Das hat der Juan Martin Koch in der aktuellen nmz ausgegraben. Also, was mal vor 100 Jahren Thema im Theaterzirkus war. Für den Autoren Rudolf Hartmann war es absolut entscheidend, dass der Regisseur (gab es damals schon weibliche überhaupt) von der Musik her dachte, nicht von der Szene. Das sollte ein Selbstverständlichkeit sein, sonst kann man auch einfach Theater ohne Musik machen, oder?
Nach der Entwicklung unseres Musikdramas jedoch, mit dem Hand in Hand die Regiekunst zu erfreulicher Höhe ausreifte, ist es von grundsätzlicher Wichtigkeit, daß der Regisseur ein durchgebildeter Musiker ist, der alle seine Regieanweisungen der Musik zu entlösen weiß, wo sie unausgesprochen zwischen den Noten verankert liegen. […] Der Regisseur muß also auf regressivem Wege die Stimmungen wiederzufinden suchen, die in der Seele des Komponisten der Anstoß zur Gestaltung der einzelnen tonalen Einheiten wurden, die im Entstehungsprozeß des Tondramas also lediglich deren Uebertragung, ihre Umschaltung in die musikalische Sprache darstellen.
Etwas anders, nun, die Seele des Komponisten wiederfinden, ist dagegen problematisch, da a) anmaßend und b) ist im Akt der Reproduktion der Komponist oder die Komponistin selbst Gegenstand der ästhetischen Auseinandersetzung, zumindest der kritischen.