der Zwölftontechnik. Arbeit für den Bayerischen und den Mitteldeutschen Rundfunk als freier Autor und Regisseur – zumindest bis Ende 2015. Online-Redaktion für neue musikzeitung, Jazzzeitung und Oper & Tanz. Unglücklich, aber fast taub.