Bei Kaltmamsell (Haltungsschaden – Tante Prusseliese) und pepa (Anspruch) bin ich der der Diskussion einigermaßen stecken geblieben. Da gings — kurz gesagt — ums Verhältnis zwischen Bürger und Staat.
Nun wollte ich das gleiche Phänomen einmal anhand der Ansprüche von Bürgern gegen Unternehmen ein wenig nach lesen. Eine hochrenommierte Musikzeitung hat einmal eine Mail folgenden Inhalts erhalten:
Sehr geehrte Damen und Herren,
ich wundere mich ein wenig, daß auf Ihrer Homepage immer noch keine aktuellen Stellenanzeigen (für März 2004) veröffentlicht worden sind (Ihre Kollegen der Schweizer Musikzeitung haben dies schon vor einer Woche geschafft); ebenfalls bin ich erstaunt, daß weder in der Bibliothek der Stuttgarter Musikhochschule noch in der Musikbücherei der Stadt Stuttgart die Märzausgabe zu finden ist immerhin haben wir bereits den 17. März
Sollten Sie mich und evtl. Leidensgenossen mit dieser Verspätung zu einem Abonnement zwingen wollen, wüßte ich dies gern. Für Ihre Antwort im Voraus besten Dank.
Mit freundlichen Grüßen
Man muss wohl kaum eigens dazu sagen, dass das entsprechende Angebot der Zeitung im Netz freiwillig ist und niemals ein Anspruch darauf bestand, dieses sehen zu können. Was, daneben kann die Zeitung dafür, dass bestimmte Institutionen nicht in ihrem Besitz sind. (Vielleicht sind die Ausgaben auch von Leidensgenossen geklaut worden.) Dass dann diese Zeitung durch ihre späte Veröffentlichung (im Netz) dann jemanden also zum Abonnement zwingen würde, ist harter Tobak.
Diese Haltung kommt verhältnismäßig selten vor, aber sie ist gewiss kein Einzelfall. Man ist aber immer wieder einfach nur baff und erstaunt, mit welcher Selbstverständlichkeit manche Leute davon ausgehen, das eben alles immer irgendwie im Netz kostenlos zu sein habe. Das sind die Leistungen dieser Zeitung im Netz zwar alle, aber den Zeitpunkt der Veröffentlichung will man doch selbst bestimmen. Und klar ist doch, oder dachte ich, sollte es sein, dass reale Abonnenten einen gewissen Vorzug erhalten. Aber es geht natürlich auch anders. Mancher Nutzer ist sehr mitfühlend.
Sehr geehrter Herr XXXX!
Ich nutze mit Begeisterung die Internetausgabe der XXX, besonders den Stellenmarkt. Jedoch muß ich feststellen, dass die Erneuerung dessen immer später in den letzten Monaten stattfindet. Ich weiß das man eigentlich ein Abonnement bestellen soll und somit sehr schnell die Sachen erhält, aber da ich viel unterwegs bin ist das Internet die einfachere Lösung. Daher mußte ich hoft feststellen dass die Stellen-Auschreibungen, wenn sie im Netz erscheinen, oft schon überlaufen sind. Ich würde mich freuen wenn es bald wieder zum Monatsanfang den Stellenamrkt gibt und nicht erst um den 10. einews Monates.
Vielen Dank und machen Sie so weiter!
Mit freundlichen Grüßen
Und in solchen Fällen gibt man sich dann auch Mühe, eine Lösung zu finden. Gelegentlich erreichen einen auch Emails aus mehr oder weniger privaten Gründen. Weil man mal was geschrieben hat und jemand dann ein paar Erklärungen wünscht. Früher habe ich das immer sorgfältig beantwortet. Eine Rückantwort erhielt ich jedoch immer seltener, dass man auch da nach dem “Ton” der Anfrage sich richtet.
Subject: Guten Tag,ich habe einige Frage zu dem György Ligeti
Ich habe fragen zu:
Die musikalische Charakteristika des Werkes
1. Verwendung von Clustern im Unterschied zu Tonleitern
2. Immanente Dynamik
3. Mikropolyphonie (vgl.VI.I, Pulte 11-14)
4. Allmähliche Veränderungen in der Frequenzbreite
Könnten sie mir sämtliche Stichpunkte erläutern?
MFG
Die Mail fing wirklich so an! Außer, dass ich auf ein Kürzel wie “MFG” mit dicken allergischen Pickeln reagiere, frag’ ich mich dann schon. Warum will das wer wissen? Was bin ich denn? Das Auskunftsbüro für Ligeti? Damals, als es noch Briefpost gab, ist mir so etwas noch nicht widerfahren. Aber was soll ich mich da aufregen?
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